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Alt 06.05.2018, 10:47   #1
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Standard Kulturgut aus Afghanistan

Ein Familienvater wurde an der persischen Grenze gefragt, womit er immigrieren wolle. Er antwortete: "Fünf Männer und dreizehn Stück Vieh."
Es stellte sich heraus: Er und seine vier Söhne, und das Vieh waren neun Ziegen, seine Frau und drei Töchter.
Der persische Zollbeamte trug das unkommentiert so in seine Unterlagen ein ...

Wahr oder erfunden? Wer weiß - aber vorstellbar erscheint es, bedenkt man die dortige Auffassung von Ehe oder den kulturellen Wert der Frau in diesen Ländern.
Ehen werden von Vätern ausgemacht, weder Sohn noch Tochter werden gefragt. Frauen werden zum Teil immer noch beschnitten und jungfräulich vernäht.

Dort darf nicht mal der Ehemann seine Frau zu Hause unverschleiert sehen, er nimmt sie bestenfalls mechanisch mal von hinten, ansonsten bleibt sie eingesperrt im Haus, wird nicht mal beim Namen genannt und verrichtet Sklavendienste, kann jederzeit verstoßen werden, um zu verhungern, oder man verstümmelt sie mit Säure, sie wird verprügelt und misshandelt wie ungehorsames Vieh.
Alles andere, gar echte Liebe und Respekt, gelten in dieser Kultur als unehrenhaft für den Mann, gäben Anlass zu Gerede über seine Männlichkeit!

Will der Mann von Welt dort mit etwas angeben, legt er sich einen wohldressierten Tanzknaben zu - ein kulturell dort anerkanntes, kaum verhohlenes Lustknabentum. Die betroffenen Kinder werden natürlich auch nicht gefragt, ob sie das wollen, werden gehandelt wie Ehefrauen, bloß dass ihre Jungfräulichkeit oder Nimbus für die männliche Ehre keinen interessieren.
Sobald sie Bartwuchs bekommen, werden sie einfach fallengelassen und ersetzt.

Das ist grob umrissen das, wozu eine starre Religiosität eine ganze Kultur pervertieren kann. Das Normale gilt als abartig, das Abartige wurde zum Statussymbol!

Was tut der so gerechtigkeitsbeflissene Westen? - Nichts. Es bringt wirtschaftlich nichts, und es bringt politisch nichts, weil zu wenige die afghanische Kultur wirklich kennen, und es ist zu weit weg.
Zudem würde sich die gesamte islamische Welt geschlossen gegen Intervention von außen richten, undifferenziert und von giftspeienden Mullahs aufgehetzt und ferngesteuert.
So sind die Menschen: Bei Druck von außen rücken sie näher zusammen und bekämpfen den "Feind", selbst wenn der es eigentlich gut meint, selbst wenn das, was sie verteidigen, falsch und böse ist, denn sie erkennen es nicht als solches.
Wie viele "dumme" Hitlerjungen mussten noch im Volkssturm draufgehen, verführt und indoktriniert von einer Politik und Weltsicht der Grausamkeit und Härte!?

Zudem: Sobald die Schlagworte "Kultur" und "Religion" fallen, schaut unser sonst so wortbeflissenes Gutmenschen lieber betreten zu Boden, als sich mal objektiv über den allgemeinen menschlichen Wert so einer Kultur/Religion Gedanken zu machen.
Da heißt es dann: Kultur und Glaube seinen per se zu respektieren, das gebiete das Toleranzprinzip und der Respekt vor Jahrhunderten der Tradition, durch die sich diese Menschen definieren.
Heißt das im Umkehrschluß, die Nazis hätten nur lang genug regieren müssen - sagen wir ein paar hundert Jahre - um weltweit den Respekt und die Toleranz solcher selbsternannten Weltphilosophen genießen zu dürfen!?

