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Alt 14.02.2010, 12:05   #1
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asphaltwaldwesen
 
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Standard AW: Aus der Schuhle geplaudert

Werte Redaktion, lieber Max!


Mein Name ist Hannah Liebenthal und ich bin nunmehr seit 3 Jahren im Schuldienst tätig und unterrichte die Fächer Deutsch und Geschichte nach bestem Wissen und Gewissen und mit den Mitteln, die mir nach meiner mehrjährigen Ausbildung an einer Hochschule für mein Lehramt mitgegeben wurden.

Ich habe Max geraten, sich im Aufsatz-Schreiben zu üben und seine Arbeit einem größeren Publikum vorzustellen als bloß seiner (per definitionem ja automatisch subjektiven – wie könnte es anders sein in der Schule!) Deutsch-Lehrerin und noch ev. den (noch weniger objektiven) Eltern.

Aus zweierlei Gründen:

1.

damit Max ein neutraleres Feed-back erhält, was seine Ideen und seine Rechtschreibung und seine Fähigkeit sich mitzuteilen angeht. (Dass ein Lektorat ihm hier den Job der Fehlerkorrektur abnimmt, halte ich jedoch imho für verfehlt und würde darum bitten, die Fehler samt und sonders beizubehalten und dem werten Lesepublikum auch so vorzuführen. Vielleicht gerät ja so etwas in Bewegung – auf weiterer Front als nur bei Max...
Sollte Max in seinem Berufsleben den Luxus eines eigenen Lektors genießen dürfen – es sei ihm vergönnt - , der mehr kann als das Rechtschreibprüfprogramm seiner PC-Software (die btw. auch von Menschen entwickelt wurde, die im selben Schulsystem dieselben Ausbildungsmöglichkeiten hatten wie Max heute. Was immer man nun daraus ableiten möchte...), dann erübrigt sich natürlich jegliches Üben hier und Max braucht gar keine Ausätze mehr zu schreiben, weil sich die Übung ad absurdum geführt hat.

2.

damit Max und andere Mäxe und deren LehrerInnen in einem außerschulischen Umfeld unter dem Schutz der Anonymität hier eine Basis finden, auf der – abseits der Verteilungen der Rollen des Schulbetriebs und abseits der rechtlichen und vom Schulsystem bestimmten Einschränkungen für die Handlungsmöglichkeiten von LehrerInnen – offener gesprochen werden kann über all das, was das System Schule für alle(!) Seiten schon viel zu lange zu einer gefühlten Farce werden lässt.

(eine Lese-Empfehlung von mir zu diesem Thema, die ich jedem ans Herz legen möchte: „Das Lexikon des schulischen Elends“ von Tom Blech!)


Rund um mich herum gehen KollegInnen mit burn-out in Frühpension (oder machen verbittert der Welt und allen darin- einschließlich sich selbst - das Leben schwer) oder mit anderen Beschwerden (vermutlich psychosomatischer Ursache) in unbestimmt dauernde Auszeiten, schlagen neue Bildungswege ein oder arbeiten sich gegen Windmühlen kämpfend der eigenen Frustration nur weiter entgegen und werden schließlich kleinlaut, angepasst und graugefurcht. Warum wohl ist das so?

Weil LehrerInnen Vorbild zu sein haben. Sie können nicht – wie ihre Schüler es durchaus verständlich tun – sich dem System entziehen, randalieren und das boykottieren, was (vielenorts zu Recht) wie Schildbürgerei anmutet, angefangen beim Betreten des Schulgebäudes samt der darin beschlossenen „Verhaltens-Vereinbarungen“ über mangelhaft aussagekräftige Notengebungs- und Leistungsfestellungsmöglichkeiten bis hin zum Verlassen eines Schüler-Lebens als (teilweise aber doch in Ansätzen) gebrochener oder zumindest gezeichnet Überlebender.

