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#1 |
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Lyrische Emotion
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.102
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Cocktail der Gefühle Man nehme eine Prise Widerwillen und füge etwas Abscheu noch hinzu, das Ganze lasse man ein wenig quillen, dies passt dann ganz vorzüglich zum Degout. Dann filtert man den Bodensatz, für Mitgefühl ist hier kein Platz. Nun rühre man noch Hass geduldig unter, und würze scharf mit einer Prise Groll, auch Neid macht jede fade Mischung munter, bis dann das Maß an Bitterkeit wird voll. Jetzt kühle man den dunklen Trank, macht er auch Geist und Körper krank. Man mische das mit einem Löffel Galle, bis jeder Funke Hoffnung jäh erfriert, das zähe Gift wird nun zur schwarzen Falle, weil sich der Zorn im Becher konzentriert. Damit man das auch richtig spürt, geschüttelt bitte, nicht gerührt. Garniert wird die Coupette noch mit Verhöhnung, Zynismus wird zu Salz auf ihrem Rand, der Stoff entfaltet nun die herbe Krönung, gebraut wird dieser Drink mit kalter Hand. Und oben schwimmt dann noch zum Spaß ein Würfel Träneneis im Glas. Man reicht den Kelch nun seinem Erzrivalen, der ahnungslos und lächelnd vor dir steht, der Cocktail mit den freien Radikalen ist ein Produkt von bester Qualität. Ihm nahm’s beim ersten Schluck die Luft, jetzt liegt er friedlich in der Gruft. Falderwald . .. .
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Manchmal muss man eben Dreck fressen, um Gold kacken zu können (Falderwald) Für alle meine Texte gilt: © Falderwald --> --> --> --> --> Wichtig: Tipps zur Software |
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#2 |
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Nur der Uhu darf turzen.
Registriert seit: 30.12.2013
Ort: Northampton, UK
Beiträge: 206
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Na denn Prost.
Und Wörter gelernt, Degout, Coupette... Bist du Sommelier? |
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#3 |
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Lyrische Emotion
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.102
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Moin Schamansky,
wenn ich Sommelier wäre, würde ich vermutlich weniger mit Degout und mehr mit Merlot hantieren. Aber man nimmt, was man kriegt – und manchmal kippt mir die Muse eben etwas ins Glas, das eher nach emotionalem Fusel aussieht ![]() ![]() Beste Grüße Falderwald
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#4 |
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Lim-Fee
Registriert seit: 01.05.2014
Beiträge: 208
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Lieber Falderwald,
dein Text liest sich wie ein dunkles Labor, in dem Gefühle nicht entstehen, sondern gebraut werden. Die Art, wie du jede Regung in eine Zutat verwandelst, macht das Ganze fast unheimlich präzise — als würde man zuschauen, wie sich etwas Bitteres Schicht für Schicht verdichtet, bis es zu einem Trank wird, der niemandem guttun kann. Besonders die letzten Strophen haben eine stille Härte: Dieses Weiterreichen des Kelchs, der Erzrivale, der nichts ahnt — das wirkt wie eine kleine Geschichte über Vergeltung, aber ohne Triumph, eher mit einem leisen Kopfschütteln darüber, wie weit solche Gefühle gehen können. Das Bild vom Träneneis oben im Glas ist stark. Es gibt dem Ganzen einen fast eleganten, aber sehr kalten Abschluss. Danke fürs Teilen. Herzliche Grüße von Xenia
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#5 |
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Lyrische Emotion
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.102
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Liebe Xenia,
deine Worte treffen den Kern des Textes so leise und zugleich so genau, dass ich beim Lesen fast das Gefühl hatte, du würdest selbst im Halbdunkel dieses „Labors“ stehen und den Dämpfen zusehen, wie sie sich verdichten. Du hast recht: Der Text ist kein Rezept, sondern eine kleine Versuchsanordnung, in der Gefühle nicht entstehen, sondern extrahiert werden — wie Substanzen, die man eigentlich besser nicht in Reagenzgläser füllt. Dass du die Härte der letzten Strophen so klar benennst, freut mich besonders. Der Kelch, der weitergereicht wird, sollte nie als Triumph gelesen werden, sondern als das, was du darin siehst: ein stilles Kopfschütteln darüber, wie weit Menschen gehen können, wenn sie sich von ihren dunkleren Regungen leiten lassen. Vergeltung ist selten laut — meistens ist sie nur konsequent. Und ja, der Würfel Träneneis: Er war als letzter, kleiner Stich gedacht, ein Moment, in dem die Kälte nicht nur schmeckbar, sondern sichtbar wird. Dass du ihn als eleganten Abschluss liest, ist ein schöner Gedanke; vielleicht ist er genau das — ein winziger, gefrorener Rest dessen, was einmal Mitgefühl hätte sein können. Danke dir für deinen Blick. Er ist wie immer klar, freundlich und ohne jede Schärfe — und gerade deshalb trifft er. Liebe Grüße ![]() Falderwald
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