Was bleibt übrig? Vielleicht öffentlich Verachtung zu zeigen für so eine Kultur der Menschenverachtung und der Perversion.
Was kann man für die Unterdrückten und Benutzten dort tun? Bildung hinbringen - und ein Beispiel dafür, wie es anders funktioniert. Solche religiös induzierten Systeme können sich nur von innen heraus reformieren, und selbst das bleibt schwierig. Demonstrierende Frauen dort werden sofort als "Huren des Westens" beschimpft. So geht es, wenn der Koran, diese Unterwerfung und Kadavergehorsam predigende, geifernde Kampfschrift eines gnadenlosen Herrenmenschen und frauenverachtenden Mannes, das einzige Buch ist, das man lesen darf oder möchte ...

Aber ist diese Kultur wirklich nur der Religion anzulasten? Anderswo erscheint der Islam wesentlich offener und toleranter. Waren diese Gebiete nicht immer schon extrem patriarchalisch orientiert? Haben die Mächtigen, die Kalifen, Schahs, Warlords und Mullahs nicht wesentlich dazu beigetragen, dieses kranke und entmenschlichte Zerrbild zu erschaffen und zu bestärken, weil es ihren Interessen diente, ein möglichst starr reglementiertes System zu etablieren, das leicht zu beherrschen und zu manipulieren ist?

Ich konstatiere: Je mehr ich über die Menschen und ihre Geschichte lerne, desto schwerer wird es mir, sie zu mögen ...
__________________
Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
Ein HAIKU ist ein Medium für alle, die mit langen Sätzen überfordert sind.
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.

Geändert von Erich Kykal (06.05.2018 um 10:53 Uhr)
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Alt 06.05.2018, 11:46   #2
Stefan
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Hallo Erich,

Zitat:
Zitat von Erich Kykal Beitrag anzeigen
Wahr oder erfunden? Wer weiß - aber vorstellbar erscheint es, bedenkt man die dortige Auffassung von Ehe oder den kulturellen Wert der Frau in diesen Ländern.
Man braucht nur mal die Google-Bildersuche mit geeigneten Begriffen füttern: kabul 1970 oder afghanistan 1970 und dann mit Bildern aus kabul frauen vergleichen. Im ersteren Fall sieht man modern gekleidete, geradezu freizügige Frauen. Heute hingegen trägt frau die Burka.

Woran mag das wohl liegen? An den Russen, die die Mujaheddin bekämpft haben, nachdem sie in den 80er Jahren von der afghanischen Regierung um Hilfe gebeten wurden? Wohl kaum. Oder an den Amerikanern (Zbigniew Brzezinski und Co.), welche die Taliban aufgebaut haben? Schon eher. Fakt ist eins: Afghanistan hat sich innerhalb von 40 Jahren von einem relativ modernen Land in ein religiös unterdrücktes "Shithole Country" verwandelt. Welche Gewissheit haben wir, dass das nicht auch in Deutschland oder Österreich passiert? Die meiner Ansicht nach immer häufiger zu Tage tretende Islamifizierung des öffentlichen und halböffentlichen Raumes (fehlendes Schweinefleisch in der Betriebskantine und die Umbenennung christlicher Feste seien hier als Symptome benannt, hinzu kommt die Verdammung allen Deutschseins) lässt Böses erahnen. Mittlerweile gibt es sogar eine Beamtin im Jugendamt in Kassel, welche sich das Recht, ein muslimisches Kopftuch zu tragen, vor Gericht erstritten hat (lustigerweise handelt es sich anscheinend um eine biodeutsche Konvertitin). Gute Menschen mögen dies gern als "Diversität" feiern, ich hingegen sehe hier das Neutralitätsgebot verletzt.

Zitat:
Das Normale gilt als abartig, das Abartige wurde zum Statussymbol!
Die Pathologisierung der Normalität findet sich mittlerweile auch in Deutschland. So gilt ein kleines blondes Mädchen mit Rock bereits als rechtsextrem (Google-Suchbegriff Apothekenblatt warnt vor blonden Mädchen mit Röcken).


