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Ausflug in die Natur Natur- und Tiergedichte

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Alt 15.02.2018, 13:32   #1
Laie
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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Standard Sonderbare Stunden

Die Nacht verloht in sonderbaren Stunden,
da eine Einsamkeit die Flur umhegt.
Die Wälder warten wie noch nicht gefunden,
die Städte sind für sich und unbewegt.

Die Hausfassaden haben Träumermienen
und alle Wege ruhen dämmerleer.
Nur Rauch steigt auf aus einzelnen Kaminen
und breitet sich ins fahle Ungefähr

der kalten Wintersphären, wo die ersten
magentaroten Wolken Bahnen ziehn.
Dann ist mir kurz, als ob sogar die schwersten
Erinnerungen selig niederknien.

Geändert von Laie (15.02.2018 um 14:00 Uhr)
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Alt 15.02.2018, 15:02   #2
Chavali
ADäquat
 
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Standard

Hallo Laie,

das ist schön, einfach nur schön!
Und das Besondere an diesem Gedicht ist, es hat drei (3) Strophen
statt den für dich typischen zwei.

Eine (1) Strophe mehr Genuss!

Sehr gern gelesen und sich in sonderbare Stunden ein- und mitgefühlt!
Das sind diese Stunden zwischen Nacht und Tag...

LG Chavali
__________________
Meine Gedichte
© auf alle meine Texte
Du bist nicht mehr da, wo Du warst,
aber Du bist überall, wo ich bin.


*
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Alt 15.02.2018, 18:13   #3
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Standard

Hi Laie!

Auch von mir: Bravo!

Was mir auffiel:

In S3 hast du in Z2 und 4 die Reimwörter verkürzt, um den Kadenzenrhythmus nicht zu stören. Sehr gut!

Die Conclusio ist erneut lyrisch vom Allerfeinsten! Das Bild des Niederkniens transportiert wunderbar die Ehrfurcht und den Schauer im Angesicht des beschriebenen Stimmungsbildes, während der Blick des LyrIch (scheinbar von weit oben) über die weite Landschaft und den großen Himmel schweift. Wer kennt nicht diese Momente ...

Diese Form von drei Vierzeilern (egal ob ABAB oder ABBA) halte ich persönlich neben dem Sonett für die rundeste und perfekteste lyrische Form -- nicht zu wenig, nicht zuviel. Ist aber bloß persönlicher Geschmack ...

Allergernst gelesen und mitgetrieben durch die Bilder!

LG, eKy
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
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Alt 16.02.2018, 09:32   #4
juli
tierlieb
 
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Hallo Laie,

Ich habe eKys Antwort auf dein Gedicht gelesen.

Nun weiß ich warum. Mir gehen fast die Superlative aus. Ich weiß du hebst nicht ab, Dann macht es um so mehr Freude hier zu schreiben.

Für Dich alle Blumen vom Eiland

Liebe Grüße sy

__________________

Wie Wirklich ist die Wirklichkeit
Paul Watzlawick

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Alt 16.02.2018, 10:21   #5
Laie
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Hi Chavali,

hier hatte ich das Gefühl, dass einfach noch nicht alles von meinem Eindruck in den ersten beiden Strophen steht. Kommt wirklich selten vor, aber ich freue mich, dass es mal wieder für 3 Strophen gereicht hat

Hab vielen Dank für dein Beiwohnen dieser Stunden


Hi eKy,

wenn ich etwas gar nicht mag, dann, wenn der Kadenzrhythmus wechselt. Da bekommt mein innerer Monk schwitzige Hände Und die Verkürzung von -en auf -n nimmt man, so denke ich, als relativ natürlich wahr, da kaum jemand im normalen Sprachengebrauch wirklich das -en spricht.

