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Finstere Nacht Trauer und Düsteres

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Alt 22.01.2021, 22:04   #1
Freihammer
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Standard Was ich meide

Was ich meide
(nach einem Gedicht von Felix Dörmann)

Ich meide die dicken bequemen
Kartoffeln. Sie machen bloß dumm.
Verachte, was andere nehmen
und seh mich danach nicht mal um.

Ich meide die Landpomeranzen,
wie Kürbis gezüchtet auf Mist,
und andre dickbäuchige Pflanzen,
auch alles, was zweifach da ist.

Meid’ Nadeln, so an Koniferen,
das Kletter- und Klettengesträuch,
Kakteen und Grannen von Ähren,
die Disteln und borstiges Zeug.

Ich meide die Schleimpilzvertreter,
die wandern und scheinbar doch ruhn,
und Wesen, die früher als später
davon nur das Gegenteil tun.

Ich meide Lianen und Winden,
dann Hopfen, dazu Wilden Wein.
Am Fesseln kann ich gar nichts finden
und geh auf die Schlingen nicht ein.

Ich meide, was mir mitgegeben.
Bin dick, dämlich, borstig, bequem.
Kriech schleimend und lottrig durchs Leben
und frage verdutzt nur: mit wem?
__________________
„Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts, als meiner seligen Insel.“ Friedrich Hölderlin

Geändert von Freihammer (03.02.2021 um 13:16 Uhr) Grund: Titeländerung
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Alt 03.02.2021, 18:55   #2
Rocco
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Hallo Freihammer,

der Schluss überrascht. Allerdings frage ich mich, wie einer, der erkannt hat, dass er dämlich ist, dämlich sein kann?

Einen schönen Abend

Rocco
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Alt 03.02.2021, 19:24   #3
Freihammer
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Hallo Rocco,

deine Frage überrascht mich auch. Der Witz an dem Text ist eigentlich der, dass zehn Tage lang an dieser Stelle ganz andere Zeilen gestanden haben, das erkennst du übrigens an den unterschiedlichen Titeln, nämlich „Ganz unten ist nicht tief genug“ und „Was ich meide“.
Das Originalgedicht von Felix Dörmann trägt den Titel „Was ich liebe“.
Nun hatte ich festgestellt, dass meine Zweitfassung „Ganz unten ist nicht tief genug“ hier mehr als zehn Tage lang herum dümpelte und nahezu ungelesen fast verschwunden wäre. Ich war geneigt, sie zu löschen. Da fiel mir die Erstfassung wieder ein, die dieses sarkastische Ende hat. Dass dich der Zufall nun hierher führt, kam mir ziemlich unwahrscheinlich vor.
Nun ist es aber so. Insofern will ich dir wenigstens die letzte Strophe der Fassung, die zehn Tage fast ungelesen hier gewartet hatte, nicht vorenthalten:

„Ich lebe im Keller der Erde.
Die Unterwelt ist mein Revier.
Bediene das Rührwerk „la merde“
und gebe den Ratten Quartier.“

Du siehst, da komme ich auch nicht besser weg. Danke fürs Lesen und Kommentieren.

Viele Grüße von FH.
__________________
„Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts, als meiner seligen Insel.“ Friedrich Hölderlin
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Alt 04.02.2021, 10:36   #4
Rocco
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Hallo Freihammer,

danke für deine Erklärung. Die letzte Strophe, die in deinem Kommentar, überzeugt mich. Sie ist: kurz und ansprechend. Dein Gedicht kommt mir, insgesamt, zu dick aufgetragen vor. Ich weiß, als Leser nicht, auf was ich mich konzentrieren soll. Wäre es mein Gedicht, würde ich kürzen und mich mehr auf die Aussage konzentrieren. Die Strophe, aus deinem Kommentar, gehört auf jeden Fall ins Gedicht.

Nur meine Meinung!

Dir einen schönen Tag

Rocco
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Alt 04.02.2021, 12:04   #5
Freihammer
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Hallo Rocco,
Diskussionen haben immer etwas Gutes, man tauscht sich aus. Nun weiß ich nicht, ob du Felix Dörmanns Original kennst.
Es hat genau wie mein „Was ich meide“ sechs Strophen. Und er trägt, wie du aus seiner letzten Strophe ersehen kannst, auch dick auf.
Das macht den besonderen Reiz seines Gedichtes aus und hat ihn mit genau den Zeilen vielleicht aus der Masse vieler untergegangener Dichter bestehen lassen.
Wer genau diesen Anspruch in einem Forum mit sich herumträgt, ist wahrscheinlich nicht zu retten.
Von einigen Größen mal abgesehen. Nun kann ich nicht beurteilen, warum der Text mit dem Titel „Ganz unten ist nicht tief genug“ zehn Tage lang so gut wie nicht gelesen worden ist, das ist jetzt auch belanglos, aber wahrscheinlich hätte er dich noch mehr zu der Aussage veranlasst zu konzentrieren, weil er eine Strophe mehr hatte und weil er noch stärker verdichtet war. Aber hier ist erst einmal Felix Dörmann:

„Ich liebe, was niemand erlesen,
Was keinem zu lieben gelang:
Mein eignes, urinnerstes Wesen
Und alles, was seltsam und krank.“

Soviel für heute. Machs gut. FH.
__________________
„Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts, als meiner seligen Insel.“ Friedrich Hölderlin
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Alt 07.02.2021, 00:47   #6
Rocco
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Hallo Freihammer,

habe mir inzwischen das Original durchgelesen. Bei Felix handelt der Text von Frauen, die bildlich umschrieben werden. Ich, als Leser, weiß immer, wovon die Rede ist.

Ich würde gleich in der ersten Strophe mit Frauen beginnen und sie dann umschreiben. Das wäre der rote Faden.

Einen schönen Abend

Rocco
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Alt 07.02.2021, 16:44   #7
Freihammer
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Standard Ganz unten ist nicht tief genug

Lieber Rocco,
naturgemäß liest jeder Gedichte anders. Und Metaphern kann man auch deuten wie man mag.
Bei Felix Dörmann lese ich in der ersten Strophe etwas von Narzissen, die man lieben kann, aber das Beispiel des selbstverliebten Narziss beweist es zur Genüge, auch belächeln könnte. Die dicken Kartoffeln kann man sich, bildhaft gesprochen, heutzutage an jeder Straßenecke ansehen.
Und meistens schlecht gekleidet. Was eine Landpomeranze ist, wirst du wohl wissen. Sie kann sogar liebenswert sein. Und das glatte Gegenteil der Fahlen und Bleichen von Dörmann sein.
Das geht bei Dörmann lustig (d.h. wunderschön) mit Schlangen, Smaragden, Düften, Wolken, genau genommen ohne Frauen weiter wie bei mir mit Disteln, Kakteen, Schleimpilzen und Lianen, wobei man sie genauso meiden kann, wie Frauen, die charakterlich ähnliche Eigenschaften aufweisen.
Also, offen gesagt, das mit dem roten Faden trifft den Kern nicht, zumal ich unter dem Titel den Bezug auf Dörmann versucht habe, deutlich zu machen.
Mehr kann man eigentlich nicht tun.
Dennoch, das Kommentieren ist ein Vorgang, der den Bezug zum Inhalt verbessern hilft.
Lass dich grüßen von FH.
__________________
„Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts, als meiner seligen Insel.“ Friedrich Hölderlin
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