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Alt 11.04.2018, 16:43   #1
Sufnus
Gast
 
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Standard Thema April: Dankorchester, diffus gediehen

Einsilbigkeiten: Dankorchester, diffus gediehen

Oh, Einsilbigkeit, die Frucht des reifen Gedankens!
Denk nur, Ego, dann bekeif, sistiere, sei Hilfgedicht,
höre bis in die Furcht: Kein Gedanken-LSD ist feige!
Die Liebste sucht die Gnadenkerne? Oh sinke riffig,
Siri-Kid, in fahle, geistöd-gefurchte Sinnbedenke.
Siegfragen: Kein bildtiefes Ehr-Suchen, Denkidiot,
denn Ehre ist Fluch: "Kind, bade keine Rose, sei giftig!",
Ach Kunde, greif es: Freisein, Iltis-behend, endkotig,
da in Senkbleirichtung der Ethik offne Essigidee
sich grindiger Leidkuenste bedient. Seh Kino, Affe.
Du infinites Feierbiest, danksegne, gekicher hold!
Kehlen frei! Ins Duettige bis dreifach singende k. o.
Fehlt dabei nicht eisig-riesig: Fokus, Denken, Reden?
Oh, Einsilbigkeit, die Frucht des reifen Gedankens!



-------------------------------

Ein Anagrammgedicht... a, u und o dürfen dabei mit e zu ä, ü oder ö verschmolzen werden, Satzzeichen können beliebig gesetzt werden.

Geändert von Sufnus (13.04.2018 um 15:20 Uhr)
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Alt 13.04.2018, 13:11   #2
Chavali
ADäquat
 
Benutzerbild von Chavali
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Magdeburger Börde
Beiträge: 11.770
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Hi Sufnus,

welche Nuss gibst du uns hier wieder zum Knacken?
Ein Anagramm, sagst du - wo steckt es...?
Ich bin (zumindest) heute auf zwei Augen blind

Zitat:
a, u und o dürfen dabei mit e zu ä, ü oder ö verschmolzen werden,


Harte Nuss!
Bin gespannt, ob sich da jemand herautraut

Gelesen und für überaus kreativ befunden - ohne wirklich einen Sinn darin zu erkennen

LG Chav
__________________
Meine Gedichte
© auf alle meine Texte
Du bist nicht mehr da, wo Du warst,
aber Du bist überall, wo ich bin.


*
Chavali ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.04.2018, 13:35   #3
Sufnus
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Zitat:
Zitat von Chavali Beitrag anzeigen
Hi Sufnus,

welche Nuss gibst du uns hier wieder zum Knacken?
Ein Anagramm, sagst du - wo steckt es...?
Ich bin (zumindest) heute auf zwei Augen blind
Hi, Chav!
Bei Anagrammgedichten dürfen in jeder Zeile immer nur die selben Buchstaben benutzt werden. Groß- und Kleinbuchstaben dürfen aber i.d.R. in einander umgewandelt werden, die Zeichensetzung darf frei erfolgen und Umlaute oder scharfes ß können aus ae, oe, ue bzw. ss zusammengesetzt werden.
Es geht in der Regel mit einem mehr oder minder sinnvollen Satz los und dann wird rumgepuzzelt, bis ein grammatikalisch korrekter Satz oder Teilsatz (die Sätze dürfen natürlich auch Zeilenüberschreitend gebaut werden) zustandekommt.

In diesem Beispiel stehen für jede Zeile die Buchstaben
ABCDDDEEEEEEEEFFGGHHIIIIIIKKLNNNNORRSSSTTU
zur Verfügung.

Das ganze ist zunächst mal eine Übung darin, sich von konventionellen Wortfindungen freizumachen... ein Anagrammgedicht kann aber - vom Übungscharakter mal abgesehen - durchaus auch seinen ganz eigenen Reiz entfalten.

Wichtige deutschsprachige Vertreter sind Unica Zürn und Oskar Pastior. Auch von Jan Wagner gibt es sehr schöne und komische Anagrammgedichte in dem Band "Die Eulenhasser in den Hallenhäusern- Drei Verborgene", die er dem imaginierten Dichter Theodor Vischhaupt in den Mund legt.

