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Alt 22.02.2021, 10:42   #1
Romantiker2016
Holger
 
Registriert seit: 01.08.2016
Ort: Jerxheim
Beiträge: 70
Standard Wir wiegen uns in den Lüften

Wir wiegen uns in den Lüften

Hier, an den Säumen des Meeres
strebt unser Blick dem Horizont nach;
die Winde füllen ein leeres
Gefäß, das einst lächelnd zerbrach.

Schau, die Möwen, sie falten
die Schwingen steil in den Wind;
Sonnenlicht führt die Gestalten
in weite Himmel geschwind.

Wir wiegen uns in den Lüften,
ganz geheim verschwimmt uns der Sinn;
enthoben den alten Klüften,
spür ich, dass ich eins mit dir bin.
__________________
„ . . . wenn uns das Lärmen der Tage erschöpft, tun sich leise träumend
Land und Himmel auf, – Wiesen werden zu sanften Brüdern.“
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Alt 22.02.2021, 11:57   #2
Freihammer
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 17.12.2020
Ort: Am liebsten in Seenähe. Oder an einem Fluss. Jedenfalls mehr im Norden als woanders.
Beiträge: 135
Standard Wir wiegen uns in den Lüften

Hallo Romantiker,

ein Gedicht, das mir aus dem Herzen spricht! Warum? Es ist so vertraut, so klangschön, dass es einen Vergleich mit Rilkes Gedicht
„Da schwang die Schaukel durch den Schmerz“
mit den Anfangszeilen
„Da schwang die Schaukel durch den Schmerz -, doch siehe,
der Schatten wars des Baums, an dem sie hängt.“
nicht scheuen muss. Mich hatten Rilkes Verse mal zu einem Gedicht mit dem Titel
„Uns schwingt die Schaukel durch den Schmerz“
und dem Anfang
„Uns schwingt die Schaukel durch den Schmerz
hinauf, hinauf bis in den Äther.“
angeregt. (Natürlich mit dem Verweis auf Rilke).
Nun finde ich deine Zeilen sehr vollkommen. Eben auch romantisch.
Ich hoffe, noch mehr von dir lesen zu können.

Viele Grüße von Freihammer.
__________________
„Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts, als meiner seligen Insel.“ Friedrich Hölderlin
Freihammer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.02.2021, 12:32   #3
Romantiker2016
Holger
 
Registriert seit: 01.08.2016
Ort: Jerxheim
Beiträge: 70
Standard

Hallo Freihammer, dankeschön für den fundierten Kommentar. - In der Tat ist auch meine Affinität hinsichtlich Rilkes Dichtung besonders ausgeprägt:

"Einsam steigt er dahin, in den Bergen des Ur-Leids. Und nicht einmal sein Schritt klingt aus dem tonlosen Los." - Diese Worte aus den Duineser Elegien sind kennzeichnend für Rilke. - Ich hatte mal geschrieben:

"Diese, nach meinem Empfinden höchste Sensibilität, dieses in wunderbaren Worten ausgedrückte „Hineinhören" Rilkes in den Raum der Seele und die gleichzeitige Absage an eine instrumentelle Vernunft, welche die reine Überwältigung des Gemüts durch Liebe und Natur in sich trägt, die Suche nach einem Standpunkt, nach einer Identität in der haltlosen Welt, ist im Gesamtwerk von Rainer Maria Rilke in ganz besonderer Weise ausgedrückt. - Die Möglichkeiten, das wunderbare Zusammenspiel von Geist und Seele zu nutzen, scheint sich beispielsweise als ein Appell durch die Verse der Duineser Elegien zu ziehen."

Sei herzlich gegrüßt,

Holger
__________________
„ . . . wenn uns das Lärmen der Tage erschöpft, tun sich leise träumend
Land und Himmel auf, – Wiesen werden zu sanften Brüdern.“
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