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Alt Gestern, 10:06   #7
Falderwald
Lyrische Emotion
 
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Registriert seit: 07.02.2009
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Liebe Xenia,

danke für deinen Kommentar.
Du liest den Text über die Schnitte, die Müdigkeit und das Erwachen — und das ist tatsächlich der Kern. Ich wollte keine Empörung, sondern diesen abgehangenen Blick, der nicht mehr überrascht ist, sondern nur registriert, was ohnehin jeden Tag passiert.

Dass du die englische Version als karger empfindest, ist interessant. Sie ist nicht als Übersetzung gedacht, sondern als zweiter Aggregatzustand desselben Materials. Weniger Farbe, mehr Direktheit. Dass du das so wahrnimmst, bestätigt mir, dass beide Fassungen denselben Unterton tragen.

Die Müdigkeit, die du ansprichst, ist kein Stilmittel. Sie ist die Haltung des Erzählers. Kein Drama, kein moralischer Zeigefinger — nur das konstante Gefühl, dass die Welt draußen und die Welt drinnen beide auf ihre Weise verrotten.

Das Erwachen am Ende sollte kein Lichtmoment sein. Nur ein weiterer Tag, an dem man feststellt, dass man sich selbst wieder zusammensuchen muss. Du hast das präzise getroffen.


Liebe Melinda,

danke für deinen Kommentar.
Du gehst genau an die Stellen, die den Text tragen: die Schnitte, die Rohheit, die Bestandsaufnahme ohne Filter. Das Gedicht sollte nicht schön sein, sondern ehrlich — und ehrlich ist nun mal nicht glatt.

Die Kontraste sind bewusst gesetzt: Glamour, Staub, Werbung, Elend. Kein subtiler Übergang, sondern harte Schnitte, wie man sie aus einem Nachrichtenfeed kennt, der längst aufgehört hat, irgendetwas zu ordnen. Dass du das als funktionierend beschreibst, freut mich — es sollte wehtun, aber nicht schreien.

Der Mittelteil ist tatsächlich eine Bestandsaufnahme. Kein Jammern, kein Mitleid, nur der Zustand eines Raums, der genauso verkommen ist wie die Welt draußen. Der Pitbull, der Bass, der süßliche Geruch — das ist nicht Symbolik, das ist Inventar.

Die Zeile mit der Pisse ist brutal, ja. Aber sie ist nicht übertrieben. Sie sagt nur, was Sache ist. Dass du das so liest, zeigt, dass der Satz tut, was er soll.

Der Schluss ist bewusst müde gehalten. Kein Erwachen, kein Erkenntnismoment, nur die Feststellung, dass niemand kommt, um einem zu sagen, dass man lebt. Das muss man selbst erledigen. „Verdammte Scheiße“ ist kein Effekt, sondern der einzige logische Ausatmer nach all dem.

Danke für deine direkte, klare Rückmeldung.


Liebe Grüße an euch beide

Falderwald


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Manchmal muss man eben Dreck fressen, um Gold kacken zu können (Falderwald)



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