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Alt 11.07.2012, 16:28   #1
ginTon
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Standard kurz & schmerzlos [Kurzverse, KG's]



Über|Flutung

zwei karten eintritt [plus vor spann/ung] dazu ein filmpaket
mit unbekanntem namen:


Wen interessieren die bunten Streifen und Silhouetten die sich auf weicher Leinwand
abfärben, wenn dort nebenan ein viel schönerer Film läuft. Pure Absicht, zwei Knöpfe
und dazu das Lächeln, spitzbübisch, weiß sie doch schon längst, dass ich zappel.
Willenlos. Sie ist vollkommen und die leichten |Auf- und Ab schlägt auch ihr Herz|
Bewegungen erwidern leise sich am Hemdkragen, wo das Zittern mich nun endlich-er
reicht und in Zeitlupe den Rücken entlangläuft um sich am unteren .. |ein Bein brennt
und in Flammen stehend| .. manifestiert oder berührt sie mich und ganz nah mir wird.
Ich habe nur noch Augen für sie und bemerke, dass sie ihre Lippen befeuchtet.
Leicht dreht sie sich zu mir. Schaust du überhaupt den Film fragend. Ich auch nicht.

die explosion flutet orange in ihre haut. ihr narren schaut
immer nur nach vorn. ich habe eine glücksexplosion.
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Nicht im Schreiben liegt die Schwierigkeit, sondern darin, so zu leben, dass das zu Schreibende ganz natürlich entsteht (Jaccottet)

Geändert von ginTon (11.07.2012 um 18:25 Uhr)
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Alt 11.07.2012, 18:29   #2
ginTon
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Das Haus am Meer

die Spuren welche du gezogen -Jakobus- sind tief in dieser Muschel
eingraviert die nur zum Schutz ihr wertvolles Innen nicht preisgibt


so renne ich mit dir den Sonnenuntergang entgegen wie zwei Pilger auf einer Reise
zu uns selbst gehen wir Hand in Hand immer dem Meere ganz nah das Wasser spielt
um deine Haut bläst Schaum den du verzückend auf und an dir abrollen lässt nur um
mir im Fangen dein Lachen zu zuwerfen
wer bin ich ohne dich nur eine Hälfte Muschel mit tiefen Rillen Furchen überall
wir wollen jetzt den Sonnenuntergang bestaunen das Licht empfangen formen
bis zur Perle / Stern

ein Sommer nur ein Haus am Meer ein ich/du & ein wir haben uns.
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Nicht im Schreiben liegt die Schwierigkeit, sondern darin, so zu leben, dass das zu Schreibende ganz natürlich entsteht (Jaccottet)
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Alt 11.07.2012, 18:44   #3
ginTon
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Eiszeit

Wenn man -wie ich- ernsthaft darüber nachdenkt: Dinge, Lächerlichkeiten,
so sind mir die Socken in Blümchenmuster immer die liebsten gewesen.

.................................................. .........Kälte ist und Wärme war, ja.

Die Sonne hängt im Zenit als wollte eine neue Eiszeit sagen. -Du hast dich
wirklich in deiner Umlaufbahn geirrt...kreiselst wieder schräg der Erde,
um dann 180° rundum zu drehen!
In watteweichen Wolken versunken, die sich grell am Anthropogen stoßen.

Veränderlich ist der See, schwebt tief gesunken in der Ruhelage. Die Eis-
zeit überdauern, ungeschützt mit kalten Füßen, das Sonnenlicht filtrieren &

.................................................. ...................................einatmen.

Ich bekomme keine Luft mehr:
Warum hältst du mich nicht? Warum
zeigst du mir Zähne? Haben sie etwa Kälteblasen geschlagen:.._so wie ich
der fröstelnd vor dir steht. Wann kommst du mich wärmen? -

An kalter Schulter:
Blitze schlagen ein, treffen mich, bis meine Ober-
fläche taut. Komm, lass es regnen! Dann zeige ich dir meinen warmen
Nieder-
schlag..........Bis auf den Grund hinaus!.........Bis wir wieder stehen können!
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Alt 11.07.2012, 18:45   #4
ginTon
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Wilderraum

Es war der gelbe Zettel schwarz voll Kreide...-Worte, Phrasen und ein Lachen-
dann schmoll nicht mehr, der Raum birgt wahre Wunder.