Max die Gelegenheit zu geben, mich als Mensch näher kennenzulernen, würde ich ihm – wie all den anderen SchülerInnen – gern gönnen. Allein – es ist schlicht und einfach nicht möglich in einem System, wo per definitionem einer derjenige ist, der sagen kann und soll, wo 's langgeht, dieses System aber automatisch denjenigen – wie auch die Eltern in ihrer Rolle – zum Reibebaum (stellvertretend für den Reibebaum Schule als Gesamtes) macht. Schließlich war irgendwann einmal Wissens-Vermittlung auf der einen, Wissens-Erwerb auf der anderen das Ziel und das „Wissen“ das Thema, das vereinte.

Heute ist der „Erwerb“ einem Andienen gewichen. Spielerisch soll es sein. Leistung quasi automatisch „passieren“. Aber eben nur so lange, wie die Schulzeit währt. Danach sind „Wissen“ und „Leistung“ plötzlich das, was sie sein sollten. Und werden auch gefordert. Unerbittlich und in einem Leistungswettbewerb auf den die Schule heute – weil sofort als militant drillend oder unpädagogisch von den Eltern verdammt – nicht vorbereiten darf. Die armen Kleinen! Ohnehin nur so kurz Kind. (Denn spätestens im Kindergarten, der PC-Kurse ab 5 Jahre anbietet und dafür das Sportprogramm ersatzlos streicht, ist man schon drin: im Erwachsen-Spielen und Ins-System-Gezwängt-Werden).

Wer glaubt, LehrerInnen sähen das nicht (warum wohl ist es einer der Berufe mit der höchsten burn-out- und drop-out-Rate?), sieht die LehrerInnen nicht in dem Korsett, das sie dazu zwingt in einem immerwährenden Loyalitätskonflikt zu arbeiten – einfach, weil der Schulbetrieb nichts anderes zulässt. Aushalten oder Beschließen, dieses System nicht mehr mit weiterzutragen – viel mehr Alternativen gibt es nicht.

Angebliche Verbesserungen von „Oben“ werden beim Stammtisch im Wirtshaus beschlossen – wo sich diejenigen verdienten KollegInnen tummeln, die neben ihrem (meist Teilzeit-)Lehrerjob ihrer eigentlichen Berufung widmen: der Politik. Und sei sie auch nur im kleinen Wirkungskreis. Da doch mal eben eine Lehrerfortbildung aus eigener Feder und eigenem Konzept angeboten – „Nehmen wir! Der Kollege XY, der sonst immer den Kurs „Tanzend Buchstaben lernen in der Oberstufe“ leitet, fällt nämlich heuer aus und drum sind grad zufällig Mittel dafür frei. Ein seltenes Glück....“.

Da bin ich also – Hannah Liebermann. Noch am Anfang einer zweifelhaften Karriere und mit zuviel Herz für die Kinder ausgestattet, um es in dem Betrieb wohl noch lang mit reinem Gewissen machen zu können.

Drum sag ich dir, Max: schreib! Für dich und niemanden sonst! Hol dir, was geht und versuch, die Zeit in der Schule so gut wie möglich zu überstehen. Pssst: viele von uns Lehrern machen das nach ein paar Jahren der Desillusionierung auch so. Nur öffentlich sagen dürfen wir's eben nicht.


Wir lesen uns. Und ich korrigiere ausnahmsweise nicht. Das macht der Kollege Huber ohnehin im Konferenzzimmer bei den Aushängen der KollegInnen mit Rotstift. Weil auch die als Lehrer es wagen, fehlerhaft zu sein.. welche Schande! Bloß nicht aus dem Konferenzzimmer nach außen dringen lassen...nicht auszudenken, wenn Lehrer plötzlich Menschen wären!


(noch ein Pssst: ich finde deine Ideen eigentlich ALLE genial, Max! Aber ich darf es nicht sagen oder zeigen, denn in unserem Schulsystem passen die nicht hin, sind nicht als sinnvoll für eine Bewertung umzuargumentieren – denn da müsste ja dann das ganze Schulsystem von Grund auf.... nicht auszudenken! Also lieber weitermachen, als ob alles bestens wär....)


