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Erfahrener Eiland-Dichter
Registriert seit: 17.01.2017
Beiträge: 285
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Ich sitze hinter feuchten Scheiben,
im kleinen Café, bei Kerzenschein, vor mir ein Kaffee, längst erkaltet – und denke: Muss das wirklich sein? Ich könnte jetzt in Miami liegen, am weißen Strand, im Sonnenglück, lass mir die Sonne auf den Bauch scheinen, und käme braungebrannt zurück. Natascha! – sie ist schuld an allem, die schönste Blume weit und breit. Ich sah sie einst im Blumenladen und war für einen Strauß bereit. Drei Tage kaufte ich dort Blumen, die Vase war schon übervoll. Am vierten Tag sprach ich dann endlich: „Ich glaube, dass ich etwas soll …“ „Mein Name ist Richard, doch die Freunde die nennen mich nur Ritchi hier. Und Sie, mein Fräulein, heißen Natascha – ein wunderschöner Name, schier. Ich fragte keck: „Heißt das nun ja?“ Da lachte sie, ganz wunderbar: „Ich habe heute etwas Zeit noch, um sechzehn Uhr bin ich dann da.“ „Dann warte ich um drei im Café!“ Sie nickte und verschwand geschwind. Und ich saß später an der Scheibe, als wär ich plötzlich wieder Kind. Sie kam herein, ihr Mantel glänzte noch feucht vom Regen dieser Stadt. Ich nahm ihn ab und hing ihn vorsichtig dorthin, wo die Garderobe war. Wir saßen uns nun gegenüber, und schöner war sie als zuvor. Ich bestellte Kaffee für beide und fragte: „Mokkatorte?“ – „Ja“, kam es ganz leise aus ihrem Mund hervor. Ich fragte: „Darf ich Tascha sagen?“ Sie lächelte und sah mich an: „Wenn du möchtest …“ Und plötzlich wusste ich, dass Liebe wirklich blühen kann. Die Stunden flogen wie die Vögel, zu schnell verging der Nachmittag. Ich brachte sie bis zu der Haustür, wo unser erster Kuss dann lag. Ganz zart nur – beinahe scheu noch –, ihre warme Hand in meiner Hand. Ein kleiner Druck, ein stilles Lächeln … dann war sie fort im dunklen Haus. Wir trafen uns nun öfter wieder, im kleinen Café bei Kerzenlicht. Sie sprach von einer Castingshow und davon, was ihr Leben verspricht. Und als wir uns im kleinen Hotel zum ersten Mal ganz nah dann waren, schien über uns der Himmel zu brennen – als hätten Sterne zur Hochzeit geladen. Dann kam der Tag, der alles änderte: Sie wurde nach Amerika gebeten. Als Einzige aus ihrer Truppe – ein großer Traum, den sie erlebte. Ich plünderte mein Sparbuch restlos, brachte sie selbst zum Flughafen hin. Ich sah der immer kleiner werdenden Maschine lange nach – mit schwerem Sinn. Dann kam von ihr die letzte Karte, mit einem Satz, so kurz und fein: „Ich liege hier am weißen Strande, lass mir die Sonne auf den Bauch scheinen. Gruß, Tascha.“ Ich las die Zeilen immer wieder und dachte an den Novembertag. An Blumen, Kaffee, Mokkatorte – und daran, was die Liebe vermag. Nun sitze ich noch oft am Fenster, wenn draußen kalter Regen fällt. Ich träume manchmal von Natascha und von der schönsten Frau der Welt. Doch eines habe ich verstanden, und das sei jedem hier gesagt: Wer einer schönen Blumenfrau sein Sparbuch gibt – der hat danach zwar keine Blumen, doch wenigstens Erfahrung … |
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