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Der Tag beginnt mit Spaß Humor und Übermut

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Alt 10.01.2012, 23:26   #1
wolo von thurland
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Beiträge: n/a
Standard male

gingen so frohmutgekleidet
waren so tautropfentrunken
haben so satt uns geweidet
sind in den mooren versunken

tankstellenschilder im nebel
stolpernde gämsen im tiefschnee
risse im längeren hebel
brodelnde schlämme der tiefsee

zünden euch flackernde lichter
suchen den kurs zu verwirren
tragen die male der dichter
wissen, wir können nicht irren

Geändert von wolo von thurland (11.01.2012 um 22:37 Uhr)
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Alt 11.01.2012, 10:38   #2
Timo
nach vorn sehen und nicht
 
Registriert seit: 07.12.2011
Ort: Rathenow
Beiträge: 265
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Hallo wolo,
wir tragen die Male ... und können uns nicht verirren. Das ist bei so einem Nebel nicht einfach, man übersieht sogar die Verkehrsschilder.
Herzlichst
Timo
__________________
Nach vorn sehen und nicht zurück!
Timo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.01.2012, 19:26   #3
wolo von thurland
Gast
 
Beiträge: n/a
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hallo timo
danke fürs reinschauen.
allerherzlichst
wolo
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Alt 11.01.2012, 21:02   #4
Stimme der Zeit
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Benutzerbild von Stimme der Zeit
 
Registriert seit: 15.03.2011
Ort: Stuttgart
Beiträge: 1.836
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Hallo, wolo,

"Dichterbrösel" - klingt interessant. Fragt sich, was du meinst: Einzelne "Brösel" (bzw. einzelne, kleine Dichter); Gedichte als deren "Brösel" oder die Tatsache, dass die Dichter von heute nur "Brösel" sind - im Vergleich zu denen, die es früher einmal gab.

Zitat:
gingen so frohmutgekleidet
waren so tautropfentrunken
haben zu satt uns geweidet
sind nun in mooren versunken
Ebenfalls interessant, dass die einzelnen Verse auch eine Art "Brösel" sind. Es ergibt sich zusammen zwar eine "Geschichte", trotzdem steht irgendwie auch jeder für sich. Wenn ich das richtig verstehe, dann haben sich hier Dichter (oder solche, die es werden wollten bzw. wollen), "auf den Weg gemacht". Anfangs freudig, wohl durch das Lesen von Werken der "Großen" - "tautropfentrunken". Tja, heutzutage gibt es viele "Weiden", in denen man sich "sattessen" kann - bis zur Übersättigung. Persönlich kann ich nur sagen: O ja, man versinkt im Moor. Wenn man feststellt, dass "Weiden" eben gar keine sind, sondern Moore - blubb ...

Zitat:
tankstellenschilder im nebel
stolpernde gämsen im tiefschnee
risse im längeren hebel
schillern in schlämmen der tiefsee
Die "Tankstelle" - symbolisiert der "Nebel" ein "Überangebot", das gar nicht mehr "durch- bzw. überschaubar" ist, so dass man, auf der Suche nach Orten zum "Auftanken", die "Orientierung" verliert? Dem Gedicht entnehme ich, dass es wahrscheinlich schon Hinweisschilder gibt, aber vor lauter "Nebel" sieht man sie nicht. Jetzt wird's ein bisschen schwierig für mich, aber ich interpretiere mal frisch drauflos. Gämsen sind trittsicher, wenn sie im Gebirge über die Felsen springen, sieht das "leichtfüßig" aus. Hier liegt Tiefschnee, der es schafft, ein so "leichtfüßiges, trittsicheres" Tier ins Stolpern zu bringen. Hm - ich bin mir hier nicht im Klaren, was gemeint ist. Kommt ein Gedicht ins Stolpern oder ein Dichter? Der Tiefschnee - steht er als Metapher für "zu tief" (also "zu viel des Guten") oder für zu viel vom "Gegenteil", das über einen längeren Zeitraum als "Schnee" fiel?
Dann kommen für mich zwei "Bedeutungssprünge". Ich kenne den Spruch, dass jemand "am längeren Hebel sitzt". Dieser Hebel hat also "Risse". Etwas, woran jemand geglaubt hat, oder eine Überzeugung, hat jetzt Risse. Folglich kann sich an diesem Hebel nicht mehr so gut festgehalten werden wie zuvor. Im Sinne von "Halt verlieren" passt das zur Gämse. Und hier gebe ich zu: *Rätselrat*: Der "Hebel" ist also in der "Tiefsee"? Vermutung: Eine Überzeugung, ein Halt, ist buchstäblich vom Hochgebirge bis in die Tiefsee gefallen? (Ich rate ins Blaue! Falls ich völlig danebenliegen sollte, nimm's mir nicht krumm, ja? ) Dort schillern die Risse. Das müssen sehr große Risse sein und sie müssen auch extrem "hell" schillern, wenn sie im "Schlamm" und in der "Tiefsee" noch zu sehen sind. (Metaphorisch betrachtet.)