An der Tonleiter, Partitur in Wellen des Gleichklangs. Tick Tack die Zeit läuft. Und legt
sich zum Zettel, wohlgeformt das Bild von Visionen einer Zukunft, herausgetreten aus
dem Skelett, um neu zu entstehen / neu zu verstehen, dass es keinen Sauerstoffmangel
bedarf, um meinen Atem anzuhalten. Kleine Funkellichter brechen mein Auge, wabern an
den Armen zum Fluss der über seine Ufer tritt. Ich will mir nicht weh tun, nein.
Autoagressiv, vielleicht.

Die Stille herrscht vor, tief im Om pflücken wir violett die Orchideen, wild an meinem
Rücken zerkratzt. Im Zeichen der Lilie, Raum geschaffen. Für uns ein kleines Universum,
dabei sind Träume groß, wie sollten diese dort hineinpassen. Groß wie meine Hoffnung,
die sich an dem Staub festhält. Wirbelt sich und dreht um die eigene Masse, zu einer An-
ziehung geformt.
Gib mir deine Hand, ich male Fingernägel bunt und strecke sie für dich aus. Wie weit muss
ich gehen, damit die zeigende Spitze deine Lippen berührt.

Sind wir zwei oder in einem. Schmoll nicht mehr, der Raum birgt wahre Wunder.
__________________
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Alt 11.07.2012, 18:47   #5
ginTon
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Die vier Ansichten eines sprechenden Fisches

Nach Japan wollte ich schon immer:
„Bist du wach?“ aufgewacht aus einem Leben, dass dich hierher führte. Fugu, nennen die Einheimischen das Gericht- Sashimi. Das Messer blitzt der Kostprobe entgegen, welche sich taub auf deine Zunge legt und ein Teil sagt .„Lass uns nie wieder hierher kommen“, sprachlos wie weit es uns getrieben hat, Schweigen:



1.) "3 Haie? Das macht 4800 Zähne!" und ein Hund dagegen?

Der Wald, die Wiese, das Atmen, die Luft. Wir zählen die Blüten, das Grün. Im Sommer ist alles leicht. Genießerisch in den Finger gebissen, und der Stall voller Kot. Ja, das ist ein Rammler Dasein und immer musste ich das Futter holen, dabei wollte ich:

Schwimmen, Schwimmen, einfach schwimmen, durch das Blau des Himmels hinab in die Tiefe. Es rufen die Felder, Kaninchenbauten, das Wasser.

>Nein, Schwimmen das darfst du heute noch nicht, geschweige denn tauchen< hörte ich Worte. Der Druck ist nicht gut für dich. Alles ist Druck, im Weiß der Wände.

Die Hitze des Sommers und wie er mir in die Hand beißt. Ein Wolf mit grünen Augen zurrt/zerrt. Er leckt meine Hand. >Pass auf< den kleinen Kläffer von nebenan haben wir nie gemocht. Wir sind doch ein Team, oder etwa nicht? Barfuß auf spitzen Steinchen verteilt >Au< und immer musst du zerren.

Tut ihm nicht weh. Er ist ein lieber Hund. Er wollte nur schützen. "Sieh mal, sie sind alle am träumen. Wir müssen ihnen nur Namen geben."


2.) Das Abbild eines Pfeilgiftfrosches


Es gibt zwei Seiten einer Katastrophe, erwärmt dringt sie als giftiges Öl eines 7.0 Liter Chevy‘s in dein Bewusstsein. In reiner Natursache, einmal um den Erdball herum, fällt dir das Atmen schwerer.

