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Alt 05.09.2012, 14:27   #1
Hans Beislschmidt
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Alt 05.09.2012, 18:45   #2
ginTon
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hallo hans,,

Ich muss sagen, dass mir die Wort Bild Collage doch sehr gut gefällt. Gerade
durch die zwei Ebenen im Bild, mit etwas mehr Deckung auf der linken Seite
wirkt das Ganze sehr gut auf mich und auch nicht mehr so, sagen wir traurig,
auch wenn der Text natürlich etwas anderes erzählt und vermittelt...Das Foto
vermittelt eine Form von Distanz durch die klinische Ordnung und Sauberkeit
könnte man fast meinen...

Zum Text: einzig die 4.Zeile, erste Strophe hätte ich persönl. anders formuliert,
"ich sitze hilflos in der..." zB, denn es hört sich ein wenig so an als wäre
Objekt Stuhl hilflos und traurig...

ansonsten gefällt mir der Text gut..LG gin
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Nicht der Wind bestimmt die Richtung, sondern das Segel. (chin. Sprichwort)


nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt... (Wabi-Sabi)
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Alt 05.09.2012, 20:06   #3
Hans Beislschmidt
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Hey gin ton,

vielen Dank für Kommentar und Gedanken.

Ich habe lange gesucht, bis ich ein Bild mit, wie du richtig gesagt hast, klinischer Ordnung und Sauberkeit gefunden habe. Diese ganze lebensverlängerndeb Apparaturen machen Angst ... Ich glaube, ich werde eine Patientenverfügung machen, dass ich das nicht will. Das Bild habe ich etwas blau eingefärbt, um die Kühle und Distanz verdeutlichen.

Der Stuhl ... ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich keiner traut draufzusetzen. Die Besucher standen mehr oder weniger betreten um das Bett rum. Deswegen empfand ich den Stuhl stets deplaziert - in diesem Falle hilflos, weil er schuldlos an dem Leid und der Trauer war.

Gruß vom Hans
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Alt 06.09.2012, 08:51   #4
a.c.larin
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hallo hans,

ich kann mir die emotionen, die man beim ersten anblick einer solchen szene hat, gut vorstellen: am liebsten möchte man nur die flucht ergreifen!

das mag wohl der grund sein, warum niemand wagt, sich da hinzusetzen: der tod ist so nahe im raum - und nur die mechanische apparatur verhindert ihn.
sich hinzusetzen würde bedeuten: sich mit dem tod - auch mit der tatsache der eigenen endlichkeit - auseinanderzusetzen..
das ist beim ersten mal höchst erschreckend und braucht sehr viel mut.
daran "gewöhnen" wird man sich ohnehin nie.

ärzte und schwestern, die tagtäglich damit befasst sind, müssen aber genau das tun: sich daran gewöhnen.
wie verkraften sie es? sehen sie noch den menschen hinter den schläuchen - oder muss es ein "fall" für sie bleiben?
wie wird gesorgt für jene menschen, die sich hier um andere sorgen?
werden sie nicht genau so alleine gelassen zwischen ihren dienstplänen und betreuungsaufgaben?
ich vermute fast: ja!

da kann man schon ins grübeln kommen über sinn und unsinn der modernen geräte - medizin! ob der simple tod da nicht die viel menschlichere alternative wäre?

kein "schönes" gedicht - aber eines, das nachwirkt.
hast du gut gemacht.

lg, larin
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Alt 11.09.2012, 09:26   #5
Hans Beislschmidt
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Zitat:
ärzte und schwestern, die tagtäglich damit befasst sind, müssen aber genau das tun: sich daran gewöhnen.
Hey AC Larin,
vielen Dank für Kommentar und Gedanken.

