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Satire Zipfel Für Zyniker und andere Fieslinge

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Alt 22.07.2016, 11:31   #1
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Wie wagt sie es, mich nicht zu wollen,
der ich der beste aller Männer bin,
von edlem Wesen, feinstem Sinn?
Was zieht sie nur zu dem Proleten hin?
Der Stachel sitzt – ich glaub, ich gehe schmollen!

Wie wagt er es, mich nicht zu schätzen,
der ich der beste der Kollegen bin?
Ich rackre mich seit Anbeginn
für diese Firma ab und den Gewinn!
Er hasst den Chef – ich glaub, ich gehe petzen!

Wie wagt der Hund, mich zu verbellen,
der ich das beste aller Herrchen bin,
und meine Katze kratzt mich – ach, mir stellen
sich alle quer! Ich seh mithin:
Die Welt ist schlecht! Nur ich bin gut darin.
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.

Geändert von Erich Kykal (23.07.2016 um 14:59 Uhr)
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Alt 22.07.2016, 12:35   #2
Wodziwob
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Hallo Erich,

witzig. Mir ist schon beim Lesen spontan ein kleiner Abschnitt meines Buchs eingefallen, und weil der tatsächlich passt, stell ich ihn einfach mal ein...

Wenn die Leute wüssten, wie es wirklich um sie bestellt ist, würden sie etwas dagegen tun.

Sie würden wissen, warum ihnen ihre Frau durchgebrannt ist, warum ihre Kinder trotzig gegen sie rebellieren, die Geschwister nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollen oder der Nachbarhund sie verbellt. Und sie würden in sich gehen und sich fragen, ob und wie sie das ändern könnten, wenigstens beim nächsten Mal besser machen oder noch zum Guten wenden. Da sie aber keine Ahnung haben, wie erledigt, fertig und am Ende sie sind, ist die Geflohene eine treulose Schlampe, die Kinder sind missratene und undankbare Fratzen, die Geschwister dämliche Versager und der Nachbarhund eine tollwütige Furie. Schuld sind immer die andern und sie immer im Recht, die andern immer die Bösen und sie selbstredend die Guten. Ist ja auch viel einfacher so.


Hab dem auch nichts hinzuzufügen.

Liebe Grüße
Wodziwob

Geändert von Wodziwob (27.08.2016 um 10:56 Uhr) Grund: Schriftart
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Alt 22.07.2016, 15:38   #3
Erich Kykal
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Hi Wozi!

Dass ist ja wirklich EIN Zielfoto, dein Text und mein Gedicht - bis auf die Katze! Wie konntest du nur die Katze vergessen!? ()

Die Kollegen werden zu Kindern, aber das mag öfter mal der Fall sein ...

Vielen Dank für den Einblick und die wohlwollenden Gedanken!

LG, eKy
__________________
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Alt 23.07.2016, 10:22   #4
Wodziwob
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Die Katz mich in die Nase beißt
und schnurrt ins Ohr mir: "Sicher ist,
die Bösen sind die andern, was nicht heißt,
dass deshalb du der Gute bist.

Lese Deine Gedichte gerne.
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Alt 23.07.2016, 18:04   #5
Dana
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Lieber eKy,

sehr, sehr schön "bissig".

Zuerst bei sich selbst schauen ist gar nicht so schwer. Es sich einzugestehen und um Verzeihung zu bitten nagt an der selbst aufgesetzten Krone.

Wobei ich Hund und Katze ausschließlich als Metaphern auf Sie und Ihn in Bezug zur 1 und 2 Strophe sehe.
Tiere sind niemals schuldig, weder beim Bellen noch beim Kratzen. Es ist immer der Mensch, der sich nicht artgerecht verhält.

Gefällt mir und gern gelesen.

Liebe Grüße
Dana
__________________
Ich kann meine Träume nicht fristlos entlassen,
ich schulde ihnen noch mein Leben.
(Frederike Frei)
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Alt 23.07.2016, 18:19   #6
Erich Kykal
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Hi Wozi!

Danke für die launigen Antwortverse! Ist Z3 absichtlich um einen Heber zu lang? Nun, es ging wohl eher nicht anders ...


Hi Dana!

Ich gestehe mir gar nix ein - das ist ein simples LyrIch und nicht autobiographisch! Ich nehme als Autor nur die Perspektive dieses Jämmerlings ein, um ihn satirisch vorzuführen. War aber klar, oder?

Wenn Hund und Katz bellen oder kratzen, dann weil der Mensch sich falsch verhält, keine Frage. Keinesfalls wollte ich mit meinen Versen den edlen Tieren unlautere Motive unterstellen!


Vielen Dank für eure wertigen und kurzweiligen Gedanken!

LG, eKy
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Alt 11.08.2016, 23:13   #7
Kokochanel
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Guten Abend, Erich,

eine fein gestrickte Selbstanalyse von meinem Nachbarn.
Der Gipfel aber ist, wenn ihm auch der Porsche nicht mehr anspringt.

Sauber ironisch auf den Punkt gebracht. Es hat mich sehr amüsiert, weil gerade heute morgen musste ich ihn anrufen, um ihm zu sagen, dass seine Pool-Pumpe wieder einmal verrückt spielt und pfeift wie eine Irre.
Danke für den Abendschmunzler mit diesem Gedicht.

Übrigens finde ich den Auszug aus Wodziwobs Buch auch nicht schlecht.

Abendgrüße von Koko
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Alt 12.08.2016, 14:57   #8
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi Koko!

Danke für deine Zeilen! Dies ist ein augenzwinkernder Seitenhieb gegen all jene, die wie selbstverständlich immer davon auszugehen scheinen, dass es - egal was - niemals ihre Schuld ist! Eher sind sie bereit anzunehmen, dass die ganze Welt voller Ärsche sei, als einzusehen, dass hier nur einer tatsächlich der Arsch ist!

LG, eKy
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Alt 11.08.2019, 12:35   #9
plotzn
Hofnarr
 
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Petri Heil, eKy!

Wie wagt er es, mich zu erfreuen,
der mir nur ernste Lyrik annehmbar
erscheint, was bietet er mir dar?
Das soll der Dichter jetzt bereuen -
zur Strafe gibt es einen Kommentar!

Liebe Grüße,
Stefan
__________________
Humorvolle Lyrik ist der Hofnarr der Poesie
plotzn ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.08.2019, 18:53   #10
Erich Kykal
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HI Plotzn!

Ei, vielen Dank für so ein gereimtes Lob vom hiesigen Großmeister des lyrischen Humors!

Wenn du die Archive der "lustigen Abteilung" (Humorvolles und Satire) durchforstest, wirst du die seltenen Perlen meines verschmitzten Augenzwinkerns finden!

Sei bedankt auch für das Exhumieren dieser Textmumie, die sich damals wahrscheinlich totgelacht hat ...

LG, eKy
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