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Denkerklause Philosophisches und Nachdenkliches

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Alt 15.06.2011, 09:22   #1
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Standard Mensch sein

Allen Menschen ist gemeinsam:
Ganz allein ist keiner gern.
Dennoch sind so viele einsam
und einander traurig fern.

Alle Menschen suchen Nähe:
Liebe ist ein Lebensziel.
Ach, ich wünschte mir, ich sähe
Ungeliebte nicht so viel.

Alle Menschen wollen glauben:
An das Gute und das Licht.
Doch wo sie im Dunkel rauben,
wissen sie und glauben nicht.

Alle Menschen haben Träume:
Sollen sich erfüllen bald.
Wären alle Träume Bäume,
wüchse bis zur Sonne Wald.

Alle Menschen wollen leben:
Leben kann man auch allein.
Doch einander Halt zu geben,
das bedeutet, Mensch zu sein.
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.

Geändert von Erich Kykal (22.06.2011 um 12:05 Uhr)
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Alt 20.06.2011, 19:04   #2
Stimme der Zeit
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Hallo, Erich,

schön, so etwas auch einmal zu lesen. Ein Gedicht, das der Menschlichkeit gewidmet ist.

Zitat:
Allen Menschen ist gemeinsam:
Ganz allein ist keiner gern.
Dennoch sind so viele einsam
und eimander traurig fern. - ein Tippfehlerchen
Das ist leider heutzutage nur zu oft so, je mehr unsere Städte wachsen, desto mehr Menschen sind allein. Die Anonymität der Großstadt sorgt dafür, dass wir uns immer fremder werden, meistens kennen wir nicht einmal die unmittelbaren Nachbarn. Wie du hier schreibst, niemand ist gerne allein, wer fühlt sich denn wohl mit so vielen Leuten "um sich herum", während zu Hause keiner wartet ...

Zitat:
Alle Menschen suchen Nähe:
Liebe ist ein Lebensziel.
Ach, ich wünschte mir, ich sähe
Ungeliebte nicht so viel.
Im Grunde genommen hat das die gleichen Ursachen wie oben von mir angesprochen. Das Paradoxe ist, dass gerade die "Menschenmenge" die Partnersuche weit schwieriger macht, als es früher der Fall war. Singlebörsen und Partnervermittlungen haben "Hochkonjunktur". Wie soll man auch jemanden finden - wenn man eigentlich kaum jemanden (oder sogar niemanden) kennt?

Zitat:
Alle Menschen wollen glauben:
An das Gute und das Licht.
Doch wo sie im Dunkel rauben,
wissen sie und glauben nicht.
Nun ja, ich denke ohnehin, dass wir nur glauben, etwas zu wissen. Es kommt auf den Einzelnen an, denn: Ob jemand im "Dunkel raubt", ist die eigene Entscheidung. Häufig ist das "Bekenntnis zum Licht" nur ein "Lippenbekenntnis".

Zitat:
Alle Menschen haben Träume:
Sollen sich erfüllen bald. - ich weiß, du hast das nicht so gerne, aber dieser Vers ist (für mich) wie ein "Haken" im Gedicht, an dem ich beim Lesen hängen bleibe ...
Wären alle Träume Bäume,
wüchse bis zur Sonne Wald.
"Wären alle Träume Bäume, wüchse bis zur Sonne Wald." - Das ist meine Lieblingsstelle im Gedicht. Diese Formulierung hat es mir "angetan". Aber trotzdem, man sollte nie aufhören zu träumen, die Fähigkeit dazu ist das wirklich Wichtige, die Erfüllung kommt für mich erst auf Platz 2.

Zitat:
Alle Menschen wollen leben:
Leben kann man auch allein.
Doch einander Halt zu geben,
das bedeutet, Mensch zu sein.
Die Conclusio sagt mir ganz deutlich: Es gibt nur eine "Medizin" um die Einsamkeit zu "heilen": Die Gemeinsamkeit. Nicht wegsehen, wenn jemand Hilfe braucht. Mehr Mitmenschlichkeit, auf die Nachbarn zugehen, sich "Halt geben". Das "Miteinander" ist es, was den Menschen zum Menschen macht.

Sehr gerne gelesen und kommentiert.

Liebe Grüße

Stimme

P.S.: Ich habe dir nicht widersprochen - das war nur meine "Sicht der Dinge". Die ist eben anders, es war kein Angriff auf dich! Den Kommi hatte ich sogar mit einem echten Kompliment begonnen - "... oft recht" - samt "Zwinkersmilie". Ich hoffe doch, dass du jetzt nicht eingeschnappt bist, weil du das nämlich offenbar in den "falschen Hals" bekommen hast. Nichts für ungut, ja? Oder soll ich beim nächsten Mal schreiben, dass du immer recht hast?
__________________
.

Im Forum findet sich in unserer "Eiland-Bibliothek" jetzt ein "Virtueller Schiller-Salon" mit einer Einladung zur "Offenen Tafel".

Dieser Salon entstammt einer Idee von unserem Forenmitglied Thomas, der sich über jeden Beitrag sehr freuen würde.


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Alt 22.06.2011, 12:14   #3
Erich Kykal
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Hi, Ida!

Danke, dass du verhindert hast, dass das Gedicht "versickert". Ich habe zu dieser Zeit mehrere Gedichte eingestellt, da kann's schon mal passieren, dass was übersehen wird. Dank auch für deine lobenden Worte!


Hi, Stimme!

