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Finstere Nacht Trauer und Düsteres

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Alt 11.05.2016, 13:11   #1
Jongleur
Hallig-Dichter
 
Registriert seit: 05.05.2016
Ort: Großstadt
Beiträge: 63
Standard

Liebe syranie,

Herzlichen Dank für deine offene Antwort. Ich stimme eigentlich fast überall mit dir überein und picke mir nur einzelne Sätze heraus, die mich besonders interessieren.

Zitat:
Du berichtest hier so frei, das gefällt mir.
Tja, wie sonst kommt man an die Hintergründe künstlerische[QUOTE]n Schaffens? Kann vergleichen oder neue Anregungen erhalten? Jede nachhaltige Erkenntnis ist mMn mit Schmerzen erkauft.

Früher schrieben sich gegenseitg interessierte Künstlerrecht ehrliche Briefe, fühlten sich vom Briefgeheimnis beschützt. Mancher nannte derartige Korrespondenzen wichtige Inspirationsquellen...

Heute verlagert sich die Selbstbestätigung durchs Schreibens zunehmend in öffentliche Foren. Offenbaren oder nicht offenbaren, das ist hier die Frage. Als Autor schafft man mittels interessanter, unverbrauchter Details Anschaulichkeit. Warum sollte das nicht für einen Kritiker gelten? Andererseits ist die Welt auch voller böser Überraschungen... Meine Devise lautet: Schrit für Schritt und dann mal schauen.

Zitat:
Immer mehr Paare versuchen mit Hilfe der Medizin Kinder zu bekommen, die Frauen werden beim ersten Kind immer älter.
Jede (r) muß mit seinen Entscheidungen leben. Das mag nichtssagend klingen. Aber das Thema älterer "junger" Eltern ist mir in so viel Varianten begegnet, dass ich damit einen Roman füllen könnte. Kurz währt das Glück und lange das Leben ;-)

Zitat:
Humor ist auch nicht schlecht, schwarzer Humor oder Galgenhumor.
Finde ich auch! Ich habe eigentlich zu jedem Phänomen wechselnde Gefühle. Krankheit, Tod und Liebe nicht ausgenommen. Meinem Sternbild entsprechend bin ich himmelhochjauchzend zu Tode betrübt ;-) Dieses Wissen kann und will ich beim Schreiben nicht ausblenden.

Deshalb male ich am liebsten realistisch mit etwas entsättigten Farben oder eher satirisch mit schrillen. Und hier sind wir bei dem, was mich am stärksten in unserem Austausch interessiert.

Zitat:
Dieses Gedicht " Vergeblich" drückt Trauer aus und ist ein Momentzustand. Lähmender Trost kann zur Depression werden, und das ist noch eine tiefere Düsternisse. Ab da beginnt (vielleicht)die Sprachlosigkeit.
Ich fühle mich in der Tradition von Erich Kästner. Natürlich zieht mich als Autor das Unglück an. Zeigen sich hier doch die Folgen unserer Entscheidungen am krassesten. Wir können sie nicht mehr verbergen, schönreden. Ich skizziere mal einige Assoziationen zu Deinem Gedicht. <

Ein junger Mann stellt fest, dass es unfruchtbar ist. Die Welt bricht für ihn zusammen. Obwohl er eigentlich noch gar keine Kinder will. Aber plötzlich zweifelt er an seiner Männlichkeit oder gar seiner Existenzberechtigung. Zwar kennt er kinderlose Menschen, aber die erscheinen ihm plötzlich alle suspekt...
Die Fruchtbarkeit älterer Männer nimmt meistens irgendwann stark ab. Das könnte man wissen, rechtzeitig checken. Aber wieviele Männer tun das? Man müht sich mit seiner jüngeren Partnerin über viele Monate vergeblich, bis der Sex zur Qual wird...
Die Schwangerschaftsrisiken und späteren Erziehungsprobleme für ältere Mütter sind bekannt. Meistens werden sie ignoriert. Die Karriere ging immer vor. Und nun plötzlich Mutter...

Manchmal treten verdrängte Befürchtungen und deren Folgen leider ein. Als Freund oder Betroffener hab ich natürlich ehrliches Mitleid mit dem plötzlichen Häufchen Elend...
... aber als Autor kann ich den GESAMTEN Prozess und meine eigenen Erfahrungen nicht ausblenden. Wir Menschen tendieren mMn dazu, die Ursachen zu unter- und die Folgen zu überschätzen. Da wir teilweise blind für unser Handeln sind, treffen uns die unerwünschten Folgen besonders schmerzlich! Obwohl sie, bei Lichte besehn, so unspektakulär wie die erwünschten sind. Auch Kinderlose sind glücklich. Behaupte ich jetzt mal so!

Mir erscheint die pathetische BEHAUPTUNG von grenzenloser Depression oder Euphorie etwas zu ...ähm...ja...scheinheilig, oft sogar lebensfremd. Der Todkranke hofft heimlich noch auf Heilung! Der Verliebteste leidet heimlich an Eifersucht. Für mich ist eine humorlose erörtende MEINUNG über Depression oder Euphorie ...hm... das klingt jetzt hart... letztlich eine Arbeitsverweigerung des Künstlers.

Etwas ganz Anderes ist die DARSTELLUNG von Trauer oder Hochstimmung. Aber wenn man sich im Strom der Zeit weinen oder jubeln sieht... stellen sich da nicht automatisch AUCH komische Assoziationen ein? Beerdigungen beinhalten so viele komische Bilder. Der Blitz der großen Liebe kann in den tragischsten Momenten einschlagen... Ich jedenfalls liebe diese irretierende Farben und Zeilen. Denn sie zeigen mir die Grenzen unserer Wahrnehmungen.