Der Regenwald, der Regenwald.

Ich liege im Sterben. Getroffen jagt der Puls sich in den Schädel. Pfeilschnell das Gift des Frosches und bange Minuten wandeln übererregt:

Kein Sonnen. Tau am Morgen [zerbrachen wir im Fieber. Klee den wir pflückten.]?
Zuallerletzt zerschmolz der Schnee.
Wir stahlen Bären. Trauben hingen und tropften Blut, dort wo es fiel war nur ein Schlüssel. Blumen weiß, zuallerletzt vom Rot rose`.
Kein Flügel. Schlag der Uhr, im Sturm vergingen wir auf hoher See. Adler starben,
Anemonen, zuallerletzt zerschmolz der Schnee.
Wir webten Wolken. Rauch verdeckt, es tropfte Blut, dort wo es fiel war nur ein Nebel. Parder schwarz,
zuallerletzt ein Rot wie Klee.


Die kleinen Schweißperlen in der offenen Sonne fingen an zu glitzern, trübten Augen verkrampft dem Antidot entgegen. Und wie sieht deine Welt aus? Ohnmächtig: summe ich ein Lied, denn Hilfe kommt nur aus uns selber.


3.) Das Natrium Kalium Gleichgewicht

Im Krampf der Nerven, zucken Aktionspotenziale- Feuer. Das was dich trägt ist Stein, der hüpfend die Flüssigkeiten überlagert. Du bewegst dich vor / zurück und denkst an Gestern, sowie Morgen. Es treibt im Kreis, du zirkulierst und rechnest, denn alles was du triffst ist teils real und Widerschein.

Der tausendfachen Reizverstärkung, inmitten deines kleinen Universums: Arbeiten, lernen, arbeiten, lernen. Wem willst du etwas beweisen, dir? Ich wollte nicht mehr alleine sein, sagte ich.

Die Kanäle sind ein Tor zur Welt, digitalisiert [on off on off] so wird die Festplatte gebootet. Morgens um sieben Uhr aufgestanden und abends fast eingeschlafen. Ein Tag hat 24h im ewigen Delirium des Koffeinrausches.

Und wieder denke ich an Zeitvertreib der „Dinge die uns nicht beunruhigen“ tauche bis die Blockade einer Synapse, ein letztes Gewitter vergiftet. Natrium Kalium pumpt durch die Venen, stößt aneinander im Gleichgewicht, welches ich zu halten versuche. Diskutiere über Kurvenlagen und funktioniere wie ein Roboter. Erlahme und speichel einer neuen Haltung entgegen, in der sich die Welt, Raumzeit vermischen.


4.) Das Todesgedicht

Mein Geist hängt sich an Kirschbaumblüten, als Teil von mir durchdringt die Welt der Schmetterling, er fliegt dahin und setzt sich zu dir, dann erklingt ein Abendlied von tausend Stimmen. Sie singen meiner Blöße Fall und dann ein ganzes Leben.

Ich war einst jung, ganz so wie du. Ich schritt durch Wiesen, Blüten, Wald. Ich sah den Mond, ganz so wie du. Ich hielt am Froschteich lange wacht. Dann fiel ein Tropfen in mein Ohr und lauschte Wellenklang in dir. Die Sonne sah ich untergehen und dennoch bin ich hier:

Du siehst das Fleisch, denn das bist du, verletzt sind deine Innereien, ganz voller Gift, dass ich entferne. Du isst es, deine Zunge lähmt und dir wird kalt. Doch alles was zum Tode reicht. Erweckt sich neu:

als Kirschbaumblüten / fiel das Laub in deiner Welt / ich sprang hinterher /

...........................hinter den Garten / liegen zerstäubt die Grillen / Schalen in das Feld
...

