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Alt 12.09.2018, 18:44   #1
ginTon
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Standard Du und Ich

Kapitel I. Du

Du, vor einigen Jahren mit Regen in deinen Haaren. Du wimpertest in die Kerze hinein, die verschwamm. Du in einer Hand die Vergangenheit, die andere weit ausgestreckt. Es hieß wohl Gegenwart. Das Kartendeck liegt inmitten des mit Staub benebelten Tisches, der schwelgt im Stillleben, wie die Fische im Seerosenteich. Sie schwimmen auf eine Sonne zu, mehr kannst du über diesen Zeitpunkt nicht sagen. Du rätst mir mich nicht zu verzetteln. Die Uhr kennt keine Zeiger und schon verschwindest du wieder in der Nacht. Die ist schwarz und schluckt alles was ihr in den Rachen kommt. Dinge, Menschen und Erinnerungen. Nur die Sterne leuchten. Du blickst wieder auf. Deine Pupillen kreisen um meinen Verstand. Haltlos, dass du so anfängst zu flattern. Im Regen bist du verschwunden und meine Gedanken folgen dir nach. Du fragst mich, ob ich dich will. Du liebst mich schon mit deinen vernebelten Augen. Du malst mich dir an deine Schenkel. Du siehst hübsch aus, wenn du an deinen Lippen. Du machst sie glänzend, sie glänzen jetzt nass. Libello lipstick, natürlich, so nass wie der Regen. Du schlägst die Augen auf, feucht. Du machst mich traurig, wenn du so über mich denkst. Du bist in Wolle gehüllt. Du schläfst. Du schläfst mich um den Verstand. Du wartest. Du wartest und schweigst. Du raubst. Du raubst mir den Atem. Du bist so geduldig. Das macht wohl der Herbst. Der Herbst ist vernebelt und kalt. Zigarettendunst Marlboro light. Man verbringt ihn am besten im Bett, dort fühlt man sich frei und am wohlsten. Die Decken über die Nase geschlagen und schläft. Das Blatt schläft. Du schläfst dich ruhig. Dein Herz schlägt tagsüber zu schnell. Du bist krank und dies schmerzt. Du hältst dich an der Wärme fest und füllst den Tag. Du füllst Vergessen an und weinst Erahnen in den Raum, so dass du lauschst. Ganz still bis du jetzt, muxxmäuschenstill und starrst kopfüber in den Hörer, an die Wand. Die Decke ist weiß, viel zu weiß und du schreibst wieder neu. Ein paar Zeilen, die mich erreichen. Aus Neugierde weiß schon mein Herz, klopft voraus. Dein Schiff geht auf große Reise, gestreift, mit den Segeln im Wind in das Kino. Dort läuft ein Film, vermutlich Liebe 2.0. Der Frühling naht und seine Knospen zeichnen sich hart unter dem T-Shirt ab. Immer Frühling, immer tiefer atmen. Du ziehst die Luft ein als die Blume in slow motion ihre Lippen öffnet. Du staunst ihr nach und schaust auf den Boden. Dort saugt sie die Nährstoffe an und das Wasser. Es steigt ihr zu Kopf und sie wird bunt. Du trägst dein Haar jetzt offen. Es rauscht dir hinterher auf dem Fahrrad. Dein Blick geht leicht zurück, mein Läufer schlägt den Turm, Schach. Du interessierst dich für mich. Du fährst in den Sommer und dein Sommerkleid flattert. Du lachst.