Verschwörerische Grüße
(und - Nein: Nicht anbiedernd gemeint, wie uns das so oft unterstellt wird)


Deine Hannah Liebermann
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Alt 17.02.2010, 10:32   #2
Lisa
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Liba Maxi ,
ich hab jetzt gar keine Zeit , weil ich mus nämlich hundert Mal " Liebe Oma " schreiben. Weil ich es nämlich imma falsch schreibe. Aber das nützt auch wirklich ganz dolle, du siehst ja,dass ich es jetzt kann: " Liebe Oma" . Na was sagst du? Ja , unsere Frau Lehrerin weiss schon was sie tut.
Wenn wir schlimm sind , dann lasst sie uns auch die ganze Pause auf dem Platz sitzen. da können wir uns nicht verletzen. Sie schaut halt auf uns.
Aber manchmal bin ich schon angfressen, weil im Nachbardorf ist eine Schule, da habens einen Spielplatz UND einen Fussballplatz. Da dürfen die Kinder in der großen Pause immer draußen spielen und manchmal dauert die Pause sogar länger, wenn die Kinder an diesem Tag sehr fleißig waren.
Die Frau Lehrerin von meinem Freund ist auch sehr nett, aber er muss auch viel lernen. Die Frau Lehrerin will dauernd , dass er das Einmal Eins kann.

Ich kann es nicht , deswegen ist meine Frau Lehrerin manchmal auch ziemlich angefressen. Sie sagt immer , "ich kann es nicht für dich lernen". Warum eigentlich nicht ? Wär doch nett von ihr. Sie kann es ja schon. Also kann es doch nicht so schwer sein , wenn sie das für mich auch noch erledigt.

Ich schreib dir aber nicht deswegen, sondern weil du da sowas mit dem "Spiegel" geschrieben hast. Gestern hab ich nähmlich eine Brezen (ein Brezerl)
mit dem Fahrrad gerissen ud dabei ist mir der Spiegel abgebrochen. Also nicht mir , dem Fahrrad natürlich. Und weil ich jetzt einen neuen Spiegel brauchen tu, (oder wie sagt man ?) und den alten eh wegschmeisen mus, kannst ja meinen hinichen ( oder sagt man kaputten?) haben. Du must mir dann nur erzählen, was ihr
Ui, Mama kommt . Schnell " Liebe Oma , Liebe Oma ....

Gruß Moritz
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Alt 20.02.2010, 08:55   #3
Max Maulschelle
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Hallo Lisa!

DU bist die niedliche Kleine mit den Zöpfen, stimmts?
Bist mir schon aufgefallen, weil du immer so, lustig herguckst!
Dass du jetzt schon „Oma“ schreiben kannst, freut mich.

Also weißt du, das mit den Platzsitzpausen find ich nicht so doll. Ich renne in der Pause lieber übern Gang oder tausche mit meinen Freunden Geheimnisse am Klo aus….
Dabei lass ich mich aber besser nicht von Frau Liebenthal erwischen – denn ich kann schon „Oma“ schreiben!

DU hast schonen einen Freund? In echt? Sammelt der auch Abziehbilder?
Dann könnten wir nämlich tauschen. Ich habe so viele doppelte!
Sag ihm doch, er soll am Montag um zehn ins Parterreklo kommen.
Dritte Kabine vom Fenster aus gesehen - da warte ich auf ihn!

Dass wir keinen Fußballplatz bei der Schule haben, find ich auch blöd.
Ich geh am Nachmittag immer rüber zu der großen Wiese (weißt eh – da wo der Schwimmteich ist). Leider sind uns schon einige Fußbälle ins Wasser gestürzt ich wir mussten dann rein und sie holen. Meine Tschiens waren dann immer klatschenass und urdreckig. (Mama hat mächtig geschimpft mit mir).
Kalle und ich gehen aber trotzdem wieder hin.

Danke , dass du mir den Spiegel borgen willst, wir hätten was Tolles damit probiert, aber ich glaube, meine Oma erlaubt’s nicht. Schade, bei manchen Dingen versteht sie einfach keinen Spaß und ist urstreng. Sonst ist sie aber ein prima Kerl. Ich bin immer gern bei ihr.