...getragen. Sprachlos wie weit es sie getrieben hat, Schweigen:

„Bist du wach?“ aufgewacht aus einem Leben, dass dich hierher führte. Fugu, nennen die Einheimischen das Gericht- Sashimi. Das Messer blitzt, entfernt zunächst die Flossen, den Kopf und ich sehe in das pumpende Herz des Takifugu pardalis. ..Alles geht sehr schnell, viel zu schnell, die Haut wird entfernt und nur wenig bleibt von ihm übrig. Ein kleines Stück Fleisch, Filet gefühlter Taubheit. „Ach sie haben bestimmt nur eine midlife crises.“ Ja, wie es prickelt.
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Alt 11.07.2012, 18:48   #6
ginTon
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Eintausendundeine Frage an die Welt

Sandkörner kann man nicht zählen:

Ich hatte schon immer Geheimnisse, wohlbehütet lagen sie auf dem Grund meiner Seele, warteten darauf:
wie eine Kiste oder eine leicht schaukelnde Flasche in einem Fluss, die beim ersten Anblick ihren Betrachter
stark in ihren Bann zieht, geborgen zu werden.

Wir malen sie ab und mit einem Stock in das leicht zusammenstürzende Kiesbett eines Ausblickhügels, aber
dazu sind sie gedacht. Was ist schon geheim, wenn es nicht gleich wieder verschwinden kann? nur kurz an
der Oberfläche erscheint, um in die Tiefe zu fallen.

Vielleicht berührt es mich und taucht deswegen wieder hinab in diese rinnenden Sandmeere, in deren Trost-
losigkeit sich manchmal selbst ein Grashalm verirrt. Man kann diesen dann sehr leicht hinausziehen, keinen
Widerstand spüren, eine einfache Hingabe, als würde dem Halm das ziehen an sich Freude bereiten. Vielleicht
wächst er auch gerade wegen dieses Vorgangs auf diesem Kieshügel? Anders kann ich es mir leider nicht vor-
stellen. Wer begibt sich sonst in eine Wüste, wenn er nicht Zuflucht darin findet?


Ein Halm ist eben nur ein Halm:

Uns kitzelt die Sonne wach und wenn wir Glück haben, das Glück auch. Zweimal dachte ich an diesen Spruch,
Inbegriff meiner Neugierde, an die leider mein ganzes Dasein hängt, fragte:

Sag, ist es das Licht, welches dich sieht oder umgekehrt? und fand dazu eine plausible Antwort, wenn wir eben
alle Licht sind dann erübrigt sich die Suche. Es ist eben wie mit diesem Baum, still steht er da und wartet voller
Geduld auf den nächsten Tag.

So erledigt eben jeder seinen Beitrag, der Baum, um mir nicht antworten zu können und ich dem kein Mittel
einfällt dem Baum eine Frage zu stellen. Es fehlt eben der Konsens zur Kommunikation.

Ich versuchte es dann mit menschlicher Mimik, umarmte den Baum, um somit meinen Teil für ein freundliches
Miteinander zu schaffen, wenn ich alles verhältnismäßig denke, ist der Baum wie ich, erfasste seine Rinde
-sie war weich und glatt- doch über meine Haut drang seine Stimme wie kleine Sandkörner...


Was bringt dich durcheinander:


Du. Verträumte ich die Welt? dann singt sie in mir Lieder. Sind es deine Lieder? dann sind sie auch in mir.

Morgens wachte ich auf aus einem dunklen Zimmer, welches teilweise bunte Silhouhetten davontrug, bereitete
den Weg in das Labyrinth vor, deren Kern nur in mir selbst zu finden ist und keine Fragen übrigließ.

Sie erübrigten sich in all ihrer Ganzheit, um Abends als Puzzelteile zusammengefügt werden zu müssen. Ein ständiger
Strom neuer Informationen, deren Einzelbestandteile allein nicht viel Wert sind. Ein kleiner Stich deren Größe sich
meiner Aufmerksamkeit entzieht..

Als es anfing zu regnen wunderte ich mich noch über den Klang der Blätter, ihr wiegen störte mich nicht...


