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Alt 21.05.2014, 19:28   #1
Weiße Wölfin
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Standard Traum wandeln

Traum wandeln

Wir näherten uns dem Dorf durch halbhohe Wiesen; man sah ihnen die Feuchtigkeit an, die bis über die Wurzeln der Gräser reichte. Dräuende Wolken verhängten den Himmel; einzelne blaue Sterne waren bereits gefallen und leuchteten aus grünsatten Wiesengrund.

Ich ging selbstverständlich neben ihr, denn das Schicksal hatte uns für diesen Weg zusammengewürfelt. Da wird nicht gefragt nach Sieg oder Niederlage, nach Wollen oder Nicht - es ist einfach.

Einige Steinwürfe weiter entfernt da war der große Fluß, der diese Gegend seit Anbeginn prägte. Das wußten wir nicht, wir waren in einem Traum unterwegs und kamen das erste Mal ans Ufer dieser Zeit.

Ich roch die Fischernetze, die immer noch aufgehängt wurden zum Trocknen zwischen den Bäumen. Bilder von algenbehängten Kähnen zogen durch meinen Sinn und ein Rhythmus der vom sanften Wellenschlag des ewig-gleichen geprägt war und nach Fisch, Feuer, Pflicht, Moosgrün und Frieden roch.

Wir waren auf der Suche nach einem Nachlager nur für heute.
Hatte sie mit einem der Hüttenbesitzer verhandelt? Hatte das Schicksal es für uns vorherbestellt? Hatten die dräuenden Wolken es uns geflüstert ?
Unser Innerstes hatte jedenfalls den Schlüssel zu einem der Holzhäuser und wir gingen ohne zu fragen hinein und teilten uns ein Bett für die Nacht.

Neben ihr zu liegen hatte ich mir nicht gewünscht. Sie war von einem anderen Stamm und die Zeichen in ihren Augen stiessen mich zurück.

Ich konnte mich nicht sehen in diesen Augen, mich nicht und ihre Träume nicht. Ich konnte die Pferde nicht sehen, die fraglos dort wohnen mußten und auch nicht das kleine Mädchen. Ich konnte keine Melodie erkennen und keinen Rhythmus. Ich sah nur Hände, die mich wegschubsten.

Dem gehorchend, was mich in diesen Traum gebracht hatte, legte ich mich hin und versuchte zu schlafen. Dort zu schlafen, wo ich in einem Traum unterwegs war - wie kann dies möglich sein?
Doch diese Frage stellte ich mir nicht. Ich würde sie auf meine Schuhsohlen schreiben und dem Priester mitbringen, sollte ich ihn auf einer meiner Wanderungen jemals wiedertreffen. Dem Mann, der die Sonne zwischen den Augenbrauen trug und sie nicht mehr verbergen mußte.

Einige Minuten mochten vergangen sein, als wir ein Geräusch hörten. Wir setzten uns auf, sahen hinaus in das Dunkel, das nur von einer schmalen Sichel erhellt wurde.

Als meine Pupillen sich langsam gewöhnt hatte, sah ich vor der Schwärze der Nacht ein noch dunkleres Schwarz mit einem mächtigen Geweih. Zuerst dachte ich, es sei ein Hirsch. Denn ihn hätte ich hier nicht vermutet - diese Auen lagen doch viel zu weit südlich. Dennoch war er es und das tröstete mich in dieser Fremde.

Er stand am Rand des hüfthohen Holzzaunes und schabte mit seinen mächtigen Schaufeln dort entlang; die Absicht schien friedlich.
Und auch die Wölfe, die nun erschienen, waren friedlich und liefen leichten Fußes neben dem Elch, ohne ihn zu berühren oder anzugreifen.

Geändert von Weiße Wölfin (21.05.2014 um 21:04 Uhr)
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Alt 21.05.2014, 19:54   #2
Chavali
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Beiträge: 12.698
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Hallo volleer,

mit großem Interesse las ich deine Geschichte.
Obwohl ich sie noch ein paar Mal lesen werde, drängt es mich, schon einen ersten Kommentar zu hinterlassen.

Du beschreibst einen Traum, der zum Teil albtraumhafte Sequenzen aufweist, aber auch ruhige,
tröstliche Szenen hat.

Die Frage ist: Was will der Traum sagen, was bedeutet er?
Vielleicht, dass man das Leben so nehmen muss, wie es kommt und wie es ist?
Dass man eher machtlos ist, wenn Dinge passieren, die man nicht ändern kann...?

Ich denke noch darüber nach. Vielleicht komme ich morgen zu einer anderen Schlussfolgerung.


Noch eines: Die Schriftfarbe ist zum Lesen für längere Texte denkbar ungünstig.
Zu blass, zu dünn, nicht gut lesbar.
Vielleicht kannst du sie ändern?


Gern gelesen und über den Traum, den du mit zum Teil sehr poetischen Worten beschrieben hast,
nachgedacht.

LG Chavali
__________________
.
© auf alle meine Texte
Du bist nicht mehr da, wo Du warst,
aber Du bist überall, wo ich bin.


