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Alt 12.11.2019, 22:26   #1
Trauerdichter
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Standard Der Mann, der nur noch reimen konnte (Teil 2)

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Der Mann, der nur noch reimen konnte
- Ein Drama in 5 Akten -

Kapitel 2: Eine Schnapsidee



Am nächsten Morgen steht er auf
und horcht mal in sein Herz hinein.
"Herrje, dass ich mich nicht verlauf!
Am besten bin ich hart wie Stein."


So schickt er denn das Fräulein heim
und geht zum Saufen in ne Bar.
Vielleicht ist das von ihm gemein,
doch anders kommt er nimmer klar.

Er quatscht ein wenig mit dem Wirt,
der von den Reimen bombadiert
nun Hochprozentiges serviert,
damit der Dichter wieder wird,

den es tatsächlich nun sediert,
wenn er an seinem Gläschen nippt
und nicht mehr nach den Reimen giert.
"Mein Gott, der wär bald umgekippt!",

denkt sich der gute, alte Wirt.
"Der reimt ja bis der Arzt noch kommt...
Zum Glück kam der hier rein spaziert!"
"Nochmal Nachschlag, aber prompt!",


ruft unser Dichter kurz darauf.
So trinkt er auch sein zweites Glas,
steht zwischendurch zum Pinkeln auf
und raucht im Klo ne Tüte Gras.

Jetzt ist der Dichter völlig dicht.
Ein dichter Dichter, der besticht,
wenn er in langen Sätzen spricht,
als schreibe er an nem Gedicht.

Der Wirt merkt schnell: Da stimmt was nicht.
Auf einmal ist er anders drauf.
Er weiß: Der Dichter ist nun dicht.
"Herrgott, Du dichter Dichter: Sauf!"

Der Mann, der nur noch reimen kann,
erwidert ihm dies Wort sodann:
"Mein guter Wirt, ich glaub das wird
erst wieder, wenn man explodiert.

Ich kann mir einfach nicht entfliehn,
es wird mich zu den Reimen ziehn.
So dank ich Dir für Deine Müh.
Wir sehn uns wieder... morgen früh!"


Ein gutes Vorbild ist er nicht:
Schon morgens einfach völlig dicht.
So geht er denn in ein Bordell,
wie Friedrich Nietzsche - ziemlich grell!

Doch hol Dir keine Syphilis.
Du weißt ja nich, wo die so is...
Die Frau, die Du da grad beglückst,
wenn Du die junge Blüte pflückst.

Schon reichlich dubios der Mann,
der nur in Reimen sprechen kann.
Er hätte da doch auch die Frau,
das Fräulein Lyrik, ja, genau...

Wir sehen schon, das Ende wird
gewiss nicht fröhlich: Kalt serviert.
Wie immer gibt es ne Moral
und eines Helden tiefe Qual.

Denn blind ist er durch Ruhmessucht.
Er fällt in eine tiefe Schlucht,
wenn diese nicht befriedigt ist,
denn unser Mann ist Nihilist.

So läuft er high durch seine Stadt
und hat die ganze Welt so satt!
Er rempelt all die Andren an
und bleibt so stark, wie er nur kann.

Erschien er uns auch erstmal toll,
die Wahrheit, die sieht anders aus.
Er hat die Schnauze gänzlich voll,
betäubt den Schmerz mit Saus und Braus.

"So viele wagen sich daran,
doch keiner kommt an mich heran,
wenn es um metrisch Schreiben geht",

spricht unser Mann, der nicht versteht.

Denn Rätsel gibt es ihm oft auf,
weshalb ihn jeder ignoriert.
So nimmt er dieses High in Kauf,
bis endlich alles funktioniert:

Der Traum von einer warmen Welt,
die ihm - und umgekehrt - gefällt.
So geht er abends wieder heim
und läd das Fräulein Lyrik ein...


12. Oktober 2019

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Anmerkung: Meine Gedichte sind widersprüchlich, weil sie die Widersprüchlichkeit einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung wieder geben sollen.

Geändert von Trauerdichter (14.11.2019 um 00:04 Uhr)
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