Lieber Falderwald,
dein Gedicht hat mich sofort gepackt — nicht wegen der äußeren Handlung, sondern wegen der Haltung, die darunter liegt.
Du erzählst diese Fabel mit einer Klarheit, die nicht laut werden muss, um deutlich zu sein. Die Bilder sind kraftvoll, aber nie überladen und der Ton bleibt durchgehend ruhig, fast gelassen, selbst dort, wo die Szene eigentlich von Ungerechtigkeit und Feigheit handelt.
Besonders stark finde ich den Falken:
Er ist nicht heroisch im klassischen Sinn, sondern einfach konsequent frei. Sein Flug nach oben wirkt nicht wie Flucht, sondern wie eine Entscheidung, die aus innerer Stärke kommt. Dass du diese Freiheit nicht pathetisch, sondern sachlich zeichnest, macht den Text so überzeugend.
Auch die Wächtergemeinschaft ist treffend dargestellt — nicht böse, sondern bequem, nicht grausam, sondern feige. Genau diese Nuance macht die Fabel glaubwürdig. Die Szene, in der sie ihr Angesicht abwenden, ist für mich der leise Höhepunkt: ein Moment, der mehr sagt als jede Anklage.
Und der Schluss hat eine wunderbare Mischung aus Spott und Souveränität.
Der Falke lacht nicht aus Häme, sondern aus Erkenntnis. Sein Blick von oben ist kein Triumph, sondern ein Abstand, den er sich verdient hat.
Eine starke, klare Fabel — und eine, die mehr erzählt, als sie ausspricht.
Herzliche Grüße von Xenia