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Liebesträume Liebe und Romantik

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Alt 20.02.2017, 10:53   #1
vedena
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Dein Atem umarmt mich, als wärst du noch hier,
noch haftet dein Lächeln am Frühstücksgeschirr.
Am Stuhlkissen ruht noch ein zärtliches Wort,
noch zog mir die Zeit diese Stunde nicht fort.

Ein fröhliches Zwinkern durchflattert den Raum,
so unsagbar leicht, wie ein flüchtiger Traum.
Die Luft ahnt noch immer den Duft deiner Haut,
noch ist mir die Stille mehr fremd als vertraut.

Allmählich verhallen die Küsse im Flur,
verscheucht durch das stetige Ticken der Uhr.
Die Nacht schleicht sich leise ins Herz und ins Zimmer,
ich schließe die Augen und seh dich – für immer.

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Mein Buch "Leitersprossen"

ISBN-10: 3853060501
ISBN-13: 978-3853060506 - oder per PN !

Geändert von vedena (21.02.2017 um 10:23 Uhr)
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Alt 20.02.2017, 14:45   #2
Thomas
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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Beiträge: 2.502
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Liebe veneda,

dein traurig-schönes Gedicht einer Trennung finde ich sehr schön. Zwei Kleinigkeiten möchte ich anmerken.

In der Schlusszeile könnte man vielleicht einfach sagen: "ich schließe die Augen und seh dich noch immer." Rein klanglich finde ich das "o" zwischen den beiden "i" schöner als das spitze "ü" und auch inhaltlich empfinde ich es passender zur beschreibenden Art des Gedichtes.

Und zweitens (aber das ist wirklich Geschmackssache) empfinde ich manchmal kurze und lange Vokale fast wie zwei unterschiedliche Vokale und die Reime unschön. Ich meine "hier" und "Geschirr" in den Anfangszeilen. Man könnte es z.B. leicht beseitigen, wenn man statt "dein Lächeln" sagte "ein Lächeln von dir" Also etwas wie: "noch haftet am Spiegel ein Lächeln von dir." Wie gesagt, beides Kleinigkeiten.

Liebe Grüße
Thomas
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© Ralf Schauerhammer

Alles, was der Dichter uns geben kann, ist seine Individualität. Diese seine Individualität so sehr als möglich zu veredeln, ist sein erstes und wichtigstes Geschäft. Friedrich Schiller
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Alt 20.02.2017, 16:28   #3
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Hi Vedena!

Ein wunderschönes, höchst gelungenes Werk, dessen Lektüre keinen Moment langatmig wird. Tolle neue Bilder wie das am Frühstücksgeschirr klebende Lächeln erheben deine Zeilen über jeden lyrischen Durchschnitt.

Wenn man überhaupt etwas Kritisches dazu finden wollte, dann vielleicht die merkbare Diskrepanz zwischen der hochakzelerierten lyrischen Sprachfindung und dem simplen Paarreimschema, das der ganzen Struktur doch ein wenig den Charme eines kindlichen Auszählreimes aufdrängen möchte.
Aber vielleicht empfinde nur ich das so ...

Den Apostroph auf "seh" in der letzten Zeile halte ich für überflüssig - derlei Verkürzungen sind längst normaler Sprachgebrauch.

Sehr gern gelesen!

LG, eKy
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
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Alt 21.02.2017, 10:21   #4
vedena
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Hallo Thomas,

ich danke für deinen Kommentar und die Hinweise. Darf ich kurz darauf eingehen: deine Bedenken bezügl. der Schlusszeile sind berechtigt, ich wollte allerdings dass beim Lesen eine kleine Pause entsteht.

Bei deinem Hinweis betreffend Vokallänge bei "hier" und "Geschirr" musste ich fast schmunzeln. Du hast natürlich völlig recht. Da ich ein Ösi bin, ist es mir nicht aufgefallen, weil bei uns bei beide Vokale lang gesprochen werden.

Lieber Erich,

vielen Dank für deinen Beitrag. Ich freu mich dass dir mein Text gefällt, weil ich viel Zeit investiert habe, damit er "reifen" kann.
Ja, der Paarreim lässt das Gedicht etwas "kindlich" wirken, aber irgendwie war es meine Absicht. Ein wenig ist das LyrIch ja trotzig, weil es die geliebte Person nur selten sehen kann.
"seh'" - wird ausgebessert. Es stört mich ohnehin auch.


Ich habe mich sehr über @euren Besuch gefreut, zumal ich lange nicht hier war und kaum Zeit zum Kommentieren hatte. Schön, dass ihr mich nicht vergessen habt.