Muss jetzt Schluss machen. Die Mathe-Aufgabe iss noch nicht fertig……
Bis bald,
dein Max



Liebes Fräulein Liebenthal! ( oder doch Liebermann?)

Bitte vertzeihen Sie mir, dass ich erst jetzt schreibe, aber ich habe so lange gebraucht, um ihren langen Brief zu lesen. Da waren ja so viele komische Wörter drin, die ich gar nicht verstanden habe. Darum musste ich erst meine Oma fragen, was das alles heißen soll.
Meine Oma ist nämlich ein prima Kerl, weil sie hat immer Zeit für mich und sie erklärt mir auch immer alles.
Mama und Papa erklären mir auch manchmal was, aber meistens müssen sie ja arbeiten – und dann haben sie nicht so viel Zeit für mich und sagen zu mir:“ Frag Oma!“
Oma seh ich aber nur freitags oder am Wochenende. Am Freitag holt sie mich von der Schule ab und am Samstag kocht sie bei uns, wenn Mama Schichtdienst hat. (Damit sich Papa ausschlafen kann und nicht auch noch mit seinen Rangen herumärgern muss, sagt Oma.)

Ich habe Oma Ihren langen Brief gezeigt – und sie hat auch eine Weile darüber grübeln müssen.
„Weißt du“ hat sie dann gesagt, „Dein Frau Lehrerin ist wohl ein bissel müde. Kein Wunder, wenn sie so Jungs wie dich in der Klasse hat.“ Dabei hat sie mich schief, von der Seite her angesehen und mir wurde dabei etwas mulmig. Ich habe dann immer das Gefühl, ich hätte was falsch gemacht. Hab ihr dann gleich die Sache mit dem Spiegel gebeichtet(sicherheitshalber!) und sie hat mir strikte verboten, weiter zu experimentieren! So streng ist meine Oma! Aber der Apfelkuchen, den sie für mich gebacken hat, der war lecker!

Dann hat mich Oma auch ermahnt, ich soll nicht immer so dumm lügen. Das mit dem Lecktorat war nämlich erfunden. Tut mir leid! (Oma verbessert immer meine Fehler. Sie sagt, das ist, damit ein normaler Mensch auch lesen kann, was ich so schreibe). Meine Handschrift gefällt ihr nämlich auch nicht. Sie sagt immer:“ Für dieses Geschmiere sollte man dir die Pfoten abhacken!! Als ich noch zur Schule ging, hätte ich so eine Kritzelei nicht abgeben dürfen….“

Da bin ich dann immer froh, dass Sie meine Lehrerin sind, Frau Liebenthal!
Es tut mir daher schrecklich leid, dass Sie so ein ganz schreckliches Börn - Autsch haben müssen. (Das kann aber nicht nur wegen mir sein! Der Kalle macht auch manchmal Sachen. Und erst der Oliver! Aber das kann ich Ihnen jetzt nicht verraten, denn sonst sagen die anderen Jungs, dass ich eine blöde Petze bin!)
Es muss schlimm sein, wenn man nicht einmal mehr genau seinen eigenen Namen weiß! Wie heißen Sie denn nun wirklich: Liebenthal oder Liebermann?
Vielleicht liegt das an dem Lexikon für schulisches Elend, das sie sich zugelegt haben? Das macht vielleicht vergesslich.

Ich finds jedenfalls nicht so gut, dass sie da drin lesen. Gibt’s denn kein Lexikon für Spaß in der Schule? Da drin sollten sie mal nachschauen! Mir ists nämlich viel lieber, wenn Sie fröhlich sind und mit uns lachen und wenn wir Spaß haben am Vormittag! So ein Schulkostüm muss einem ja auch passen.

Also ehrlich: Ich hab mir in der Schule noch nie was gebrochen – und ich bin wirklich nicht immer langsam unterwegs! Aber ich war auch noch nicht auf dem Reibebaum - steht der vielleicht im Turnsaal 2? Dürfen wir den auch irgendwann einmal probieren? Ich werd auch ganz doll aufpassen, dass mir nix passiert, fest versprochen!