Doch du bist immer da:


in meiner inneren Wärme gelangte ich zu einem Haus, welches einer Baustelle glich. Ich fand dich in meinen Armen wieder...
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Alt 11.07.2012, 18:52   #7
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Reinigung

Dort ist es warm, in Fuselfluten, ein wenig Klarheit zersetzt mit dem Dreck von Ölgeschmiere. Abschaum der Welt,
verfangen in der Synthese nach mehr. Dennoch tanzende Ungeheuer und zerfließen.

In unserer Klarheit beraubt steuern wir dem letzten Strom entgegen. Verklebt sind die Flügel, stinkend gebrochen.
>Wo kommst du her, Moloch? Schreien wir aus den tiefen deiner Zunge die nach schwefligem Schwarz stinkt. <
Auf dass der Seelenfluss verliert. Die Kohle atmet und rotzt dich in dein Reich zurück. Leichen, überall nur Leichen,
die sich auf dem Himmelsweg befinden. Sie werden den Umhang bieten und krächzend untergehen.

Flieg, kleiner Vogel fliehe, krächze in die Dunkelheit. Ungeschützt, verbranntes Federkleid

brennt im Rausch wunderschön. Und du willst Natur sein, schwarz wie du bist? Abgestreift klebt nur ein Rest an mir,
ein Rest Verzweiflung, ein Rest. Dann Nackt.
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Alt 11.07.2012, 18:54   #8
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Zitronenfelder

Ich sah dich in den Zitronenfeldern, zerklüftet, vermoderte Erde bis auf die Haut:
Ein Schlag am Stalaktit, der sich Mulden gräbt und gelöste Nährstoffe ins taube Gestein drückt.
Starr vor Schreck flattert etwas davon. Gezähmt an allen Gliedern tropft es in die Augen, welche
weit aufgerissen das Unbekannte sintern. Tropf.

Die ersten Eindrücke eines Raumes blenden silberweiße Flicker, welche nur bruchstückhaft das
Tageslicht projizieren. Ich blinzele dem Zeitpunkt entgegen und fühle, wie kleine Wunden-
Stiche auf die Netzhaut kratzen. Es brennt ein wenig Tränen in meine Gesicht und das Flackern
flutet in einen Regen über, bunt wie kleine Glasperlen, bunt wie der Bogen, der Hell vom Dunkel
trennt. Dort hinter dem Feld. Licht.

Wo bin ich? -die Flüssigkeit sickert in meinen Arm, hinterlässt ein pochendes Herz und Druck
liegt auf dem Verband. Der Puls, an dem sich gelbe Spuren abmalen. Der Rand, im etwas bräun-
lich, erhellt sich zur Mitte, formt feine Schlieren, welche meine ganze Aufmerksamkeit einfordern.
Interessiert sehe ich kleine Schmetterlinge auf ihnen tanzen und sich bis zum Zentrum, der Sonne
entgegen wagen. -Das müsste sie doch eigentlich verbrennen?- jedoch scheinen sie eher im
Nichts zu verschwimmen, mit dieser zu verschmelzen. Noch im Wundern wird mir schlecht. Ich
erinnere mich an Leinen, Stoff durchtränkt mit Schmutz. Als die Schwester den Verband löst
kommt ein Plastikrohr zum Vorschein, zugespitzt, blass mit Flügeln einer Libelle. Ich stelle mir vor,
dass sie davon schwirrt, was sie nicht tut. Ich stelle mir vor, dass sie bleibt, was sie tut.

Was ist passiert? -keine Antwort. Nichts ist passiert, eifach gar nichts. Unterwegs und dann: Ein
tiefes Loch, in das ich fiel. Keine Angst, keinen Schmerz, keine Erinnerung. Bruchstücke, nicht ein-
mal das.