Beste Grüße
Eva
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Alt 21.02.2017, 10:50   #5
Kokochanel
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Guten Morgen, Veneda,

es ist schon alles gesagt worden und ich schließe mich gerne an. Schöne Bilder und eine sehnsuchtsvolle Situation, die wohl jeder schin einmal erlebt hat.
LG von Koko
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Alt 21.02.2017, 18:06   #6
Dana
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Liebe vedena,

das Werk ist so wunderschön, dass man jegliche "Betroffenheit" fast vergisst.
Man genießt das, was gewesen ist mit lyrischem Nachempfinden.
Irgendwie erspüre ich darin auch weniger eine Traurigkeit des lyr. Ich. Viel mehr die Bewahrung der schönen Momente, der Rituale.
Gefällt mir sehr.

Liebe Grüße
Dana
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Ich kann meine Träume nicht fristlos entlassen,
ich schulde ihnen noch mein Leben.
(Frederike Frei)
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Alt 22.02.2017, 18:42   #7
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heimkehrerin
 
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Was für ein rundum gelungenes Abschiedsschmerzanbahnungsgedicht, liebe vedena!

Da klingt noch alles so beschwingt, wie es - von den Flügeln der Liebe - vor Kurzem noch war und die Verdrängung einer Trennung ist noch in vollem Gange. Die Spuren sind noch da und der Schmerz steht erst auf der Türschwelle.

So jedenfalls liest sich für mich dein beinahe heiter beschwingt anmutendes Gedicht und entspricht so in gelesener Form dem "dein Duft hängt noch in allen Dingen hier" - und das mag ich. Man ahnt allerdings, dass die Wucht des Verlustes erst noch kommt.

Der "Moment davor" ist mir aber zehnmal lieber und viel spannender!

Sehr gerne gelesen!

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Alt 22.02.2017, 20:39   #8
Thomas
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Liebe veneda,

das ist das bei euch Ösis ja noch harmlos im Vergleich zu den Bayern, die sprechen die kurzen Vokale lang und die langen kurz. Wenn die sagen "Im Sand Rosen..", oder anders geschrieben "Im san d' Rosen..", dann meinen die "Ihm gehören (sind) die Pferde (Rosse)". Also Langes "i" wird kurz gesprochen und kurzes "o" lang.

Liebe Grüße
Thomas
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Alt 24.02.2017, 10:24   #9
juli
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Liebe vedena,

Schön wieder etwas von dir zu Lesen!

Und dann auch noch so ein Liebeswehgedicht. Wunderschön.

Ich sehe hier eine Beziehung, die davon lebt, sich zeitweise zu haben und zeitweise muß jeder für sich alleine sein. Es könnte eine „Seefahrerehe“ sein. Jedoch ist es auch möglich in einer Beziehung miteinander alleine zu sein und sich zeitweise haben.

Das tröstende beschreibst du mit den Worten:

Die Nacht schleicht sich leise ins Herz und ins Zimmer,
ich schließe die Augen und seh dich – für immer. sehr gelungen

Besonders toll finde noch noch dieses Bild:

noch haftet dein Lächeln am Frühstücksgeschirr. ( wegen dem Geschirr. Es ist so Alltäglich und deswegen auch immer da) Das harte „ irr “ auf hier spreche ich hart, aber das macht es besonders.

Liebe Grüße sy

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Alt 24.02.2017, 13:23   #10
vedena
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Beiträge: 148
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Oh, so viele Antworten. Wie ich mich freu.

@Kokochanel,

vielen lieben Dank!

@Dana,

gut, dass du die "Betroffenheit" vergessen kannst. Es soll ja, wie du schon erwähnt hast, eher die "Spur" beschreiben, die ein Mensch in der Erinnerung hinterlässt. Eine Weile kann man sich dann an diesen Spuren erfreuen. Du hast mich wieder einmal verstanden

@fee_reloaded,

Der "Moment davor" ist mir aber zehnmal lieber und viel spannender!


.. so ist es. Ich hatte zwar eher eine zeitlich begrenzte Trennung im Sinn, daher wirkt der Text ev. beschwingter als ein Abschiedsgedicht. Aber so sollte es ja auch beim Leser ankommen.

@Thomas,

danke! Ja, die Bayern, die san wirklich auch a Wahnsinn. Aber ich mag die Lautfärbung und die Aussprache sehr gern - auch wenn es für uns manchmal recht "resch" rüberkommt.

@syranie,

Ich sehe hier eine Beziehung, die davon lebt, sich zeitweise zu haben und zeitweise muß jeder für sich alleine sein.

.. exakt vorgestellt. So etwas hatte ich im Sinn. Und danke, dass du mir den Hopser mit dem Geschirr/hier verzeihst. Es musste einfach sein, denn dieses Bild ist als erstes zu mir gekommen - ich habe den Text quasi drumherum erdacht.

Vielen Dank für eure zahlreichen Kommentare. Ich bin wirklich froh, wieder etwas mehr Zeit für das Forum (mein einziges) zu haben.

Beste Grüße und ein schönes Wochenende
eVa
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