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Alt 23.08.2023, 20:27   #1
thommi
Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 28.12.2013
Beiträge: 82
Standard Der Messermann

Als leidenschaftlicher Hobbykoch war ich es leid, ständig mit unseren alten, stumpfen Messern Gemüse zu schnippeln und Fleisch zu schneiden.
An diesem Morgen beschloss ich also, in die Stadt zu fahren und mir beim Eisenwarenhändler eine neue Messergarnitur zuzulegen.

Leider hing unser E-Auto gerade am Ladekabel, weil die Kinder wieder ein paar Ausflüge gemacht hatten, es waren schließlich Sommerferien.
Kein Problem, dachte ich, so weit ist das auch nicht, und um etwas für die Gesundheit zu tun, entschied ich mich dazu, zu Fuß zu gehen.

Gesagt getan. Schließlich erreichte ich den angestrebten Laden und kaufte dort ein schönes Sortiment kleinerer und größerer Küchenmesser.
Und da ich gerade in der Stadt war, dachte ich mir, dass ich auch für das Abendessen einkaufen könne, um die neuen Messer direkt auszuprobieren.

Wie es so ist, waren die Augen größer als der Magen und ich verließ mit einer gut gefüllten Tasche den Lebensmittelmarkt.
Meine Arme wurden immer länger und als ich an der Bushaltestelle ankam, konnte ich dem Fahrplan entnehmen, dass der nächste Bus in meine Richtung fünf Minuten später fahren sollte.
Also sagte ich mir, warum nicht einmal das Stangentaxi nehmen, bevor ich mit ausgekugelten Armgelenken nach Hause kommen würde.

An der Haltestelle warteten noch mehrere Leute, ein paar ältere Damen und Herren, zwei Kinder, eine junge Frau mit Kinderwagen und ein Typ mit einem grauen Pudel.
Die Leute musterten mich verstohlen, was ich ihnen nicht verdenken konnte. Urlaubsbedingt hatte ich gestern ein paar Vodka-Lemon zu viel und mich ein paar Tage nicht rasiert. Meine schwarzen Haare und die Augenringe taten ihr Übriges. Meine Erscheinung war wohl nicht sehr vertrauenserweckend. Ich konnte es den Leuten nicht verübeln, aber es machte mir auch nichts aus.

Schließlich kam der Bus. Ich stieg ein, kaufte beim Fahrer eine Fahrkarte und suchte mir einen Sitzplatz.
Sechs Stationen waren zurückzulegen, bis ich aussteigen musste.
Der Fahrer machte plötzlich die Ansage, dass er die Anweisung bekommen hätte, noch ein paar Minuten zu warten, weil der Bus aus Stuttgart Verpätung hätte.

Da mir langweilig war, kramte ich in meiner Einkaufstasche und holte mein Messersortiment hervor, um es mir anzusehen.
Schließlich fuhr der Bus los und ich lehnte mich entspannt zurück.

Als wir uns der nächsten Haltestelle näherten, sah ich dort mehrere Polizeiwagen mit Blaulicht und mindestens zwölf bewaffnete Polizisten. Ich dachte mir nichts dabei.

Kaum hielt der Bus an und öffnete seine Türen, stürmten die Beamten herein und umzingelten mich mit gezogenen Waffen.
Sie rissen mich von meinem Platz, drückten mich zu Boden, legten mir Handschellen an und führten mich ab.
Ich protestierte, aber es half nichts. Einer nahm meine Tasche, dann schoben sie mich in den Peterwagen und ab ging es mit Blaulicht und Martinshorn zur sieben Kilometer entfernten Polizeiwache.

Dort konnte ich dem diensthabenden Beamten meine Situation erklären und nach Überprüfung meiner Personalien, händigte man mir meine persönlichen Untensilien aus und ich wurde mit einer Verwarnung entlassen.

Meine Tasche war noch genau so schwer und ich rief meine Frau an, damit sie mich abholen komme.
Sie sagte mir, dass das Auto noch nicht genug aufgeladen sei und ich den Bus nehmen solle.

Seufzend machte ich mich auf den langen Fußmarsch nach Hause und genoss das schönste Deutschland, das es je gegeben hat.

Geändert von thommi (02.09.2023 um 21:14 Uhr)
thommi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.08.2023, 11:06   #2
Sunblower
Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 28.10.2009
Beiträge: 43
Standard

Hallo thommi,

elegant und humorvoll die Kurve bekommen.
Ja, die Zustände entwickeln sich langsam in eine bedenkliche Richtung.
Deine kleine Geschichte ist sehr amüsant und kurzweilig zu lesen.

Grüße Sunblower
Sunblower ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.08.2023, 13:51   #3
waterwoman
Nixe, rotblond
 
Benutzerbild von waterwoman
 
Registriert seit: 18.02.2018
Ort: in Meeresnähe
Beiträge: 806
Standard

Hallo thommi,

mir scheint dein Protagonist ein wenig naiv zu sein
Wenn er jetzt erst nach diesem kuriosen Vorfall erkennt, dass er "im besten Deutschland" aller Zeiten lebt,
dann lebte er bisher eher hinter dem Mond

Nun ja, aber ich verstehe schon, wahrscheinlich wolltest du nicht allzu deutlich werden

Trotzdem nett zu lesen!
LG ww
__________________
Was man ernst meint, sagt man am besten im Spaß.
Wilhelm Busch
waterwoman ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.09.2023, 21:13   #4
thommi
Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 28.12.2013
Beiträge: 82
Standard

Hallo Sunblower,

ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.
Das ist nur eine kleine Geschichte



Hallo waterwoman,

mein Protagonist ist keineswegs naiv.
Ihm fielen auf dem beschwerlich Heimweg nur die Worte unseres Bundesgrüßaugust wieder ein.
Er hatte am Vortag eben nur ein paar Vodka-Lemmon zu viel.


Danke euch fürs Lesen

Freundliche Grüße
thommi
thommi ist offline   Mit Zitat antworten
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