*
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Alt 21.05.2014, 20:41   #3
Falderwald
Lyrische Emotion
 
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Beiträge: 9.626
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Hallo volleer,

ich denke eher, dass es sich hier um eine surreale Geschichte handelt.
Allerdings finde ich sie z. T. sehr lyrisch. Interessant ist sie auch, lässt sie doch an diesem Traum teilhaben.
Träume haben es nun mal an sich, dass sie sich oftmals jeder möglichen Deutung entziehen.
Es sind Bilder, die sich manchmal in einer Handlung aneinanderreihen, eigentlich keinen direkten Zusammenhang besitzen und doch ein Ganzes ergeben.
Dieses setzt sich zusammen aus sogenannten Traumsequenzen.

Die Geschichte lässt sich gut lesen, wird nie langweilig und macht neugierig, wie es weiter geht.
In ihr Ende interpretiere ich einen Wunsch nach Frieden und Paradies, dort wo Wölfe und Schafe, hier ein Elch, friedlich zusammen leben.
Und darüberhinaus auch wohl Toleranz gegenüber der Fremdartigkeit von anderen Menschen.

Ich schließe mich Chavalis Kritik bezüglich der Schriftfarbe an und habe mir den Text direkt in mein Editorfeld kopiert.
Dabei habe ich direkt ein paar kleine Fehlerchen, die sich eingeschlichen haben, korrigiert.


Gerne gelesen und kommentiert...


Liebe Grüße

Bis bald

Falderwald





Zitat:
Zitat von volleer
Traum wandeln

Wir näherten uns dem Dorf durch halbhohe Wiesen; man sah ihnen die Feuchtigkeit an, die bis über die Wurzeln der Gräser reichte. Dräuende Wolken verhängten den Himmel; einzelne blaue Sterne waren bereits gefallen und leuchteten aus grünsatten Wiesengrund. (grünsattem ?)

Ich ging selbstverständlich neben ihr, denn das Schicksal hatte uns für diesen Weg zusammengewürfelt. Da wird nicht gefragt nach Sieg oder Niederlage, nach Wollen oder Nicht - es ist einfach.

Einige Steinwürfe weiter entfernt [da] war der große Fluß, der diese Gegend seit Anbeginn prägte. Das wußten wir nicht, wir waren in einem Traum unterwegs und kamen das erste Mal ans Ufer dieser Zeit. (Kein "da")

Ich roch die Fischernetze, die immer noch aufgehängt wurden zum Trocknen zwischen den Bäumen. Bilder von algenbehängten Kähnen zogen durch meinen Sinn und ein Rhythmus der vom sanften Wellenschlag des ewig-gleichen geprägt war und nach Fisch, Feuer, Pflicht, Moosgrün und Frieden roch.

Wir waren auf der Suche nach einem Nachtlager nur für heute.
Hatte sie mit einem der Hüttenbesitzer verhandelt? Hatte das Schicksal es für uns vorherbestellt? Hatten die dräuenden Wolken es uns geflüstert ?
Unser Innerstes hatte jedenfalls den Schlüssel zu einem der Holzhäuser und wir gingen ohne zu fragen hinein und teilten uns ein Bett für die Nacht. ("t" einfügen)

Neben ihr zu liegen, hatte ich mir nicht gewünscht. Sie war von einem anderen Stamm und die Zeichen in ihren Augen stiessen mich zurück. (Komma)

Ich konnte mich nicht sehen in diesen Augen, mich nicht und ihre Träume nicht. Ich konnte die Pferde nicht sehen, die fraglos dort wohnen mußten und auch nicht das kleine Mädchen. Ich konnte keine Melodie erkennen und keinen Rhythmus. Ich sah nur Hände, die mich wegschubsten.

Dem gehorchend, was mich in diesen Traum gebracht hatte, legte ich mich hin und versuchte zu schlafen. Dort zu schlafen, wo ich in einem Traum unterwegs war - wie kann dies möglich sein?
Doch diese Frage stellte ich mir nicht. Ich würde sie auf meine Schuhsohlen schreiben und dem Priester mitbringen, sollte ich ihn auf einer meiner Wanderungen jemals wiedertreffen, dem Mann, der die Sonne zwischen den Augenbrauen trug und sie nicht mehr verbergen mußte. (Komma, klein weiter)

Einige Minuten mochten vergangen sein, als wir ein Geräusch hörten. Wir setzten uns auf, sahen hinaus in das Dunkel, das nur von einer schmalen Sichel erhellt wurde.

Als meine Pupillen sich langsam gewöhnt hatten, sah ich vor der Schwärze der Nacht ein noch dunkleres Schwarz mit einem mächtigen Geweih. Zuerst dachte ich, es sei ein Hirsch. Denn ihn hätte ich hier nicht vermutet - diese Auen lagen doch viel zu weit südlich. Dennoch war er es und das tröstete mich in dieser Fremde. ("n" einfügen)

Er stand am Rand des hüfthohen Holzzaunes und schabte mit seinen mächtigen Schaufeln dort entlang; die Absicht schien friedlich.
Und auch die Wölfe, die nun erschienen, waren friedlich und liefen leichten Fußes neben dem Elch, ohne ihn zu berühren oder anzugreifen.
__________________


Oh, dass ich große Laster säh', Verbrechen, blutig kolossal, nur diese satte Tugend nicht und zahlungsfähige Moral. (Heinrich Heine)


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