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Finstere Nacht Trauer und Düsteres

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Alt 11.05.2009, 15:26   #1
a.c.larin
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 14.03.2009
Ort: wien
Beiträge: 4.819
Standard In Bann und Ächtung

Wie wird die Welt mir dumpf und klein
in diesen starren Mauern!
Vergittert habt ihr mir das Licht,
soll mir das Herz erschauern?

Kein Himmelsblau, kein Horizont,
kein sanftes Wiesenwogen,
nur manchmal kommt ein Fink , ein Spatz
zur Scheibe dicht geflogen.

Er sieht mich hier, dann tschilpt er : Piep!
und muss schon wieder weiter.
Doch ist sein Gruß mir wert und lieb,
stimmt meine Tage heiter.

Ihr mögt mich ächten , bannen gar,
doch rein ist mein Gewissen!
Frei wie das Vöglein ich einst war,
nun lässt der Himmel grüßen

und trösten mich auf seine Weis':
So halt ich ihm die Treue!
Mein Glaube fordert hohen Preis -
ich spüre keine Reue.

Seht mir den Starrsinn einfach nach,
denn ich will tapfer schreiten,
wenn oben, in des Himmels Dach,
die Vögel mich begleiten

auf meinem allerletzten Gang.
So wie im Falkenflug
stürz ich hinab - es währt nicht lang!
Gequält habt ihr genug.
__________________
Cogito dichto sum - ich dichte, also bin ich!

Geändert von a.c.larin (14.05.2009 um 20:07 Uhr)
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Alt 12.05.2009, 20:14   #2
Dana
Slawische Seele
 
Benutzerbild von Dana
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 5.631
Standard

Liebe larin,
so stelle ich mir die Gedanken eines "Verbannten", "Geächteten" aber in sich ruhenden Menschen vor, den man wegen seines Glaubens eingekerkert hat.
Vielleicht ist sogar ein bestimmter gemeint, weil mir die Verse doch etwas erzählen, was mir vertraut vorkommt. (Der Vogel als Freiheitssymbol) Ich komme aber nicht darauf.
Aus dem Gedicht spricht eine starke Überzeugung:


Zitat:
Zitat von a.c.larin
auf meinem allerletzten Gang.
So wie im Falkenflug
stürz ich hinab - es währt nicht lang!
Gequält habt ihr genug.
Mir kann nichts geschehen, als ein letzter Sturz.
Eure für mich erdachten Qualen bewirken nichts an der Wahrheit.

Ein starkes Gedicht.

Liebe Grüße
Dana
__________________
Ich kann meine Träume nicht fristlos entlassen,
ich schulde ihnen noch mein Leben.
(Frederike Frei)
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Alt 12.05.2009, 20:35   #3
Leier
gesperrte Senorissima
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Pfalz
Beiträge: 4.134
Standard

Liebe larin,


wer war dieser Gehenkte,
dem das Freiheitslied noch über die Lippen kam?
Ich denk, er war ein Franzos.

Egal:

Ein unnachahmliches Gedicht erster Güte!
Ein Lobgesang, ein Feuerlied auf die nicht nur gedankliche Freiheit!
Welch ein Glück hat dieses Forum, Dich Mitglied zu wissen!

Submissest:
cyparis
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Alt 12.05.2009, 21:05   #4
a.c.larin
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 14.03.2009
Ort: wien
Beiträge: 4.819
Standard

liebe dana, liebe cyparis,

danke für eure anerkennenden worte!
aber auch wenn ihr euch an irgendeine bestimmte tapfere person zu erinnern meint - und die gab und gibt es zu allen zeiten ganz gewiss immer wieder wo -
ich hattte niemand bestimmten im sinn, als ich diese zeilen schrieb.
ich schlüpfte lediglich in diese person und rolle, angeregt durch ein foto von fee, das ihr euch unter "bildergedichte" anschauen könnt - es ist wirklich sehr eindrucksvoll!
( dort steht das gedicht noch ein wenig anders - ich denke aber diese fassung hier ist besser)

liebe grüße
larin
__________________
Cogito dichto sum - ich dichte, also bin ich!
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Alt 13.05.2009, 14:54   #5
ruhelos
Flaschenpost
 
Registriert seit: 24.03.2009
Beiträge: 574
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hallo larin,

ein Gedicht, dass man immer wieder gerne liest, ist dir hier gelungen. Du beschreibst eine Person, die für ihre Überzeugung eingesperrt wurde, obwohl sie nichts Schlimmes getan hat und schließlich ihr Leben lassen muss. Das Bild des Vogels, der an dem vergitterten Fenster vorbei fliegt, als Sinnbild der Freiheit fügt sich gut in diesen Text ein. Du verwendest hier den Kreuzreim, der allerdings in der 1. Strophe fehlt. Wahrscheinlich liegt es daran, dass dir beide Zeilen wichtig sind und dir keine Lösung einfiel. In der letzten Strophe wechselst du in der 2 und 4 Zeile statt auf der sonstigen 7 auf 6 Silben. Was hälst du von:


Auf meinem allerletzen Gang,
wie der Falke einst im Flug,
stürze ich hinab - es währt nicht lang
gequält habt ihr mich genug.

?Doch das sind nur zwei Kleinigkeiten die insgesamt nicht sehr ins Gewicht fallen. Schön finde ich auch, dass du in der letztenStrophe wieder das Bild der fliegenden Vögel aufgreifst.