Und da, wo (zeitbedingt) die Wahrnehmungen des Publikums enden, sollte mMn der Künstler beginnen...

Liebe Grüße (und sieh mich das alles bitte mit einem freundlichen Lächeln schreiben )

Geändert von Jongleur (11.05.2016 um 13:56 Uhr)
Jongleur ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.05.2016, 19:18   #2
charis
/ Bil-ly /
 
Registriert seit: 02.10.2015
Beiträge: 435
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Liebe Syranie,

Da hast du dir ja wirklich was angetan, die strenge Sonett Reimfolge in den Quardetten einzuhalten: abba. Alle Achtung!

Das ist für mich eine überzeugende und sehr einfühlsame Momentaufnahme. Ich kenne das (leider) aus eigener Erfahrung (die dann aber keine endgültige war), aber auch aus meinem Freundeskreis (wo es dann endgültig war).

"Die Gefühle sind daneben", besser könnte man es nicht ausdrücken und man muss sich erst wieder neu "erfinden".

Lieben Gruß
charis
charis ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.05.2016, 09:07   #3
juli
Gast
 
Beiträge: n/a
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Lieber Jongleur & Liebe charis

Dieses Sonett hat einen Moment beschrieben.

Charis danke für dein Lob!

Mein Gehirn hat auch ganz schön gebrizzelt.

Eine Weile texte ich schon im Internet, und es kann Überraschungen von Seiten der Leser kommen. Ich denke meist nicht an meine Übertragung an den Leser, weil ich egoistisch bin. Ich schreibe das, was mich bewegt. Das mag naiv sein und vielleicht auch manchmal blauäugig. Ich bin ein Bauchschreiber. Um so mehr freuen mich Eure Rückmeldungen.

Dieses Thema scheint den Leser zu bewegen, Ihr Beide habt hier viel gesagt, auch von Euch. Das läßt mich nicht kalt. Ich bedanke mich für Euer Interesse und Eure Gedanken.

Jedenfalls denke ich" Das Glas ist halbvoll!" Erich Kästner mag ich auch.

Liebe Grüße sy


Geändert von juli (12.05.2016 um 09:52 Uhr)
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Alt 12.05.2016, 15:42   #4
Jongleur
Hallig-Dichter
 
Registriert seit: 05.05.2016
Ort: Großstadt
Beiträge: 63
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Eine sehr interessante Diskussion. Ihr hab schon Recht: auch ein MOMENT darf verewigt werden. Klar!

Da ist nur ein kleines Paradoxon, was mich stört: Das Gedicht beschreibt kein vergangenes oder gegenwärtiges Moment, sondern ein künftiges! Es beschwört quasi ein Ereignis von kurzer Dauer, das nie aufhören wird

Naja, ich will nicht rechthaberischer als der Papst sein. Ich ahne, dass zu diesem Thema Männlein und Weiblein recht unterschiedliche Meinungen haben dürften.
Jongleur ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.05.2016, 04:11   #5
Lailany
Kiwifrüchtchen
 
Benutzerbild von Lailany
 
Registriert seit: 23.05.2009
Ort: nördlich von Auckland/Neuseeland
Beiträge: 949
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Liebe Sy,
ein sehr gelungenes, sehr emotionales, sehr menschliches Werk hast du hier gebastelt.
Dem Thema entsprechend wortest du mit einer der dunklen Farben der Gefühlspalette, dem entsprechend ist auch der Tiefgang der Beiträge.
Und keine Strophenform eignet sich besser für solch schwere Themen als das Sonett.

Wie hart für die Betroffenen das Erkennen sein muss, kann man nur erahnen, nicht aber ermessen.
Man fühlt mit, denn nur zu gelungen eingefangen ist das verzweifelte Aufbegehren deiner Protagonisten gegen die Bürde, die ihnen vom Schicksal auferlegt wurde.

Vom dichterischen Aspekt her kann und muss man deine Dichtkunst nur loben.
Die menschliche Tragödie hinter deinen Zeilen berührt und stimmt traurig.

Ein sehr sehr gutes Werk, liebe Sy.

LG von Lai
__________________
.................................................. ...........................................
"Manchmal ist es so demütigend, ein Mensch sein zu müssen..." Erich Kykal
Lailany ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.05.2016, 11:21   #6
juli
Gast
 
Beiträge: n/a
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Lieber Jongleur,

Das kleine Paradoxon, wie komme ich da aus der Klemme? Ich habe eine Gefühlslage beschrieben, die nicht unabänderlich ist, und ja der Zustand hört nicht auf, aber der Lebensweg geht mit den Protagonisten weiter, und dann verändert sich deren Sichtweise, das wäre wieder Stoff für neue Gedichte. Du bist kein rechthaberischer Papst. Manchmal habe ich ja ein Brett vor dem Kopf, und das ist nicht geschlechterabhängig.

...schreibe doch ein Gedicht zu dem "Moment" so wie du ihn siehst. Ist schwer, wenn ich näher darüber nachdenke, er ist auch wusch schon gleich immer wieder weg....

Liebe Grüße sy


Liebe Lailany,

Ja, es ist ein emotionales Gedicht. An dem Sonett habe ich mich ganz schön gerieben, weil wie du weißt, ich ja immer Schwierigkeiten mit dem Roten Faden habe.

Ich glaube die Erkenntnis keine eigenen Kinder zu bekommen, muß jeder für sich selbst erleben und gestalten. Der Weg ist das Ziel, und das Leben ist bunt.

Dein Lob zu der Gestaltung des Gedichtes freut mich besonders.

Danke für deine Gedanken.

Liebe Grüße aus dem sonnigen Schleswig - Holstein sy

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