Zitat:
giftspeienden Mullahs
Mullahs gibt es ausschließlich im Iran. Dabei handelt es sich um niederrangige, häufig ungebildete Dorfrichter. Darüberhinaus wird der Begriff "Mullah" regelmäßig von Antideutschen verwendet, er ist geradezu ein Kennzeichen dieser. Dieser Begriff dient der öffentlichen Herabwürdigung hochrangiger islamischer Führer (z. B. Ajatollahs). Um Verwechslungen zu vermeiden, sollte man, sofern man kein Antideutscher ist, diesen Begriff nicht benutzen.

Zitat:
Was kann man für die Unterdrückten und Benutzten dort tun?
Eine gute Frage. Aber sollten wir das überhaupt? Der Wertewesten lädt viel Schuld auf sich mit seiner "Demokratisierung" (Suchbegriff Google-Bildersuche we bring democracy).

Gruß
Stefan
Stefan ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.05.2018, 12:04   #3
Erich Kykal
TENEBRAE
 
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Standard

Hi Stefan!

Alles ist hinterfragbar, und hinter "offiziellen Gründen" schieben Mächtige aller Art immer noch drei Schichten verborgene Kulissen!

Seit den Taliban mag die strenge "offizielle" Religiosität Staatsdoktrin sein, aber die Menschen vor allem auf dem Land waren immer schon patriarchalisch, und die Frau war wenig wert. Die Tradition des Tanzknabentums ist Jahrhunderte alt!

In den Städten mag es früher schon eine dünne weltoffene Schicht gegeben haben, die gern zitiert wurde, um internationale Anerkennung einzuheimsen, aus welchen Interessen heraus auch immer, aber grundsätzlich besteht diese Kultur der Verdrehung dessen, was wir als gesund, natürlich oder gerecht betrachten, schon wesentlich länger!

Die Ideen des Islam fußen zum Teil darauf, zum Teil haben sie solche Strömungen letztlich nur verstärkt und bestätigt. Und natürlich diente er immer schon - nicht erst den Taliban - wie fast jede größere Religion oder Sekte als Machtinstrument zur Befriedung freidenkerischer Interessen.

Was in Deutschland los ist, interessiert mich als Österreicher eher am Rande. Mit dem Artikel wollte ich - abgesehen vom zitierten Nazivergleich - keine Parallelen oder Metaebenen zur dortigen Befindlichkeit des Kulturstandes nahelegen.

Ob Mullahs oder Ajatollahs - ich befleißige mich der verständlichsten, weil gängigsten Begriffe, um die Botschaft zu vermitteln. Für etwaige Fehler bei der lokalen Benamsung der jeweiligen unterdrückenden Idioten entschuldige ich mich natürlich gerne!

LG, eKy


PS:

Und all jenen aufgeregten Anhängern irgendeines Glaubens, die allein für den Umstand dieser blauäugigen Gläubigkeit lautstark und präpotent Respekt und umfassende Anerkennung aller Andersdenkenden einfordern, sei gesagt:

Eine Religion muss sich grundsätzlich am Verhalten, Anspruch und Wissensstand ihrer strenggläubigsten Mitglieder messen lassen, vor allem, wenn sie nicht willens oder fähig ist, selbst intern für einen homogenen wie menschenrechtskonformen Wertekanon zu sorgen!

Soviel zu diesen Lustigen!
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Weis heiter zieht diese Elend Erle Ute - aber Liebe allein lässt sie wachsen.
Wer Gebete spricht, glaubt an Götter - wer aber Gedichte schreibt, glaubt an Menschen!
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Dummheit und Demut befreunden sich selten.

Die Verbrennung von Vordenkern findet auf dem Gescheiterhaufen statt.
Hybris ist ein Symptom der eigenen Begrenztheit.

Geändert von Erich Kykal (06.05.2018 um 13:57 Uhr)
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