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Finstere Nacht Trauer und Düsteres

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Alt 03.02.2011, 21:03   #1
Walther
Gelegenheitsdichter
 
Registriert seit: 09.11.2009
Ort: Im Wilden Süden
Beiträge: 2.888
Standard Ich spreche leise Worte in den Wind

Ich spreche leise Worte in den Wind.
Er trägt sie in die Weiten, bläst durch Blätter,
Durch Häuserschluchten: Niemand kommt als Retter.
Sie reisen zeitlos, suchen Dich, mein Kind.

Sie wollen Dir viel sagen; alle Wetter,
Die Sonne, bleichen, die gesprochen sind,
Um Dich zu heilen, die ich, taub und blind,
Von mir vertrieb. Kein Brüllen, kein Geschmetter,

Nicht Zorn und Wut sind’s, die sie bringen,
Sie sollen, was verloren ist, bezwingen,
Sie bitten, dass Du mir vergibst. Verzeih!

Das rufen sie Dir zu. Es ist ein Flehen:
Ich kann, ich will, ich muss Dich wieder sehen,
Erst wenn Du wieder nah bist, bin ich frei!
__________________
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Alt 03.05.2011, 22:06   #2
Chavali
ADäquat
 
Benutzerbild von Chavali
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Magdeburger Börde
Beiträge: 12.171
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Lieber Walther,


mir unverständlich, wie bei einigen deiner Texte, dass hier kein Kommentar, kein Leserecho kam.
So ein wundervolles Gedicht, das vom Schmerz des Vaters (wahlweise) um das verlorene Kind zeugt.
Im Streit vielleicht getrennt, gegangen, um nie mehr zurückzukehren.
Deutlich die Schuld des Vaters, der um Verzeihung bittet, ja geradezu fleht.
Das ist meine Interpretation deiner Zeilen.

Ein gelungenes Sonett von der Form her, aber auch der Inhalt spricht mich sehr an.

So einige Texte werden kommentiert, bei denen man oft nicht weiß, was sie bedeuten sollen.
Aber solche Perlen wie hier bleiben unbeantwortet.

Gut, dass ich gegraben habe.


Lieben Gruß,
Chavali
__________________
Meine Gedichte
© auf alle meine Texte
Du bist nicht mehr da, wo Du warst,
aber Du bist überall, wo ich bin.


*
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Alt 09.05.2011, 20:09   #3
Walther
Gelegenheitsdichter
 
Registriert seit: 09.11.2009
Ort: Im Wilden Süden
Beiträge: 2.888
Standard

Lb. Chavali,

danke für Deinen Kommentar. In der Tat kann und darf der Text so gelesen werden:
Zitat:
Deutlich die Schuld des Vaters, der um Verzeihung bittet, ja geradezu fleht. Das ist meine Interpretation deiner Zeilen.
Das ist die Tragik manchen Generationskonflikts in Familien.

Nun mag der Text einfach zu schwermütig sein oder der Autor zu wenig als Kommentator unterwegs. Sei es, wie es sei.

Nachmals lieben Dank und besten Gruß W.
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Alt 09.05.2011, 22:37   #4
Blaugold
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 23.02.2009
Ort: BadenWürttemberg
Beiträge: 526
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Hallo Walther

Es ist eher nicht so leicht zugänglich und gerade deshalb sollte ein Leser, also auch ich, in den Text "hineingehen". Da ist dann ein bißchen Interesse vonnöten und natürlich Muse. Doch wirklich ganz verstehe ich den Text nicht. Es scheint ein Moment voller leidvoller Erinnerungen des LI zu sein, ein Hoffen, dass ein verlorenes Kind zurückfinden möge und verzeihen kann!
Das LI ist gefangen in Selbstvorwürfen und Schuldeinsichten und erst wieder frei davon, wenn das angesprochene Kind wieder nah/da ist.
Formal ist es ein prima Sonett. Manche inhaltlichen Andeutungen geben mir Rätsel auf, vor allem das zwischen zwei Kommas gezwängte "bleichen" in Z2 der 2. Strophe.
Es ist ein sehr melancholisches Gedicht, vielleicht ein wenig kompliziert formuliert, doch im Gesamten gefällt es mir gut.

Blaugold
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Alt 14.05.2011, 18:10   #5
Walther
Gelegenheitsdichter
 
Registriert seit: 09.11.2009
Ort: Im Wilden Süden
Beiträge: 2.888
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Lb. Blaugold,

dieses Sonett ist bewußt im Ungefähren gehalten. Es soll dem Leser erlauben, die belassenen Zwischenräume mit eigenen Gedanken, Erinnerungen und Gefühlren zu füllen, um das Gedicht in sich zu vervollkommnen.

Das "bleichen" bezieht sich auf die Worte, "die gesprochen sind".

Danke für Deinen nachdenklichen Eintrag und Deinen Hinweis. Ich werde mich bemühen, in Zukunft wieder etwas einfacher zu formulieren.

LG W.
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Alt 14.05.2011, 20:48   #6
Mike_S
Heiliggeborener
 
Registriert seit: 09.05.2010
Beiträge: 43
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Mein lieber Walther,
ein traumhaftes Gedicht. Wundervolle Metaphern, die Worte greifen ineinander und klingen für sich alleine bereits schön, doch durch diese Komposition veredelst Du die deutsche Sprache.

Ich danke Dir sehr für Deinen Gedichtbeitrag.

Beste Grüße
Mike S
__________________
Ja, es waren Gedanken aus Sternenstaub, gezeichnet in der schnellen Zeit und doch ein Kosmos für die Ewigkeit.
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Alt 23.05.2011, 18:57   #7
Walther
Gelegenheitsdichter
 
Registriert seit: 09.11.2009
Ort: Im Wilden Süden
Beiträge: 2.888
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Hi Mike_S,

da oft auf Geschäftsreise heute erst meine Rückmeldung. Vielen Dank für Deine lobende Erwähnung. Dieser Text hat sehr unterschiedliche Reaktionen in unterschiedlichen Umgebungen ausgelöst.

Alles Gute für Dich, besonders für das Schreiben!

LG W.
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