Kapitel II. Ich

Ich schaue dir zu und lese aus deinen Augen den Kaffeesatz aus meiner Tasse. Ich lese, wie sich deine Mimik betrübt und es schmerzt. Ich weiß nicht was ich sagen soll und es wird still zu einem Licht in meiner Hand. Das ist der Geist der Gegenwart. Im Augenblick möchte ich nichts anderes denken. Ich trinke Wasser, kein Wein. Vielleicht aber auch nur heute. Ich grabe eine Träne mit der Fingerkuppe aus deinen Augen. Der Cajal verwischt darauf wie eine Ölschicht auf der Meeresoberfläche. Jetzt sieht es aus wie ein Nachtengel. Ich mache mir Sorgen. Der Tag hat rote Spuren in der Haut des Winters hinterlassen. Ich ziehe mir ein Fell über und denke an ein Eskimozelt. Die Innenseiten leuchten gelb und werden nass vom Feuer. Ich denke mich tiefer hinein in das Bild. Ich versuche mich zu erinnern und schreibe darauf wie auf der spiegelglatten Fläche eines Weihers. Dort entsteigt sie, die aus meinem Traum, in ein Nachtkleid gehüllt, durchsichtig natürlich. Sie erinnert mich an alte griechische Sagen, die ich schon als Junge eifrig las. Odysseus oder meine Irrfahrt, nur dass ich jetzt täglich in Delphi festhänge. Dort befrage ich sämtliche Orakel, das I Ging, die Tarot Karten, die Bambusstäbe, die Numerologie, eben alles von A bis Z. A nenne ich Anna und Z, die Zufriedenheit in meinem Herzen. Aber bisher lagen die Karten immer richtig. Ich las die Gefühle aus und das gut Ding gut Weile haben muss, dass alles eben seine Zeit braucht. Das es negative Kräfte gibt, die gegen mich arbeiten, denen ich aber durch kontinuierliches Handeln vorweg nehmen könnte und mein anfängliches Zögern somit durchaus richtig ist. Ich glaube dies alles, obwohl ich von Natur aus Wissenschaftler bin. Ich bin kein Sezierer, nein, eben jene die alles bis auf kleinste zerstückeln müssen. Ich bin da eher der stille Beobachter, der sich auf eine Wiese legt und das Treiben rundum den Wildblüten verfolgt oder im Wald leise auf Spurensuche geht. Ich möchte erhalten und nicht zerstören und weiß, dass alles so, wie es ist, richtig ist. Die wirklich großen Ideen erreichen einem doch sowieso im Traum oder kommen dir zugeflogen. Was nutzt da das ganze Denken. Ich analysiere also Aktionspotentiale, auch wenn es nur die eigenen sind und wunder mich über Raum und Zeit, die scheinbar in sich zusammenfallen, wenn zwei Punkte in einem Raum koexistieren. Ich bin Verhaltensanalyst. Singularität könnte man dies nennen oder den Strudel in dem sie mich versetzt, wenn sie sich berührt. Ich spüre sie.


Kapitel III. Du und Ich

Du hast ein Lächeln und ich lächle dir nach. In einem Stück erzählt, die Kirschen unter einem Kirschenbaum, die man zu pflücken hat beziehungsweise eine Pflaume, süß und saftig, so als wäre Erntezeit. Die Bäume wandeln langsam ihr Erscheinungsbild, die Blätter werden rot. An hohen Fenstern könnte man die Sterne pflücken. W, Kassiopeia, wie: wo bist du. Du bist ein Hauch, der durch die Nacht und ich, der flatterhafte Geist. Nein, du hast dich versteckt und ich mich gewundert. Ich sehe dir nach und du scheinst vom Mond beschienen in die Nacht hinaus. Der Mond wandert jetzt weiter. Er greift nach dir unter der Bettdecke. Deine Sehnsucht leuchtet ihn aus, mit jedem Millimeter Haut mehr Anziehung. Deine Hügel glänzen da wie angekommen. Manchmal sitze ich im Zug und schaue in die tiefe Nacht. Dort ist nicht viel zu sehen außer der Dunkelheit. Nur manchmal unterbricht ein kleiner Streifen Licht die nachdenkliche Stille. Du denkst an mich, ich weiß. Ich schreibe dann und warte bis mir wieder etwas einfällt. Vorher waren es nur Bruchstücke, heute kehre ich mich nach außen. Wahrscheinlich hörst du mir zu, so hoffe ich immer. Nichts ist wie es ist, versuche ich mir dann zu sagen. Nur das Innen, das ist echt. Ich schreibe dich also zwischen den Schenkeln, dort wo das Paradies ist, so würde ich es bezeichnen. Der Baum der Erkenntnis auf einem venusförmigen Hügel. Dort öffnen sich die Tore und du dringst weiter fort, in die unendlichen Weiten, in die.
Ich höre auf zu schreiben, du lauschst mir zu und führst meine Hand, egal, irgendwo hin. Ich glaube du magst es ganz zärtlich und nur manchmal brenne ich tiefer. Du kratzt dann nach und legst die Schenkel heiß. Ich brenne für dich, scheinst du dann zu sagen und ich glühe. Ich muss schneller schreiben, mehr schreiben, über das Meer, welches überschwappt. Es ist nicht einfach über seine Gefühle zu schreiben, denke ich dann. Darüber zu reden scheint fast unmöglich. Aber du, aber du, machst es mir ganz einfach. Whale watching in den tiefen Tiefen und das Ganze auf Satzbausteine reduziert. Man hofft immer den größten Fisch zu fangen. Du bist so einzigartig, ich ich ..... ....
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© Bilder by ginton

Gin a body meet a body, comin’ through the rye (Robert Burns)


nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt... (Wabi-Sabi)

Geändert von ginTon (13.09.2018 um 00:26 Uhr)
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