Von "eingeschnappt" oder "falschem Hals" kann keine Rede sein - so'n Mimöschen bin ich nicht, und ich lege auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage, um meinen Minderwertigkeitskomplex dran zu kompensieren. Schreib nur frei heraus!
Tippfehlerchen wurde korrigiert (Danke!), und deine Interpretation ist akkurat, deine Gedanken dazu schlüssig.

Ein Mitgrund für die heutigen Schwierigkeiten in der Partnersuche - wenn wir schon davon reden - sind sicherlich unsere übersteigerten Ansprüche an den möglichen Partner. Früher nahm man, was da war, und man war schon froh, wenn der/die andere gerade Zähne hatte und einem die eigenen nicht ausschlug.
Heutzutage muss der Partner viel zu "perfekt" sein, und zwar bei beiden Geschlechtern. An hohen Ansprüchen scheitern viele Beziehungen, und noch mehr kommen darob gar nicht erst zustande!

LG, eKy
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
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Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
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Alt 23.06.2011, 18:50   #4
Falderwald
Lyrische Emotion
 
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Moin Erich,

das Thema "Mensch sein" ist es wohl immer wert, ein Gedicht gewidmet zu bekommen.

Allen Menschen ist gemeinsam:
Ganz allein ist keiner gern.
Dennoch sind so viele einsam
und einander traurig fern.


Ich weiß nicht, war es immer so oder ist das ein Zustand der modernen Zeit?
Wir sind alle vernetzt und verkabelt, wir können in (Tele)Kommunikation mit fast jedem an jedem Ort der Welt treten und das rund um die Uhr und trotzdem erleiden viele Menschen ein traurig einsames Schicksal.
Sind wir uns heute trotz aller Frei- und Aufgeklärtheiten nicht mehr gut genug? Sucht jeder nur noch den Partner nach Maaß?

Alle Menschen suchen Nähe:
Liebe ist ein Lebensziel.
Ach, ich wünschte mir, ich sähe
Ungeliebte nicht so viel.


Ich glaube auch, daß die meisten Menschen Gesellschaft brauchen, aber ob die Liebe das Lebensziel von allen ist, kann man, glaube ich, nicht so pauschal sagen. Es gibt genug Menschen, die verfolgen ganz andere Ziele, da kann die Liebe sogar hinderlich werden.
Der Wunsch des Lyrischen Ichs aber ist sehr edel, auch wenn er das bleibt, was er ist: ein Wunsch.

Alle Menschen wollen glauben:
An das Gute und das Licht.
Doch wo sie im Dunkel rauben,
wissen sie und glauben nicht.


Hm, mit der Aussage hadere ich ein wenig.
Begriffe wie "das Gute", "das Licht" und "das Dunkel" bleiben ziemlich leer, denn sie müssen erst einmal durch eine Vorstellung davon gefüllt werden.
Und daß jeder seine eigene Vorstellung von dieser Welt besitzt, wissen wir ja inzwischen.

Alle Menschen haben Träume:
Sollen sich erfüllen bald.
Wären alle Träume Bäume,
wüchse bis zur Sonne Wald.


Dann bräuchten wir aber auch ganz viele Welten. So verschieden wie die Menschen nun einmal sind, sind auch ihre Träume und ich glaube, es wäre nicht erstrebenswert, wenn die sich alle erfüllten.
Das würde kein Wald, sondern ein undurchdringlicher Dschungel von sich widersprechenden und bekämpfenden Träumen und würde letztendlich in einem einzigen großen Alptraum für alle münden.
Meine Träume und Wünsche könnten deinen z.B. vollkommen zuwider laufen und schon hätten wir den Salat.

Alle Menschen wollen leben:
Leben kann man auch allein.
Doch einander Halt zu geben,
das bedeutet, Mensch zu sein.


Mit der Conclusio kann ich gut leben und stimme ihr voll zu.
Aber nicht ohne den Hinweis, daß sich unsere Politiker das einmal hinter ihre Ohren und vor allem auf ihre Fahnen schreiben sollten.


Natürlich weiß ich, wie die Aussagen der einzelnen Strophen zu bewerten sind, jedoch wollte ich ein paar Gedanken dazu hier lassen, weil das alles in Wirklichkeit gar nicht so einfach ist.
Aber träumen und wünschen darf man ja.


Gerne gelesen und kommentiert...


Liebe Grüße

Bis bald

Falderwald
__________________


Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)


Falderwald ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.06.2011, 09:46   #5
Erich Kykal
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HI, Faldi!

Danke für deinen tiefgreifenden Beitrag - hast du sehr gut analysiert.
2 Kommentare meinerseits:

Das Gute und Böse sind - abgesehen von absoluten Nogos wie Kindermord usw. - Parameter, die vom sozialen Kontext der jeweiligen Kultur und/oder Zeit definiert werden, das weiß ich schon.
Ich meinte das "Dunkel" in uns, das wir manchmal in die Welt tragen. Dann "rauben" wir, der Welt, anderen, uns selbst, wohlwissend, dass wir das Falsche tun. Aber wir tun es dennoch. Manchmal eben fordert der Schatten sein Recht.

Und die Bäume der Träume sind imaginär, deshalb brauchen sie keine weiteren Welten - sie wachsen einfach das Vakuum bis zur Sonne zu!
Scherz beiseite, ich weiß, was du meinst, aber mal ehrlich: IST die Welt der Menschen nicht ohnehin genau das, was du beschreibst? Ein "undurchdringlicher Dschungel einander widersprechender und bekämpfender Träume"?

LG, eKy
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