Dass Herr Huber im Konferenzzimmer auch noch Plakate korrigiert, find ich lustig – der kriegt wohl gar nicht genug? Ich finde, das passt aber zu ihm.
Machen Sie sich nichts draus, Fräulein Liebenthal , die Senta aus der Nachbarklasse weiß auch immer alles besser! Ich lach sie dann immer aus und lass sie einfach stehen – das ärgert sie am meisten!

Ich freu mich, dass sie meine Ideen toll finden! ( Auch wenn Sie es vor der Klasse nicht zugeben wollen! Das versteh ich. Ich darf ja die Streiche meiner Freunde auch nicht an Sie verraten. )
Morgen bringe ich Ihnen eine Schokolade mit, zum Trösten!
(Ich glaube, ich habe da irgendwo in meinem Zimmer noch einen Schoko - Nikolo herumstehn, vom Vorjahr. Den mag ich sowieso nicht mehr.)

Ach ja, noch was: Meine Oma wird sich demnächst auch bei Ihnen melden.
Wegen dem Brief und auch wegen mir.
Um nach dem Rechten zu sehen, sagt sie. (Obwohl ich Linkshänder bin.)

Bis bald also,
Ihr
Max Maulschelle
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Alt 20.02.2010, 18:25   #4
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Tja, Max,


da kannst du mal gleich sehen, was ein sogenannter Freud'scher Verschreiber ist:

„mein lieber Mann!“ Genau das hab ich mir nämlich gedacht, als ich mit dem Schreiben meines Leserbriefs fertig war (und zwar fertig in jeder Hinsicht). Da hat mich dann wohl grad das Ausmaß des Ganzen so richtig Björn-Autsch-mäßig ereilt und so wurde aus meinem wunderschönen Namen Liebenthal das Liebermann.

Wie schön, dass du so gut aufgepass.... neeee. Das schreib ich jetzt aber hier wirklich nicht hin. Wir sind ja hier schließlich nicht in der Schule! Jetzt hätt's mich doch glatt reflexartig erwischt. (Manchmal kann ich ja verstehen, wenn Leute mit LehrerInnen nicht so gut können, denn die lassen das schon mal raushängen, dass sie da Bescheid wissen auf dem einen oder anderen Gebiet und können dann gar nicht anders, als das mitzuteilen. Aber meistens passiert es eben unabsichtlich und gar nicht mehr bewusst)

Sag doch deiner Oma bitte von mir, dass ich es erstens ganz toll finde, dass du so eine tolle Oma hast. Das ist nämlich heut auch eher selten geworden. Und zweitens, dass ich nicht müde bin wegen Dir oder den anderen Kindern in der Schule. Die sind nämlich alle ok und ich würd mich oft gern genauso benehmen dürfen, wie die es tun. Kann aber nicht, denn ich muss ja Vorbild sein.

Ich und die anderen Lehrer, die da so müde werden, werden das meistens eher wegen des Betriebs Schule selbst. Da läuft einiges einfach so, dass du dir als LehrerIn vorkommst wie DonQuichotte, der gegen Verwaltungs-, Rechts- und Bürokratie-Windmühlen (das soll dir deine Oma bitte wieder erklären) kämpft und gleichzeitig auch noch Schülern, die da mitkämpfen, und das auch irgendwie spüren, Wissen beibringen sollst. Schließlich wird man ja nicht Lehrer und bleibt in dem Job, wenn man das Unterrichten und die Kinder nicht mag oder womöglich nichtmal gut aushält. Man kommt als Lehrer heute nur kaum noch zum Kinder-Mögen und Lehren – so, wie Schule läuft.

Den Schoko-Nikolaus behalte bitte. Ich sollte ohnehin weniger naschen. Aber lieb von dir. Echt!

