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#1 |
Gesperrt
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Berlin
Beiträge: 2.213
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Lieber Anklagebert,
Manno, das hat mich umgehauen! Ganz, ganz großartig, da fehlt nichts, gar nichts. Die Wirklichkeit ist schlimm genug, jeder weiß darum. Aber wie Du das in 12 Zeilen verdichtest, das ist schlichtweg genial! Erschütterte Grüße, Medusa. (kommt in meinen Ordner!) |
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#2 |
Slawische Seele
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Inselstadt Ratzeburg
Beiträge: 5.637
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Lieber norbert,
ich bin noch etwas unsicher ob der Traurigkeit um die "armen Leute". ![]() Es ist traurig um sie bestellt, ja, aber gefährlich, sich auf IHRE Traurigkeit einzulassen. Sehnsucht grau, nicht fähig sein, sich selbst zu lieben und ein Wartezimmer, in dem keine Uhr mehr tickt - wie soll man sich ihnen nähern? Sie lassen nichts zu, was mit Sonne, Liebe und Vergeben zu tun hat. Sie sähen IHRES aus und wollen ernten, was nicht aufgehen kann. (Ich hoffe, ich habe richtig verstanden.) Liebe Grüße Dana
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Ich kann meine Träume nicht fristlos entlassen,
ich schulde ihnen noch mein Leben. (Frederike Frei) |
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#3 |
MohnArt
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: RLP
Beiträge: 1.949
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Liebe Dana (entschuldige Norbert),
ich habe schon verstanden, was Du damit sagen willst. Aber weißt Du, in sie selbst ist oft auch viel Traurigkeit und Bedrückung hineingesät worden. Woher sollen sie es nehmen? Es gibt wohl Möglichkeiten, aber oft haben sie keinen Zugang dazu - eben weil sie das "vergebens" schon zu oft erfahren haben. Liebe Grüße an Euch Beide, Klatschmohn |
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#4 |
Slawische Seele
Registriert seit: 07.02.2009
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Beiträge: 5.637
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Ein Glück, dass das hier erlaubt ist:
Liebe Klatschmohn, darum schrieb ich, ich wäre verunsichert ob der "armen Leute". Ich weiß auch, was du meinst. Ich meinte die anderen. ![]() Norbert, erklär es uns jetzt, bitte ... ![]()
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#5 |
Neuer Eiland-Dichter
Registriert seit: 14.03.2009
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Beiträge: 10
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Hallo Norbert,
ich empfinde dein Gedicht recht anrührend. Ich meine zu wissen, was Armut ist. Als Außenseiter mit künstlerischen Ambitionen habe ich einiges an Not hinter mir, und kämpfe mich gerad wieder mit wenig Kraft aus einer schwierigen Situation. In Notzeiten, da ich auf mich selbst zurück geworfen, war habe ich viel gelernt. Und nicht selten gehörten sie zu meine kreativsten Phasen. Was du hier beschreibst ist aber eine bittere Armut, die die Seele des Menschen angreift, weil sie verletzend ist. Doch möchte ich noch erwähnen, dass der Begriff 'Armut' immer auch im sozialen Gefüge bewertet werden sollte. Zu Beginn einer Weltreise als junger Mann habe ich Deutschland mit dreihundert Mark verlassen. Damit hätte ich hier kaum einen Monat auf dem untersten Level leben können. In anderen Ländern war ich mehrmals erstaunt, wie dort Menschen mit nicht einmal einem zehntel meines Lebensstandards ihre Würde zu wahren wussten. Das betrachtete ich damals verwundert als einer der höchsten Lebenskünste. Wir leben aber nunmal hier. Armut scheint auch vererblich zu sein. Gut gemacht, bedankt, Alrici |