Zitat:
zünden dir flackernde lichter
suchen den kurs zu verwirren
tragen die male der dichter
wissen, wir können nicht irren
Die Risse zünden flackernde Lichter (an), so denke ich mal. Eine Art "Irrlichter", also Täuschung, denn im nächsten Vers ist die Rede davon, dass diese Lichter "suchen den Kurs zu verwirren", um ihn vollends von seinem "Weg" abzubringen. (Den armen Dichterbrösel, der zuerst zu viel gegessen (geweidet) hat, dann im Moor versank, danach auf Berge kletterte, zuletzt vom Mount Everest in den Marihuanengraben fiel (in den Schlamm) und neben einem rissigen, längeren Hebel landete. (Entschuldige - aber du schaffst es immer wieder, bei mir plastische Vorstellungsbilder zu erzeugen. Nicht nur für kreative und originelle Gedichte, auch dafür hast du ein echtes Talent. ))

Ich nehme das Gedicht ernst, es ergab sich nur dieses "kurze Bild", bitte nicht falsch verstehen, in Ordnung? Die "flackernden Lichter tragen die Male der Dichter" - so verstehe ich das. Zwar kann ich nicht genau sagen, was die "Male" sind, aber ich vermute darin bestimmte Eigenschaften oder Kenntnisse, aus denen geschlossen wird: Er kann das, weiß dies und das, schreibt so und so und ist deshalb ein Dichter. Ich nehme also "Male" für "Merkmale, an denen man einen Dichter erkennen kann".
Diese "flackernden (Irr)lichter" scheinen aber nur vorzugeben, wirkliche "Lichter" zu sein - sie sind ja auch aus "Rissen" entstanden. Aber sie suggerieren bzw. behaupten trotzdem, das sie "wissen", und sich deshalb auch nicht (oder sogar nie) irren können. Sie haben ergo "immer recht".

Und mir fiel auf, dass die Endreime der letzten Strophe eine Art "Widerspruch" ergeben: "lichter verwirren dichter irren". Für mich widerspricht sich also der Inhalt gewissermaßen selbst - wenn es Absicht ist, ist es sehr gut gemacht!

"Formal" ist es einwandfrei, auftaktlose dreihebige Daktylen mit durchgehend weiblichen Kadenzen im Kreuzreim. (Das sage ich jetzt nicht, um recht zu haben, das ist ein Lob. ) Auch die Metaphern sind schön, sie gefallen mir, besonders deine Wortschöpfungen "frohmutgekleidet" und "tautropfentrunken" (bei Letzterem ist die dreifache Alliteration toll).

Zitat:
risse im längeren hebel
schillern in schlämmen der tiefsee
Das fiel mir jetzt erst auf, deshalb noch eine kleine Ergänzung. "schillern in Schlämmen" kann auch etwas anderes bedeuten - bezieht sich das auf "Schiller"? Das wiederum würde auch gut zur "Geschichte" passen. Ich kann "schillern" also hier in zwei Bedeutungen lesen.

Mir bleibt nur zu sagen, dass es ein gutes Gedicht ist, doch - keine Widerrede. Es hat mir nämlich sehr viel "erzählt".

Sehr gerne gelesen, nachgedacht und kommentiert.

Liebe Grüße

Stimme
__________________
.

Im Forum findet sich in unserer "Eiland-Bibliothek" jetzt ein "Virtueller Schiller-Salon" mit einer Einladung zur "Offenen Tafel".

Dieser Salon entstammt einer Idee von unserem Forenmitglied Thomas, der sich über jeden Beitrag sehr freuen würde.



Geändert von Stimme der Zeit (11.01.2012 um 21:04 Uhr) Grund: Kleine Korrektur.
Stimme der Zeit ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.01.2012, 22:37   #5
wolo von thurland
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hallo stimme der zeit
danke für deinen kommentar.
- "brösel" ist eine abschätzige bezeichnung eines echten könners für meine art, mit endreimen versehene zeilen sinnlos (?) aneinander zu hängen. er würde sich göttlich amüsieren über deine interpretation samt exakten geografischen angaben (ich tu das übrigens auch!!). hier an dieser stelle fehlt der zusammenhang und ich streiche deshalb den untertitel gerne weg.
- dass du deine eigene erfahrung mit weiden und mooren und dichtern zitierst, passt genau zur intention hinter den "bröseln". der text hat (für mich) durchaus aktuellen bezug.
- in der zweiten strophe versteh ich selber jede zeile als ganzes, als bild für "rufende in der wüste" (was nicht genau das gleiche ist wie der "rufer in der wüste").
- den schiller habe ich hier nicht gemeint. sachkundlich würde ich schon annehmen, dass in der tiefsee gase vorkommen, die ohne schiller und auch ohne sonnenlicht schillern. aber deine bemerkung hat mich auf die idee gebracht, hier ein anderes wort einzusetzen.
- danke für den hinweis auf den unabsichtlich als satz gestalteten reim in der letzten strophe. wär das huhn nicht blind gewesen, hätte es dieses korn vielleicht als titel genommen.
lg wolo
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