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Ausflug in die Natur Natur- und Tiergedichte

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Alt 12.10.2026, 11:09   #1
Taxi5013
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 17.01.2017
Beiträge: 377
Standard Herbstzauber

Wenn gold`ne Blätter leise fallen,
zieht herbstes Zauber durch den Wald,
und über großen, alten Bäumen
weht Wind, schon kühl, bald ist es kalt.

Die Buchen tragen Feuer Flammen,
die Eichen schmücken sich in Gold,
und durch das Laub huscht schnell ein Reh,
hält inne, es wittert schon den Schnee.

Ein Pilz träumt unter alten Zweigen,
ein Vogel singt sein Abschiedslied,
und feine Nebelschleier steigen,
bis dann der Tag vorüber zieht.

Oh Herbst, du stiller, weiser Meister,
du schenkst dem Wald sein schönstes Kleid,
und in uns weckst du alte Geister,
voll Sehnsucht nach der Sommerzeit.
Taxi5013 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt Gestern, 22:42   #2
thommi
Erfahrener Eiland-Dichter
 
Registriert seit: 28.12.2013
Beiträge: 108
Standard

Hallo Taxi5013,

Prost! Da bist du also nach deinen New Yorker Diamanten-Träumen bei Tiffany wieder sanft im heimischen Forst gelandet. Und was für ein Naturerlebnis du uns da kredenzt! Ich muss ja gestehen, ich bin absolut fasziniert von der Logik deiner herbstlichen Wald-Romantik. Wenn man deine Bilder nämlich mal beim Wort nimmt, brennt dort sprichwörtlich die Hütte.

Das Drama beginnt gleich in der ersten Strophe. Du dichtest da vom „herbstes Zauber“. Was bitteschön soll das sein? Meinst du den Zauber des Herbstes? Oder zaubert der Herbst? Durch dieses ungelenke Grammatik-Kauderwelsch klingt das Bild leider nicht poetisch, sondern wie gewollt und nicht gekonnt. Und dein anschließender Wetterbericht setzt dem Ganzen die Krone auf: „weht Wind, schon kühl, bald ist es kalt.“ Das ist kein Gedicht, Taxi, das ist ein meteorologischer Zustandsbericht auf dem Niveau eines Grundschul-Aufsatzes. Man spürt förmlich, wie dir beim Schreiben selbst die Finger eingefroren sind und du einfach nur hastig die Zeile vollmachen wolltest.

In der zweiten Strophe wird es dann richtig gefährlich: „Die Buchen tragen Feuer Flammen...“
Hut ab für diesen cineastischen Plot-Twist! Du klatschst hier einfach zwei Substantive völlig beziehungslos aneinander. Buchen tragen im Herbst feuerrotes Laub, aber doch keine brennenden Flammen! Wenn man dein Bild beim Wort nimmt, fackelt dein Wald gerade lichterloh ab. Da wundert es mich auch gar nicht mehr, dass das Reh so schnell durch das Laub huscht – das arme Vieh versucht wahrscheinlich panisch, dem Großbrand zu entkommen.

Inhaltlich stößt dein kreativer Wortschatz ohnehin extrem schnell an seine Grenzen. In Strophe 1 weht der Wind über „alten Bäumen“, und nur zwei Strophen weiter träumt ein Pilz unter „alten Zweigen“. Fällt dir für einen herbstlichen Wald wirklich kein anderes Adjektiv ein? Das wirkt nicht zauberhaft, sondern inhaltlich monoton und lieblos zusammengeschustert. Und was bitteschön macht eigentlich dieser Pilz? Der „träumt unter alten Zweigen“. Das ist so ein wunderbar inhaltsleeres Kinderbuch-Klischee. Pilze wachsen im feuchten Herbstlaub, aber warum sollte ein Pilz „träumen“ und wovon? Vom nächsten Buchen-Brand?

Dein Text transportiert leider keinerlei echte, selbst erlebte Beobachtungen. Du greifst einfach blind in die Kitsch-Kiste und nimmst, was dir in die Finger kommt: Blätter fallen, ein Reh huscht, ein Vogel singt, Nebel steigt auf. Das ist inhaltlich so flach und austauschbar, dass es auch die Beschreibung einer Modelleisenbahn-Landschaft sein könnte.

Geh mal lieber eine Runde ohne Keule an die frische Luft und schau dir einen echten Wald an – vielleicht fällt dir dann ein anderes Wort als „alt“ ein.

Freundliche Grüße
thommi

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