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#6 |
Gast
Beiträge: n/a
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Lieber Norbert
habe dein gedicht 1 x gelesen und gedacht: Wow, wo bekommt er diese starken Bilder her. Das lag daran, dass ich sogleich die Bilder zu deuten vermochte, respektive glaube, was Du sagen wolltest. Dachte: Ein selten schönes und tiefes Gedicht. Beim zweiten lesen und dann der Kommentare, wurde ich etwas verunsichert angesichts der Bilder. Arme Leute- kann man auf unterschiedliche Weise interpretieren. Du weißt wie ich das meine und muss nicht weiter ausholen. Auch der letzte Schrei: es muss ja nicht ein Merkmal der Nichtarmen sein, dass sie schreien können. Ich kenne sehr glückliche und in sich ruhende Menschen, von denen ich mir nicht vorstellen kann, dass sie mal ausrasten und schreien. Es ist also der Schrei noch keine Garantie für eine ausgeglichene Gefühlswelt oder fürs Glücklichsein. Dann der Wartesaal in dem die Uhr nicht tickt. Wieder ein unglaublich starkes Bild, das mich sofort gefangen nahm , aber beim zweiten darüber nachdenken, kam ich zu der Ansicht, dass die tickende Uhr auch als Synonym für genau dieses Unglücklichsein stehen könnte und bei Menschen, wie den Aborigines oder anderen Naturvölkern, die ohne Uhr leben, das Zufriedensein vielleicht daher kommt, dass diese "hektische Uhr" eben nicht tickt. So viel dazu. Ein ganz starkes Gedicht über dass man nicht nachdenken sollte sondern sich von den von Dir beschworenen Bildern verzaubern lassen sollte. Lieben Gruß reinhard |
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#7 |
ADäquat
Registriert seit: 07.02.2009
Ort: Mitteldeutschland
Beiträge: 13.009
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Lieber norbert,
das ist, glaube ich, eines deiner stärksten Gedichte! Dazu auch meine Gratulation! Viel wurde schon geschrieben und in deinen Text hineingedeutet. Wie ReinArt bin ich der Ansicht, dass arm und arm zwei unterschiedliche Dinge sind - einmal arm an positiven Gefühlen und zum zweiten die materielle Armut. Ich meine, du beschreibst hier die Gefühlsarmut und zwar mit sehr passenden, starken Worten... oder doch die materiell Minderbemittelten, die keinen Ausweg sehen aus Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit....? Für die Zeile mit dem Schrei schlage ich dir Ruf vor. Lässt sich gefälliger lesen und wirkt nicht ganz so oft verwendet. Letzter Schrei ist auch so ein Mode-Schlagwort ![]() Sehr gern gelesen und darüber nachgedacht hat mit lieben Grüßen, katzi
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#8 |
Neuer Eiland-Dichter
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Hallo Katzi,
deine Unterscheidung zwischen emotionaler Ausweglosigkeit und materieller Armut ist berechtigt. Den emotionalen Aspekt sehe ich in Norberts Werk in V2 Z1+Z2 beschrieben. In V1 lese ich die Auswirkung von materieller Armut auf Emotion (Emotion=Seele) und geistiger Widerstandskraft. In V3 Vergeblichkeit, Ausweglosigkeit und Stillstand (Uhr). Emotionale und materielle Armut beeinflussen einander. Das heißt nicht, dass arme Leute nicht lieben können. Ganz und gar nicht, die können emotional reicher und liebesfähiger sein als manch reicher Pinkel der sich für Geld meint alles kaufen zu können. (Glück in der Liebe kann keiner bezahlen). Aber es gibt nach unten hin eine Grenze, unter der die Armut unerträglich (weil zu viel Stress) werden kann und so wie oben beschrieben sich verheerend auf das gesamte Lebensgefühl auswirkt. Alrici |
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#9 |
Erfahrener Eiland-Dichter
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Beiträge: 1.011
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..sorry, klatschmohn, das habe ich nicht auslösen wollen...