Das mit dem Reibebaum kommt ganz von selbst, Max. Spätestens, wenn du so 12, 13 bist. Wenn du dann deine Eltern und Lehrer (die kommen aber meist schon früher dran) auf einmal nur noch peinlich und doof findest, und die ganze Welt ungerecht und dich selbst völlig missverstanden – dann isses soweit. Und dann komm bitte nicht auf die Idee, du dürftest nicht sagen, was du willst, was du fühlst und was dich stört. Es kommt nur darauf an WIE du es sagst und zu welchem Zeitpunkt. Und dass du dem da auf der anderen Seite auch wirklich zuhörst anstatt zu glauben, der will dir nur wieder was von oben herab reinwürgen.

Siehst du – das wär zum Beispiel so eine Sache, die man als eigenes Unterrichtsfach bringen sollte. Wie muss ich mit anderen reden, dass die mich so behandeln, wie ich es mir wünsche? Das kriegen ja nichtmal die Erwachsenen immer hin, wenn ich es genau beobachte. Lies nur mal hier im Forum ein wenig rum. Oder hör in den Öffis genau hin – du findest genügend Beispiele dafür.

Ich bin aber nur eine ganz junge und unwichtige Lehrerin und meine Meinung zählt unter den anderen KollegInnen noch so gut wie gar nix. (Ich krieg auch immer die lautesten und wildesten Pausenaufsichten (weil die anderen froh sind, dass jetzt endlich einer da ist, der noch „neuer“ ist als sie und das nun abbekommt) und den miesesten Stundenplan (bis der oder die nächste neue KollegIn in die Schule kommt. Unfair – ich weiß. Aber auch ich freu mich da schon drauf)).
Und ich verstehs ja auch: die wollen ihre Sachen in den letzten Jahren vor der Pension noch so weiter durchziehen wie bisher. Immerhin haben sie auch eine zeitlang gebraucht und hart gearbeitet, um an den Punkt zu kommen, wo es für sie so am besten lief. Klar – es sind nicht alle so, aber irgendwo kann man doch auch verstehen, dass man nicht wieder was neu lernen will, wenn man schon so lange in dem Job gearbeitet hat. Immerhin hat man dabei ja auch sowas wie Erfahrung gesammelt und die will man dann auch ernstgenommen wissen und nicht weggewischt, weil halt nicht neu und modern.
Da aber in der Schule alle paar Jahre neues entdeckt wird, das angeblich NOCH besser geeignet ist, um Kindern was beizubringen, müssen sich da alle immer wieder umstellen, wenn es ihnen nicht egal ist, dass man sie als altmodisch belächelt. Das kommt ja auch bei den Eltern nicht so gut.

Da streiten dann auch die LehrerInnen oft und viel und lang untereinander (das nennt man dann Fachschaftssitzung). Und weil die Zeit nie reicht (und ja auch nicht bezahlt wird und keiner sich traut zu sagen: „ok. Dafür korrigier ich diesmal zwei Hausübungen weniger, die ich normalerweise jetzt abgearbeitet hätte“), um zu einer Einigung zu gelangen, die alle zufrieden macht, bestimmt halt dann einer, wie's weiter langgeht. Und das sind dann halt doch immer die alten Hasen und die, die irgendwie noch weit weit mehr machen in der Schule als ihren Pflichtteil (viele von denen wohnen ja oft fast schon in der Schule und haben vermutlich dafür kein Privatleben oder NOCH keins) und deren Meinung daher mehr Gewicht hat.

So, Max. Sag deiner Oma, bitte, ich freu mich auf ihren Besuch (wenn sie nach diesem Brief überhaupt noch kommen mag). Ich bin allerdings nicht mehr jeden Freitag Nachmittag da zur Sprechstunde, weil ich alle vier Wochen an den Wochenenden weg bin, um meinen neuen Beruf zu lernen.


Deine Hannah Liebenthal

(„mein lieber Mann!“)
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Alt 28.02.2010, 09:08   #5
Max Maulschelle
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Liebes Fräulein Liebenthal!

Ich melde mich jetzt erst, denn letztes Wochende hats mich mächtig erwischt! Beim Snowboarden, mein ich. Ich hätte vielleicht doch nicht die Abkürzung durch den Wald nehmen sollen. Die Bekanntschaft mit dem Baum war deutlich und die Gehirnverschütterung auch, sagte der Doktor.