Danke fürs Lesen... und liebe Grüße!

S.
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Alt 14.04.2018, 13:38   #4
juli
Auf Eis gelegt
 
Registriert seit: 12.02.2009
Beiträge: 2.710
Standard

Lieber Sufnus,

Mir raucht der Kopf

Das Gedicht ist aufsässig

Ungewöhnlich und macht Spaß. Leider habe ich nicht viel Zeit, jedoch möchte ich dir sagen, sowas Kniffeliges ist gutes Hirnjogging.

Löse es bitte auf.

Getüfftelte Grüße sy

juli ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.04.2018, 12:32   #5
Sufnus
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Hi sy!

Vielen Dank für die Blumen! Und es freut mich sehr, dass Dir das Gedicht Spaß gemacht hat

Zitat:
Zitat von syranie Beitrag anzeigen
Löse es bitte auf.
Zum Formalen hab ich ja schon was geschrieben.

Es ist ein Anagrammgedicht, was bedeutet, dass in jeder Zeile immer nur die gleichen Buchstaben verwendet werden. Es geht los mit einem 1. Satz - hier im Beispiel: "Oh, Einsilbigkeit, die Frucht des reifen Gedankens."

In diesem Satz kommen die Buchstaben ABCDDDEEEEEEEEFFGGHHIIIIIIKKLNNNNORRSSSTTU vor, jeder dieser Buchstaben muss jetzt in jeder Zeile benutzt werden, natürlich in immer neu zusammengewürfelter Reihenfolge und unter der Maßgabe, dass ein sinnvoller Satz dabei herauskommt.

Das E beispielsweise, das im Ausgangssatz 8 mal vorkommt, muss auch in jeder folgenden Zeile 8 mal verwendet werden usw. Auf Groß- und Kleinschreibung und Zeichensetzung kommts dabei aber nicht an. Und es können, wie geschrieben, auch Umlaute, z. B. aus a plus e, "gebastelt" werden.

Zum Inhaltlichen: Es dreht sich bei dem Gedicht um die Frage von Denken und Sprache. Was sagt einsilbiges Sprechen über das Denken aus, was sagt überhaupt das Sprechen über das Denken aus?

Ein Clou bei dem Gedicht ist dabei, dass es sich zunächst als Lobeshymne auf das einsilbige Sprechen liest: "Dankorchester" im Titel oder das positiv klingende "Frucht des reifen Gedankens" in Zeile 1 und der Schlusszeile. Also ein bisschen nach dem Motto "Reden ist silber, Schweigen ist Gold".

Aber diese Lobeshymne auf die Einsilbigkeit ist ja alles andere als einsilbig und verzweigt sich in wild wuchernden Metaphern und Ausdrücken.

Die "Gesänge" von Zeile 2 bis Zeile 12 sind also eigentlich gar kein Lob der Einsilbigkeit, sondern eine Feier des menschlichen Spieltriebs und der Lebenslust ("Feierbiest") in all ihren anarchistischen ("Gedanken-LSD") und autoritätskritischen (Infragestellung der "Gnaden-Kerne" und der "Ehr-Suche") Facetten.

In Zeile 13 versucht eine miesepetrige ("eisig-riesig") Stimme, das Wortgewucher zu bändigen ("Fokus, Denken, Reden") und leitet wieder auf das Lob der Einsilbigkeit über.

Die Hoffnung des Autors ist indes, das mittlerweile ein aufsässiger Geist den Leser ergriffen hat und der dieser wohlfeilen Pseudoaussage "Frucht des reifen Gedankens" nicht mehr auf den Leim geht. Was soll das überhaupt sein? Die Frucht von etwas Reifem? Wir pfeifen auf die Einsilbigkeit und spielen! Gelobt sind die, die reden; selbst, wenn sie zuviel Reden.

Geändert von Sufnus (16.04.2018 um 12:58 Uhr)
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