danke dir, medusa! ab dana werden die anmerkungen unterschiedlich, deshalb will ich mich differenzierter zu meinen intentionen äußern. ganz konkret meine ich die materielle armut, ohne wenn und aber. ich habe sie teils beobachtet, teils am eigenen leib erfahren. in meiner kindheit in meiner familie, in meinem gedicht "wer?" habe ich mich dazu geäußert. ab den späten 50gern in dem vorort, in den mein vater mit seiner großen familie zog. dort gab es noch die grün gestrichenen holzbaracken - provisorische "wohnungen" für die "armen leute" - ich habe als jugendlicher TODESÄNGSTE ausgestanden, wenn ich - was unvermeidbar war - durch die barackengegend gehen musste, denn mir drohte allein schon deswegen prügel, weil ich offensichtlich von "der anderen seite der straße" war. es war eine dumpfe, demütigende aggressivität, sprachlos, gemein - von gedemütigten ausgeübt. es gab wenige, die mit großer energie versucht haben, ihrem "barackenschicksal" zu entkommen - sie hatten es doppelt und dreifach schwer, da ihnen der stallgeruch anhaftete. "wenn der letzte schrei stirbt" ist keineswegs nur als metapher zu verstehen - er starb oft an der kraftlosigkeit der krankgerauchten lungen und der alkohlbedingten körperschwäche. alrici, wenn ich dich recht verstehe, beschreibst du in deinem fall eine armut die "dich persönlich" betrifft/betroffen hat. die ist schlimm genug - viel schlimmer ist, wenn "der arme" familie hat, wenn seine "unschuldigen" kinder automatisch davon mitbetroffen sind, wenn er von der eigenen familie verachtet wird, sei es (auch das habe ich in seinen üblen konsequenzen hautnah beobachtet), dass er seine kinder frühzeitig in die sklavenarbeit drängt, um die familie mitzuernähren, für deren materielle sicherheit ER doch zuständig ist - er zwingt damit nämlich den kindern das gleiche schicksal auf, unter dem er zerbricht, ich weiß, wovon ich schreibe. (ich habe auch erst viel später die wut meine tante verstanden, als damals - noch zu sw-tv-zeiten - die sparkasse mit dem slogan "haste was, dann biste was!" warb...) der wartesaal und die nicht tickende uhr meint folgendes: wenn ich im wartesaal sitze, dann "warte" ich auf einen zug, den ich besteigen will, eine orts-, situationsveränderung, ich schaue auf die uhr, um rechtzeitig am bahnsteig zu sein. dass, wenn materielle not so vordringlich ist, dass man ihr nur noch mit alkohol, dumpfer aggression etc. kurzzeitig begegnen kann, die gedanken "schrumpfen", an den engstehenden schranken auch die kleinste bewegung zu schmerzhaften kollisionen führt, muss ich nicht näher erläutern. ich habe nun etwas zu meinen gedanken geschrieben - mit geht sehr viel mehr dazu durch den kopf... liebe grüße norbert |
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#10 |
Slawische Seele
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Lieber norbert,
danke, dass du aufgeklärt hast. Ich habe ganz anders gelesen und hatte ein Bild der "geistig Verarmten", die nichts anderes gelten lassen, als ihre Sichtweisen. Jene, die ganz in sich verschlossen bleiben und mit der Zeit jede Chance verpassen, aus einer selbst geschaffenen Dunkelheit heraus zu kommen. Das Bild, das du nun enthüllt hast, ist ein ganz anderes. Arme Leute gibt es wieder und es werden immer mehr. Es hilft ihnen nicht weiter, wenn man ihnen aufzeigt, dass es anderswo noch schlimmer ist und dass diese Menschen aber glücklicher sind. Es ist nicht einzig die Armut, die weh tut. Das Abgestelltwerden, die menschenunwürdige Behandlung verursacht die von dir verdichteten Schmerzen. Ich persönlich kenne ebenfalls die Armut und behaupte doch, dass es noch eine andere gewesen ist. Die knallharten Kontraste waren nicht gegeben, nicht so augenscheinlich, wie es heute ist. Liebe Grüße Dana
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