Ich kann aber von Glück reden, dass es mich nicht gleich insgesamt verschüttet hat, denn auf dem Hang dahinter war Latrinengefahr, oder so.
(Na, sie wissen schon: das mit dem urvielen Schnee, wenn er runterdonnert)
Mama hat ziemlich mit mir geschimpft und Papa auch - aber jetzt geht es mir schon wieder viel besser.

Meine Oma lässt sie auch schön grüßen - sie hatte diese Woche keine Zeit, bei Ihnen vorbei zu kommen, weil sie sich ja um mich kümmern musste.
Sie hofft aber, dass sie ein bissel gescheiter sind als ich und nicht auch durch den Wald eine Abfahrt machen! ( war aber urlustig, bis zu dem Baum!)

Meine Oma hat mir die Geschichte von Don Quietschotto vorgelesen! Ich versteh aber immer noch nicht, was den Typen so aufregt an so blöden Windmühlen. Soll er halt drumrumreiten - wozu hat er denn das Pferd?
Ich glaub manchmal, Erwachsene machen sich selber das Leben kompliziert. Bei mir ist das ganz anders - ich nehms wies kommt, am besten aber : nicht zu ernst! Da könnte der Quietschotto noch was von mir lernen!

Also, das mit dem Reibebaum ist bei mir anders. Ich find schon manche Sachen blöd, was die Erwachsenen tun, aber mich reibts nicht. Ich mach dann halt einfach trotzdem, was ich will ( heimlich ). Darf man sich halt nicht erwischen lassen. (Nicht so, wie der dämliche Olli aus der 2b, der auf die Klotür gemalt hat : DER LEHRA ISS BLÖD! - und der dann seinen Filzstift am Klo liegen hat lassen. So einen Filzer hat nämlich außer ihm keiner! Da wusste Frau Lendner gleich, wers war.)

Das mit ihrem blöden Stundenplan tut mir leid. Da waren ja die anderen Lehrer urgemein zu Ihnen - oder war das etwa der Direktor? Bei uns Kindern ist das aber auch nicht anders. Was glauben sie, was in der Pause los war, als letztes Jahr die Neue zu uns kam, sie wissen schon, die Inderin mit den schlabbrigen Hosenkleidern?
Mensch, waren da einige Kinder gemein zu ihr! Haben sie glatt geschnitten, ihr die Stifte versteckt und ihre Hausübungen bekritzelt! Mit voller Absicht! Einfach so! Aus purem Übermut! Das hat die Lehrerin damals aber nicht durchgehen lassen. Wo kommen wir denn da hin? hat sie gesagt
Hat ganz schön Stunk gemacht, auch daheim und bei den Eltern. Bin froh, dass ich da nicht dabei war.
Menschen sind manchmal komisch, wenn sie gemeinsam was aushecken.
Jeder von den Übeltätern ist nämlich - einzeln betrachtet - ganz nett.

Unserer damalige Lehrerin hat dann doch auch in der Klasse was umgestellt: Die Sitzordnung! Und ein paar Stunden "Wie man sich miteinander benehmen soll" haben wir auch gekriegt. "Ich zieh euch die Löffel lang, wenn ihr noch mal so nen Unfug macht," hat sie uns auch angedroht. Haben wir dann ohnehin nicht mehr. Und Rangeeta ist eigentlich ganz nett. Inzwischen spricht sie auch schon ganz gut Deutsch und kann auch selber sagen, wenn ihr was nicht passt.
Vorvorige Woche hat sie mir sogar eine gedonnert, weil ich ihr die Haarspange geklaut hab. Aber nur zum Spaß! Das Nachlaufen in der Klasse fand ich ganz lustig. Ich necke doch so gern die Mädels!

Dass sie einen neuen Beruf lernen wollen, find ich echt schade!
Wer wird dann bloß wieder zu uns kommen?
Ich mag sie nämlich wirklich - besonders, wenn sie ihr Parfum anhaben (das mit dem Wiesenduft)

Ganz liebe Grüße,
Ihr
Max Maulschelle
Max Maulschelle ist offline   Mit Zitat antworten
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