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Alt Gestern, 10:57   #1
Taxi5013
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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Standard Wenn der Herbst erscheint

Wenn der Herbst erscheint


Wenn früh am Morgen Nebel zieht
und still auf feuchten Wiesen liegt,
wenn sich der erste Tau verliert
und leis der Wind die Blätter führt,
dann kommt der Herbst auf sanftem Flügel
er kommt als Freund ,tritt nichts mit Füße,
so als führe er ein Pferd am Zügel
und bringt die letzten Sommergrüße.

Die Wälder stehen nun in Flammen,
doch ohne Rauch und ohne Feuer,
in Gold und Rot, in Kupferglanz –
ein letztes, wundersames Leuchten.
Die Blätter tanzen durch die Zeit,
vom Wind getragen, zum Verwehen,
und jedes, das zu Boden fällt,
erzählt vom Werden und Vergehen.

Am See liegt still das fahle Licht,
der Himmel trägt ein Wolkenband
und über allem ruht ein Schweigen,
so zart, wie Schnee aus Engelshand.
Ein Vogel zieht weit übers Land,
sein Ruf verliert sich in der Ferne –
und plötzlich spürt man tief im Herzen,
den Augenblick, im Licht der Sterne

Doch Herbst bedeutet nicht das Ende,,
nicht nur das Löschen heller Tage.
In seinem Sterben liegt ein Anfang,
im Frühling stellen wir nicht die Frage..
Denn was der Baum jetzt fallen lässt,
wird einst zu neuer Erde werden,
und unter kahlen Zweigen wartet
bereits das Wunder neuen Lebens.

So geh ich langsam durch den Herbst,
durch raschelnd Laub und goldne Stunden,
und nehme, was der Sommer schenkte,
behutsam mit in meine Seele.
Ich danke für das Licht des Tages,
für jeden Duft, für ein -Vergieb-,
für jede Hand, die mich berührte,
für jedes Herz, das bei mir blieb.

Und wenn am Abend über Feldern
die Sonne rot zu Boden sinkt,
dann weiß ich: Auch im Abschied
gibt es den Ort, wo das Glück mir winkt
Denn Schönheit braucht nicht Ewigkeit –
sie wird gerade zur Kostbarkeit,
weil sie eines Tages weiterzieht
und als Erinnerung im Herzen bleibt.

Denn hinter jedem Abschied
wartet irgendwo ein neuer Morgen –
und selbst wenn draußen alles schweigt,
trägt tief im Herzen schon der Frühling
sein erstes, zartes Frühlingskleid.
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