Viele Grüße
ruhelos
__________________
Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen. (Mark Twain)

Geändert von ruhelos (13.05.2009 um 15:05 Uhr)
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Alt 14.05.2009, 09:35   #6
ReinART
Gast
 
Beiträge: n/a
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Liebe Larin
ein Gedicht mit dem Du einen "Helden", einen Freigeist, einen Querdenker, einen Revolutionär, einen wahren Gläubigen in der Inquisition etc. würdigst.
Ich weiß nicht, ob er sich für seinen Starrsinn entschuldigen würde, denn das Festhalten an der wahrheit ist kein Starrsinn.
Auch die letzte Strophe hätte ich anders aufgebaut: nicht mit dem Vorwurf: Ihr habt genug gequält!.
Es fährt ins Licht, lässt das Dunkel seiner Zeit ungebrochen hinter sich!
auf meinem allerletzten Gang.
So wie im Falkenflug
stürz ich hinab - es währt nicht lang!
Gequält habt ihr genug.


auf meinem allerletzten Gang.
Gequält habt Ihr mich genug
stürz ich hinab - es währt nicht lang!
So wie im Falkenflug...

Das würde mir besser gefallen
Lieben Gruß
reinhard

Geändert von ReinART (14.05.2009 um 09:37 Uhr)
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Alt 14.05.2009, 12:25   #7
Lena
Lyrische Träumerin
 
Registriert seit: 13.02.2009
Ort: Dort, wo meine Träume mich nähren.
Beiträge: 686
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Zitat:
Zitat von a.c.larin Beitrag anzeigen
Ihr mögt mich ächten , bannen gar,
doch rein ist mein Gewissen!
frei wie das Vöglein ich einst war,..(Wird "frei nach dem Ausrufungszeichen groß geschrieben?)
nun lässt der Himmel grüßen
Liebe larin

Wenn du wüstest wie sehr du mir aus dem Herzen sprichst.

Ein wunderbares Gedicht, und ein sehr schön passender Reim.

Fink..Spatz..Piep..ist toll!!

Die letzte Strophe berührt mich ganz besonders.

Sehr gerne gelesen

Lena
__________________
~ Mit lieben Gedanken ~


©auf alle meine Werke
............
Marion Baccarra
Lena ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.2009, 19:58   #8
Leier
gesperrte Senorissima
 
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Ort: Pfalz
Beiträge: 4.134
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Liebe larin,

ich komme noch einmal auf den Titel zurück:

Usprünglich hieß es wohl (m.E.)

"in Acht und Bann".

Geächtet und gebannt war d e r, der gegen kirchliche Regeln verstoßen hatte.
Von den Sakramenten (außer der nicht widerruflichen Taufe) ausgeschlossen.
Die "Ächtung" scheint mir eher die Verhängung der Strafe "Acht" zu sein.
Ich will nicht spitzfindig werden,
aber
"In Acht und Bann" gefiele mir als Titel besser.
Subjektiv - wie immer:

cyparis
Leier ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.2009, 20:46   #9
a.c.larin
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liebe ruhelos,
die sache mit dem kreuzreim wird wohl so gewesen sein : mich inspirierte das foto von fee - so entstand die erste strophe , ich wusste noch gar nicht recht, wo das ganze eigentlich hinwill , ließ also einfach den gedanken so laufen wie er lief, dann kam ich wohl in die (kreuz)gänge. dies durchlief ich.
die letzte strophe hat tatsächlich zwei verkürzte zeilen. dadurch endet das gedicht mit einer senkung. da du's jetzt sagst, fällt's mir auch auf. stört mich aber nicht, es senkt sich ja auch die stimmung zum schluss...
Das irdische sinkt zu boden , das himmlische bleibt in der Luft...
vögel waren für mich imme schon himmelsboten...


lieber reinART,
wie verschieden man doch etwas hören kann!
in "gequält habt ihr genug" schwingt für mich keine spur von vorwurf mit - bloß eine simple feststellung , das LyrIch stellt fest: mir langts jetzt, es ist okay, wenn ich gehen muss, gleich wie.
das umstellen der zeilen würde mir den vorherigen gedanken zu sehr zerhacken, "gequält habt ihr genug" müsste dann auch als einschub mit gedankenstrich dastehen. ich denke , es passt schon auch an den schluss . so locker stirbt sichs nicht als "märtyrer" oder "held", selbst dann nicht, wenn man von dem, was man vertrittt, überzeugt ist.
fragte mich beim schreiben dieser zeilen die ganze zeit: würde ICH so denken können , wenn ich an dieser stelle stünde? jeder phantasiert sich selber wohl auch gern ein bissl als held, aber wenn es dann tatsächlich soweit ist, kann mans wirklich wissen , dass man NUR den todesmutigen falken im blick hätte?
oder wären da nicht auch angst und schmerz mit auf dem weg?
deshalb dieser schluss.
blindes heldentum ist mir suspekt.


liebe lena,
erstaunlich, wie viel tapferkeit doch auch immer wieder im ganz normalen leben gelebt werden muss! anders wäre es doch gar nicht möglich, dass dieses gedicht so berührt. und "Frei!" sollte immer groß geschrieben werden, nicht nur nach einem satzzeichen. danke fürs genaue lesen!

liebeg cyparis,
"in acht und bann" wäre durchaus auch eine möglichkeit, dieses gedicht zu betiteln, was mir aber - auch urspünglich nicht- eingefallen ist. Vielleicht hatte ich es nicht richtig im ohr. metrisch besser ist deine version allemal!


dank euch allen für die heldenverehrung!

larin
__________________
Cogito dichto sum - ich dichte, also bin ich!
a.c.larin ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.05.2009, 23:20   #10
ReinART
Gast
 
Beiträge: n/a
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Liebe Larin
da magst Du schon recht haben. Vielleicht habe ich die die Hollywood Filme im Kopf oder die Bibel als Jesus sagte: "Mein Gott, warum hast Du mich verlassen ?"dann aber "der Vater und ich sind eins"
Man kann es so oder so sehen.
Ich kann Deine Version gut nachempfinden
lieben Gruuß
reinhard
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