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Denkerklause Philosophisches und Nachdenkliches

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Alt 28.03.2011, 10:28   #1
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Die Hügel meines Herzens stehen voll Ruinen
von Burgen, die ich jenen einst erbaute,
die ich geliebt. Doch ihre Freudenmienen
verloren sich und wurden mir zum Schrei!
Sie sind wie Bildertafeln heute, ungeschaute,
auf manchen blassen Seiten,
verblättert von den Zeiten
in meines Lebens Märchenbücherei.

Wer kommt die alten Herzensbilder schauen,
damit ich sagen kann: Seht, wer ich bin!?
Denn Burgen kann ich keine mehr erbauen,
die Liebe ging und ließ mich lang allein,
nur in Erinnerungen findet sich noch Sinn.
So werden meine Seiten
im Tode mir entgleiten,
und die Ruinen brechen lautlos ein.
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.

Geändert von Erich Kykal (19.04.2011 um 09:12 Uhr)
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Alt 29.03.2011, 20:42   #2
Dana
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Lieber eKy,

fast möchte ich dir versichern, dass deine besten Seiten noch lange erhalten und beschaut bleiben.

Man kann diese Verse wunderbar doppeldeutig auslegen - aber auch einzig auf die geschriebene Kunst ausrichten.
Darum bin ich auch nicht bereit, die letzten zwei Verse als endgültig und traurig anzunehmen.
Vielleicht werden die noch gebauten Häuschen einst zu Burgen und dass sie eines Tages lautlos einbrechen ist relativ unsicher.
Es gibt noch immer den Denkmalschutz - da werden Burgen zu Schlössern restauriert, oder zumindest so betrachtet.

Auf das lyr. Ich bezogen ordne ich dieses gute Wert der Rubrik Hoffnung und Fröhliches zu.

Liebe Grüße
Dana
__________________
Ich kann meine Träume nicht fristlos entlassen,
ich schulde ihnen noch mein Leben.
(Frederike Frei)
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Alt 07.04.2011, 08:50   #3
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi, Dana!

Vielen Dank für deinen ermutigenden Beitrag!

Leise Trauer mag anklingen, aber eigentlich beschreiben die Zeilen nur einen Umstand, mit dem sich ein jeder ohnehin irgendwann abfinden muss.
Nichts ist für immer!
Ich zumindest bin mittlerweile damit im Reinen. Dennoch ein dickes Bussi für deine freundliche Anteilnahme. SCHMMMATZ!

LG, eky
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
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Alt 07.04.2011, 11:22   #4
laurenzia
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Hallo eky,

ich schleiche gerade ein bisschen in den Ruinen herum und lasse mal die Klassik auf mich wirken (ich habe sie bemerkt, die sechs und fünf Hebungen ). Die kurzen Verse sechs und sieben - zwei und drei Hebungen - interpretiere ich als Frau-Mann, also leider Gottes, inhaltlich irgendwie als Mangelsituation. Tja und acht Verse. Ich hoffe sehr, das dass nicht die Unendlichkeit symbolisiert.
Von der Strophenform geht es hier lebhafter zu, als das was ich sonst von Dir kenne. Du weißt ja, mir gefällt so was .

Vom Klang her fallen mir die Hügel-Herzen und Burgen-baute auf. Solche Reimformen gehen doch auf die alten Germanen zurück? Das ist aber lange her. Es unterstreicht aber auf jeden Fall die Ruinen.
In der zweiten Strophe gefällt mir der klangliche Bruch zwischen "Herzenbilder schauen" und "Seht, wer ich bin!". Dieses Ruuummms klingt fast wütend. Vielleicht tröstet es Dich ja ein bisschen, dass Herzensbilder schauen nicht altersabhängig ist , sag ich mal .

Und zum Inhalt "die Ruinen brechen lautlos ein". So,so, aha! Das erinnert mich an die Frage: gibt es ein Geräusch, wenn niemand da ist, der es hört?

Lieber eky, also ich muss Dir sagen, in Deinem Bauch geht´s bunt zu . Sehr schön gemacht.

liebe Grüße laurenzia
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Alt 07.04.2011, 13:34   #5
Erich Kykal
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Beiträge: 7.642
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Hi, Laurentia!

Wow, du kommst vielleicht auf tiefschürfende Gedanken von wegen der Hebungen, Senkungen, Reimform und Wortwahl!
Ich kann nur versichern: Ich habe an absolut nix davon gedacht, als ich dies "einfach so vor mich hin" dichtete! Das Schema ergab sich aus den ersten Zeilen wie stets automatisch, ansonsten lauschte ich dabei nur meiner inneren Melodie, um im Takt zu bleiben.
Sorry, dass ich kein so großes Geheimnis bin wie gedacht. Nur einer von diesen "Aus dem Bauch heraus" - Dichtern. Dennoch sei herzlich bedankt für diese kundigen Überlegungen. Sie führen mir vor Augen, wer ich vielleicht sein könnte, wenn ich mir Mühe gäbe. Aber dazu bin ich wahrscheinlich zu faul.

LG, eKy
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Alt 07.04.2011, 14:34   #6
laurenzia
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Sag´ ich doch, so was von buntem Bauchgefühl . Und ich armes Würstchen muss mir immer überlegen, wie ich welches Stilmittel wann und wo einsetze. Aber es hat den Vorteil, dass ich immer mehr und immer öfter erkenne, wenn andere DichterInnen irgendwas in der Art verwenden, ob sie das nu wissen oder nicht. Is das nicht super ?
Ne im Ernst. Das ist wirklich ein tolles Gedicht - ähm vom Handwerklichen. Inhaltlich gesehen ist es traurig. Aber wer weiß, vielleicht läuft einem ja morgen die große Liebe über den Weg. Kann ja schließlich alles passieren. Wir werden es dann hoffentlich mitkriegen.

liebe Grüße laurenzia
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Alt 08.04.2011, 08:19   #7
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi, Lauri!

Nur keine Sorge - Ruinen können ein wunderschöner Ort sein!

LG, eKy
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Alt 20.05.2011, 15:17   #8
Onkie IIV
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Beiträge: 105
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ein sehr schöner anfang und ein insgesamt schönes gedicht. durch den punkt im viertletzten vers führst du den lesefluss nicht mehr ganz so schön, wie ich finde, das hat mich ein bisschen gestört, ein anderer sieht es aber vllt anders, ansonsten gefällt es mir sehr gut
lg
onkie
Onkie IIV ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.06.2011, 14:09   #9
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Beiträge: 7.642
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Hi, Onkie IIV!

Zum einen hast du Recht, zum anderen ist der Punkt hier nötig, um die Conclusio beginnen zu können. Ein Bindestrich wäre auch möglich gewesen, gefällt mir persönlich aber nicht so gut.
Ich denke, ein guter Leser kann damit leben.

Vielen Dank für dein Lob!

LG, eKy
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Alt 03.07.2011, 20:23   #10
a.c.larin
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 14.03.2009
Ort: wien
Beiträge: 4.799
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Lieber Erich,

Dein "Bauch" hat wieder mal ganz feine Dinge ersonnen - und heute höre ich einmal nur mit dem musiklalischen Ohre zu.
Deshalb kann ich auch nur sagen:

Das ist Musik in meinen Ohren!

Vielleicht kann man die Bilder deines Herzens nicht mehr sehen - aber ihr Klang ist immer noch zu hören: Molto cantabile!
Das waren gewiss deine besten Saiten....

Liebe Grüße,
larin
a.c.larin ist offline   Mit Zitat antworten
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