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Ausflug in die Natur Natur- und Tiergedichte

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Alt 10.10.2019, 10:56   #1
Hans Beislschmidt
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Standard Die alte Pflaume

Die alte Pflaume hing schon lang am Baum
und glänzte "tauig" frisch am Morgen.
Begehrlich träumte sie den Apfeltraum
und kannte keine Runzelsorgen.

Sie wehrte sich ihr ganzes Leben lang
vor Wespenstichen, Würmern, Maden.
Ganz leise sie zum Apfel rüber sang,
kein Vogel wollt ihr jemals schaden.

Sie hielt sich tapfer bis zum letzten Gang
und krallte sich ans Pflaumenleben.
Ein Sturm sie endlich doch zu Boden zwang
und musst sich kaltem Reif ergeben.

Ein fauler Apfel fiel zuletzt von oben
und rollte zärtlich über sie.
So wurden sie am Ende doch verwoben,
trotz Falten noch zur Traumpartie.

Erichs 5 hebige Version


Die alte Pflaume hing schon lang am Baum
und glänzte "tauig" frisch am frühen Morgen.
Begehrlich träumte sie den Apfeltraum
und kannte keine Runzelsorgen.

Sie wehrte sich ihr ganzes Leben lang
vor Wespenstichen, Würmern, Maden.
Ganz leise sie zum Apfel rüber sang,
kein Vogel wollt ihr jemals schaden.

Sie hielt sich tapfer bis zum letzten Gang
und krallte sich ans Pflaumenleben.
Ein Sturm sie endlich doch zu Boden zwang
und musst sich kaltem Reif ergeben.

Ein fauler Apfel fiel von oben
und rollte zärtlich über sie.
So wurden sie am End verwoben,
trotz Altersflecken noch zur Traumpartie.

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Alt 10.10.2019, 12:25   #2
Erich Kykal
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Hi Hans!

Die inhärente Wahrheit: Liebe kennt keine Grenzen!

Ein schönes Gleichnis wider Fremdenhass und Feinde gemischtrassiger Beziehungen, und ein schönes Gleichnis für die selbstlose Geduld, zu der nur Liebe fähig ist.

Auch ohne "Happy end" im letzten Moment wäre es ein gültiges Bild gewesen - vielleicht sogar wahrscheinlicher, denn ich denke, dass bei weitem die meisten Lieben unerfüllt bleiben, denn mal ehrlich: wie groß ist schon die Wahrscheinlichkeit, dass es beide zugleich trifft?

Schön auch, dass die Liebe andauert, weit über den physischen Verfall hinaus! Damit haben viele Menschen so ihre Probleme - wenige dieser reinen Augenmenschen könnten einen "faulen Apfel" oder eine "runzlige Pflaume" lieben.

Gern gelesen!

LG, eKy
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
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Alt 10.10.2019, 13:31   #3
Hans Beislschmidt
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Hey Erich,
Das hast du genau richtig interpretiert. Ich brauche oft den figurativen Anstoß, in dem Falle die Obstbäume rund um unser Häuschen. Liebe und Zerfall liegen näher beieinander als gedacht, andererseits je älter die Menschen werden, desto mehr werden sie inkompatibel sich auf andere Menschen einzulassen und du hast Recht mit der Annahme, dass der beschriebene "Fall" eher zur Seltenheit zählt.
Ich stelle aber fest, dass ich deine Belehrungen vermisst habe ... Gruß vom Hans
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Alt 10.10.2019, 14:12   #4
Erich Kykal
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Nur weil du es bist - eine metrisch bereinigte Version (ohne weitere Belehrungen - zieh selbst deine Schlüsse, wenn du magst):

Deine Strophen folgen dem Heberschema 5554 - 5454 - 5454 - 4445

Man hat also die Wahl: alles vierhebig oder alles fünfhebig oder S1 und 3 den mittleren Str. anzugleichen. Letzteres wäre am einfachsten:


Die alte Pflaume hing schon lang am Baum
und glänzte "tauig" frisch am Morgen.
Begehrlich träumte sie den Apfeltraum
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Sie wehrte sich ihr ganzes Leben lang
vor Wespenstichen, Würmern, Maden.
Ganz leise sie zum Apfel rüber sang,
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Sie hielt sich tapfer bis zum letzten Gang
und krallte sich ans Pflaumenleben.
Ein Sturm sie endlich doch zu Boden zwang
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Ein fauler Apfel fiel zuletzt von oben
und rollte zärtlich über sie.
So wurden sie am Ende doch verwoben,
trotz Falten noch zur Traumpartie.


So folgen alle Zeilen dem Schema 5454.

PS: In S1Z1 fehlt deiner "Pflame" ein "u".


LG, eKy
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Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
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Alt 10.10.2019, 19:06   #5
Hans Beislschmidt
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Hey Erich,
Besten Dank für die 5 hebige Version. Der metrische Albtraum ist pflaumig ausgeblieben aber gerade diese Hebungsstringenz fällt mir nicht ins Auge, außer ich jage sie durch Glorfindels Metrix.
Heute habe ich anlässlich einer Literaturstunde das kleine Werk meinen Senioren vorgestellt, die spontan applaudierten. Passt ja auch gut zu ihrem Lebensabschnitt. Danke und Gruß vom Hans
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Alt 10.10.2019, 23:32   #6
Erich Kykal
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Hi Hans!

Meine "Version" ist nicht fünfhebig, sondern ich habe die Str. 1 und 4 den beiden mittleren angeglichen, also hat das Werk in meiner Version durchgängig das Hebungsschema 5454.

LG, eKy

PS: Die Senioren nehmen's mit Humor - gefällt mir!
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