Schlaf weiter. In dunklen Flusen wandern Bilder. Beruhigend wirken diese im Zauber des Lächelns,
ein seichtes Tragen. Auf den Flügeln des Bussards fliegen die Wolken über den Bach mit runden
Steinen. Am Ufer- Gras und die Blumen im Wachsen. Gänseblumen, kleine Gänseblumen und
dazwischen ein Käfer am Halm. Es wird so schwer, das Auge schwer und wabert. Dunkel.

Grün auf den Feldern, nahe der Stadt. Es wächst und wir rennen mitten hindurch. Hand in Hand,
wie lachende Kinder im Spiel. Du, und zupfe dir dabei am Rock:
Ich sah dich in den Zitronenfeldern, es raschelte leicht. Ich kenne dich und kitzelst die Haut.
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Alt 11.07.2012, 18:55   #9
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In fremden Zimmern

Das Zimmer lag im Dunkeln. Wo einige aufflammende Windlichter leuchteten war die Tür ein Schritt in das Unbekannte. Grün meliert mit abgeplatzter Farbe, einem Knauf der abgegriffen die Wahrheit bark. Schrill, denn das Unsichtbare ängstigt. Einen Schritt zum Traum und er platzt in tausend kleine Regenbogensplitter.

Der Zweifel flackert Schatten an die Wände einer spiegelglatten Oberfläche und nur ein Schrei im Spiegel der dir sagt, dass es immer diese Tür geben wird. Alles ist grau in Schwarz, in fremden Wirklichkeiten. Spürst du nicht den äußeren Schein, bedrohlich auf dich einwirken.Traumwandlerisch gehst du, versuchst die Angst abzustreifen, bis der Spiegel sich selbst in dich verliebt, um dich als Blume auszuspucken.

Als ich die Tür öffnete, empfing mich ein weißer Umhang der Leere, welcher meine Tränen brach. Unbeschrieben, malte ich erste Wörter in das Nichts. Nein, kein Lippenbekenntnis, vom ersten Gefühl überwältigt.



Ich malte ein paar Blumen, irgendetwas was du gerne hast und summte ein Lied auf der wenigbefahrenen Straße. Sie staubte immer, lose wie ein ewig ausgetrockneter Teppich der im ständigen Fluss das sprechen nicht verlernte. Drei mal vier ist zwölf, dass ist in etwa Schrittgeschwindigkeit und trug mich immer weiter hinaus. An den Wäldern entlang, auf der Suche nach irgendwas.

Als ich an dir vorüberging, hast du geweint. Deine Tränen wuschen den Sand das er anfing zu glitzern, lachtest als du mich sahst und sagtest, siehst du Sterne sammelt man am Boden. Ich lachte zurück. -Wo willst du denn hin?- Zur alten Ruine. -Zur alten Ruine?- Zu unserem Tempel.-


Die Ruine birgt wahre Wunder. An der Tonleiter, Partitur in Wellen des Gleichklangs. Tick Tack die Zeit läuft. Und legt sich zum Zettel, wohlgeformt das Bild von Visionen einer Zukunft, herausgetreten aus dem Skelett, um neu zu entstehen / neu zu verstehen, dass es keinen Sauerstoffmangel bedarf, um meinen Atem anzuhalten. Kleine Funkellichter brechen mein Auge, wabern an den Armen zum Fluss der über seine Ufer tritt. Stille herrscht vor, tief im Om pflücken wir violett die Orchideen, wild an meinem Rücken.

Der Raum birgt wahre Wunder. Für uns ein kleines Universum, dabei sind Träume groß,
wie sollten diese dort hineinpassen. Groß wie meine Hoffnung, die sich an dem Staub festhält. Wirbelt sich und dreht um die eigene Masse, zu einer Anziehung geformt.
Gib mir deine Hand, ich male Fingernägel bunt und strecke sie für dich aus, damit die zeigende Spitze deine Lippen berührt.
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Alt 11.07.2012, 18:58   #10
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[Kurz & schmerzlos: gereimt]

Ich möchte den Brunnen heben
.....über den Schatten springen
irgendetwas singen:

la la la
.
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