Um den „Job“ zu machen, muss man das Phänomen „Nähe durch Distanz“ erlernen. Nur wer Distanz aufbauen oder erlernen kann, ist langfristig in der Lage diese Arbeit zu machen und kann strukturell helfen. Nicht immer kommt der Tod auf eine solche brachiale Art daher aber bei allen Formen der palliativen Pflege braucht es ein stark gefestigtes Ich und einen Plan, der es ermöglicht in diesen letzten Stunden, das zu tun, was einem Menschen tatsächlich hilft. Die Offenbarung, dass es so weit ist, sollte möglichst offensiv sein, mögliche Verschleierungstaktikern oder Zeitaufschübe nützen dem Betroffenen nichts. Auffällig dabei ist, dass die Betroffenen leichter loslassen können, wenn sie ihre Dinge geregelt haben – ihre letzten Aussprachen und Verfügungen zu einem Abschluss gebracht haben.

Der Tod regelt letztlich alles (sagt man), für die Hinterbliebenen trifft das leider nicht zu. Leid, Trauer bleiben in einem unausgesprochenen, dichten Medium zurück, auch der Gedanke und die Offenbarung, dass man selbst der nächste sein könnte, rückt ins Bewusstsein.

Ich selbst halte auch nichts von quälenden lebensverlängernden Maßnahmen aber das sagt sich so leicht, zu einem Zeitpunkt der körperlichen Unversehrtheit. Wir wissen eben nicht, welche Qualität das Erkennen von einfachem Tageslicht haben kann.

Gruß vom Hans
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Alt 11.09.2012, 09:51   #6
a.c.larin
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lieber hans,

Zitat:
muss man das Phänomen „Nähe durch Distanz“ erlernen
stimmt - das sehe ich genau so.
das ist wohl in allen sozialen berufen ähnlich.

Zitat:
Auffällig dabei ist, dass die Betroffenen leichter loslassen können, wenn sie ihre Dinge geregelt haben – ihre letzten Aussprachen und Verfügungen zu einem Abschluss gebracht haben.
genau - und deshalb sind verschleierungstaktiken nur wenig sinnvoll.
da zeigt sich nur die angst des begleiters/angehörigen/ arztes, in die eigene endlichkeit zu blicken.
die wahrheit ist: letztlich scheitern wir alle - weil das leben sich uns versagt.

man kann versuchen, dieses bewusstsein in sich selber zu kultivieren - aber ob es was nützt?
ob man sich wirklich darauf vorbereiten kann?
letztlich sind die schicksale bis zum schluss so unterschiedlich wie die menschen selber.

Zitat:
Der Tod regelt letztlich alles (sagt man), für die Hinterbliebenen trifft das leider nicht zu
die hinterbliebenen müssen im rahmen ihrer familien/ sozialen netzwerke selber damit fertig werden - oder professionelle hilfe in anspruch nehmen, wenn das nicht ausreicht.

trotz allen bemühens lässt sich trauer aber nicht einfach ausschalten wie ein störendes radio: sie hat ihre zeit, sie braucht ihren raum!
eigentlich werden ja gerade in der trauer, in ihrer speziellen art und weise, unsere jeweiligen lebensthemen noch einmal überfallsartig hochgeschleudert.
das will erst mal gut gekaut und gut verdaut sein!

deshalb ist trauer wichtig: nur wer trauert, trauern kann, der kann auch loslassen und sich wieder dem leben zuwenden, solange es dauert.

auch wenns schwerfällt: der einzige haken, an dem wir hängen sollten, ist die gegenwart: da - seins - freude, trotz aller einschränkungen, die vielleicht damit verbunden sind...

ich denke, du machst einen guten job!

lg, larin
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Alt 12.09.2012, 09:27   #7
Hans Beislschmidt
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Hey AC Larin,

Zitat:
ich denke, du machst einen guten job!
Ich tu mir schwer über abstrakte Dinge zu schreiben, geschweige denn zu dichten und der Schreibimpuls kommt immer dann, wenn ein nachhaltiges Erlebnis in den Mittelpunkt rückt.
Wir haben ja im Sommer darüber gesprochen und nun sind es noch fünf Tage bis zur Prüfung. Es wird nicht immer eitel Sonnenschein sein aber in diesem Berufsbild sind andere Gewichtungen erforderlich und ich denke, JA, das krieg ich ganz gut hin. Ich hätte nicht gedacht, dass mir der damalige Studentenjob im Krankenhaus einmal so nützlich sein wird.
Gruß vom Hans
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