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Bei Vollmond Phantastisches und Science Fiction

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Alt 16.01.2026, 00:10   #1
Falderwald
Lyrische Emotion
 
Benutzerbild von Falderwald
 
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 10.111
Standard O dulcis libertas!



O dulcis libertas!


Ich sah die schwarzen und die weißen Felder,
auf denen die Figuren Schmerz erregten,
im Off erfassten die Bewegungsmelder,
ob sie sich alle stets korrekt bewegten,
es harrten alle jener Lösegelder,
die keinen Wert auf Tod und Leben legten.
So konnten sich die Spieler immer halten,
um ihre Strategien zu entfalten.

Ich sah, wie hier und da ein junger Springer
versuchte, seinen König zu umwallen,
der Läufer war der Neuigkeitenbringer,
weil seine Worte bei den Türmen hallen,
des Bauern Kraft dagegen zählt geringer,
er darf als Opfer auf dem Spielfeld fallen.
So hängt das Schicksal ab von der Kontrolle
der Spieler, sie bestimmen jede Rolle.

Ich sah mit Gram, dass manche Spielstrategen
vergaßen, Atmosphären zu erschaffen,
wo alles blüht und weder saurer Regen
die Welt verätzt noch schwarze Löcher klaffen
und niemand zwingen abseits von den Wegen
umherzuirren ohne ihre Waffen.
In diesem Labyrinth war ich befangen,
so manchen Irrweg bin ich mitgegangen.

Ich sah mich selbst, ein Opfer dieser Schlachten,
ich sah mich selbst, verwundet und am Bluten,
ich sah, was diese Kriege aus mir machten,
ich sah die Welt, der Bösen und der Guten,
von allen Seiten konnte ich betrachten,
dass Tod und Sein auf ihrer Macht beruhten.
Ich sah, um meine Freiheit zu erringen,
muss ich von ihrem Spielbrett springen.

Um frei zu werden, musste ich mich trennen,
von Dingen, die mir viel bedeutet haben,
ich musste um mein bisschen Leben rennen,
sonst fräßen mich am Ende noch die Raben,
ich löste mich, um nicht mehr zu verbrennen,
brach frei von ihren segensreichen Gaben.
Jetzt gaffen sie von ihren Logen und Emporen
sie haben just ihr eignes Spiel verloren.


Falderwald
. .. .


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Manchmal muss man eben Dreck fressen, um Gold kacken zu können (Falderwald)



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Alt 12.08.2026, 16:08   #2
Xenia
Lim-Fee
 
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Beiträge: 217
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Lieber Falderwald,

dein Schach‑Gedicht hat mich sofort in diese Welt aus Figuren, Rollen und Macht gezogen. Ich mag, wie du das ganze Brett nicht als Spiel darstellst, sondern als System, das einen irgendwann auffrisst, wenn man nicht aufpasst. Die Springer, die Läufer, die Bauern – das wirkt alles so vertraut, als würde man Menschen sehen, die man schon einmal getroffen hat, nur eben in anderer Form.

Besonders stark finde ich den Moment, in dem du dich selbst auf dem Brett erkennst: verwundet, blutend, mitten in Schlachten, die du nie bestellt hast. Das hat eine leise Wucht. Und der Entschluss, einfach runterzuspringen, weg von den „segensreichen Gaben“, die sich am Ende als Fesseln entpuppen – das ist ein schöner Befreiungsschlag.

Der Schluss gefällt mir sehr: dass sie jetzt von ihren Logen aus gaffen und gar nicht merken, dass sie ihr eigenes Spiel verloren haben. Das hat etwas angenehm Trocken‑Triumphierendes.

Ich finde es beschämend, dass solche Stanzen hier einfach unkommentiert untergehen!

Herzliche Grüße von Xenia
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Alt 18.08.2026, 14:45   #3
Falderwald
Lyrische Emotion
 
Benutzerbild von Falderwald
 
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Beiträge: 10.111
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Liebe Xenia,

danke dir für deinen Kommentar.

Es freut mich, dass du den Text so gelesen hast, wie er gemeint ist: nicht als Schachspiel, sondern als Darstellung eines Systems, das Menschen in Rollen zwingt, bis sie irgendwann merken, dass sie selbst nur noch Figur sind. Die vertrauten Bilder – Springer, Läufer, Bauern – funktionieren genau deshalb, weil man sie aus dem Leben kennt, nicht nur vom Brett.

Der Moment, in dem man sich selbst auf dem Spielfeld erkennt, ist tatsächlich der Wendepunkt. Da kippt das Gedicht vom Beobachten ins Erleben. Und der Sprung vom Brett ist dann kein heroischer Akt, sondern eine nüchterne Entscheidung: Wenn die Regeln eines Spiels zerstörerisch werden, steigt man aus.

Dass du den Schluss als „trocken‑triumphierend“ empfunden hast, freut mich. Er sollte keine Rachegeste sein, sondern ein stiller Hinweis darauf, dass manche Strategen erst merken, was sie angerichtet haben, wenn derjenige, den sie festhalten wollten, nicht mehr mitspielt.

Und ja – es ist schade, dass solche Stanzen manchmal untergehen. Aber ich danke dir, dass du sie hervorgeholt hast.

Liebe Grüße

Falderwald


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Manchmal muss man eben Dreck fressen, um Gold kacken zu können (Falderwald)



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Alt Gestern, 23:05   #4
Melinda
Neuer Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 17.08.2026
Beiträge: 19
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Lieber Falderwald,

dein Gedicht hat Wucht und Haltung.
Du machst das Schachbrett nicht zum Spiel, sondern zur Maschine, die Menschen frisst, wenn sie nicht aufpassen. Die Figuren sind Rollen, die man nicht freiwillig bekommt und die Schmerzen, die du beschreibst, sind keine hübschen Metaphern, sondern die Sorte, die man erst merkt, wenn man schon mitten drin steckt.

Die Strophe mit dem Springer und dem Läufer ist stark.
Du zeigst, wie jeder seine Funktion hat und wie wenig Freiheit bleibt, wenn das System sich selbst wichtiger nimmt als die, die darin leben. Der Bauer fällt, weil er fallen soll, nicht weil es irgendeinen Sinn hätte. Das ist trocken, klar und genau richtig.

Die dritte Strophe hat diese ehrliche Ernüchterung, die ich an dir mag.
Kein Jammern, kein „Warum ich“, sondern ein nüchterner Blick auf Strategen, die vergessen haben, dass man Räume schaffen muss, in denen man überhaupt atmen kann. Das Labyrinth ist kein Drama, es ist einfach da und du sagst das ohne Weichzeichner.

Die Selbstbetrachtung ist brutal und gut.
Du machst dich nicht zum Helden, sondern zum Verletzten, und das ist die ehrlichste Form von Stärke. Du siehst, was diese Spiele aus dir gemacht haben und du ziehst die Konsequenz, statt dich weiter zerreiben zu lassen.

Der Befreiungsschlag ist sauber gesetzt.
Kein Triumphgeheul, kein Pathos, nur die klare Erkenntnis: Wenn man frei sein will, springt man. Ende der Diskussion.

Der Schluss ist herrlich trocken.
Sie gaffen, sie glauben, sie hätten gewonnen und du gehst einfach.
Das ist nicht hämisch, das ist gerecht.

Ein starkes Gedicht.
Hart, klar, ohne Selbstmitleid.

Mit freundlichem Gruß
Melinda
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