Von so weit oben war es gar nicht. Einmal war es der Blick aus dem Fenster über die tiefer gelegenen Siedlungen meiner Heimatstadt. Der andere Anblick einer an einem Hang ruhenden Stadt tut sich mir jedes Mal auf, wenn ich morgens zum Bahnhof fahre. Und wenn der Himmel nicht gerade teif und wolkenschwer über der Landschaft hängt, braucht es nicht einmal Fantasie

Ich muss gestehen, dass sich 3 Strophen beinahe fremd anfühlen

Ein großes Dankeschön an dich!


Hi sy,

naja, naja! Manchmal, wenn mir ein tolles Gedicht gelingt und den Lesern Freude macht und sie berührt, schwebe ich schon - zumindest kurzzeitig - etwas über den Dingen

Ich danke dir für die Eilandblumen!


Grüße,
Laie
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Alt 16.02.2018, 13:56   #6
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi Laie!

Fremd? Naja, ist bloß Gewöhnungssache, wenn du mich fragst. Ich habe in den ersten Jahren meiner "lyrischen Wiedergeburt" (ca. 2005) viele Formen ausprobiert, ohne fachlich auch nur irgendwie belesen gewesen zu sein!

Oft verwendet habe ich, abgesehen vom klassischen Vierzeiler, diese Schemata: ABACBC, AABCCB, ABCCBA, ABC(D)ABC(D)

Und immerhin hat mich dein Morgen- gleich zu einem Abendgedicht inspiriert, sozusagen als Gegengewicht ...

Vielen Dank dafür!

LG, eKy
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Alt 17.02.2018, 22:39   #7
Laie
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Hi eKy,

ICH bin dankbar, dass ich dir zur Inspiration gereiche!

Mein Lieblingsschema ist eindeutig ABAAB. Aber ich sollte mal versuchen eine deiner aufgeführten Strophenformen zu verwenden. Die machen mich neugierig

Fachwissen habe ich ungefähr gar keines. Ich kann nur Silben zählen und auf die Betonung achten

Gruß,
Laie
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Alt 18.02.2018, 10:32   #8
Erich Kykal
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Hi Laie!

Offensichtlich reicht dein Fachwissen, um keine lyrischen Schnitzer zu begehen, und das ist allemal genug!
Ich weiß bis heute keinen Daktylus von einem Jambus oder Anapäst (was für ein Wort! - Klingt wie Analpest! ) zu unterscheiden, obwohl ich diese Formen anwende. Die Fachtermini dazu haben mich aber nie interessiert, die brauchen nur solche, die sich mit damit gespicktem Gelaber wichtig machen und als kompetent hinstellen wollen, obwohl ihre Gedichte oft genug schauderhaft klingen, weil ihnen trotz Fachwissens bis ins letzte Detail einfach das lyrische Feingefühl für flüssige Sprachhabung fehlt!

Es ist die Durchdringung der Sprache, die uns zu Dichtern macht, nicht die Fachbegriffe und die exakte Beschreibung der Grammatik! Die pharisäerhafte Erbsenzählerei überlasse ich gern den Berufenen, ich "x"e einen Text nur, um metrische Ungleichgewichte aufzuzeigen, sofern vorhanden.
Ansonsten braucht man nur auf Auftakt und regelmäßige Abfolge des gewählten Kadenzen-, Hebungs- und Reimschemas zu achten.

Und das macht du unheimlich gut!

LG, eKy
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Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.
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Alt 18.02.2018, 12:03   #9
Laie
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Daktylus war ein Flugsaurier, Jambus Dumblebore ein großartiger Zauberer und Analpest ist sicher ziemlich ungesund.

Ich finde es auch manchmal leicht seltsam, wenn in Kommentaren Gedichte bis auf die letzte Feinheit hin analysiert werden. Ich achte auf die Punkte, die du nennst. Ansonsten muss es mir einfach gefallen, mich bewegen und berühren. Und das ist doch eigentlich die Hauptsache bei jeder Art von Kunst.

Die Blume kann ich tausendfach zurückgeben! (nicht ganz tausend, ich weiß)

Gruß,
Laie
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