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Werkhalle Gedichte und Geschichten gemeinsam bearbeiten oder fertig stellen

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Alt 01.02.2015, 18:00   #1
Claudi
Senf-Ei
 
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Hi Bodo,

schön, dass Du mitmachst! Hausaufgaben gibts bis jetzt noch nicht, höchstens Anregungen, dies oder das zu probieren. Die Ablehnung einer Aufgabe ist für mich auf jeden Fall eine größere Hilfe als stumme Verweigerung. Am leichtesten macht Ihr es mir mit konkret formulierten Wünschen. Expertin würde ich mich nicht nennen. Ich hab nur einiges über antike Versformen gelesen, auch ein bisschen reingehört und geübt und sag mal, für die Grundlagen und erste Schritte reicht es.

Wer mag, kann gerne Vorschläge zu einzelnen oder auch allen vier Versen im Zusammenhang einbringen. Hauptsache, die Textmenge bleibt überschaubar. Fragen sind immer höchst willkommen und für mich eine gute Orientierungshilfe. Aus Deinen Versen sticht bereits einer mit richtig kräftiger Zäsur heraus:


Saßen jüngst die Freunde der Dichtkunst beim Weine zusammen
(und) priesen launig reimend die Götter, die Weiber und Musen.
Meister Guida wiegte - nach längerem Schweigen - bedächtig
sein Haupt, erhob sich erst selbst und danach seine Stimme zur Rede:


Was Du vermutlich überlesen hattest, ist die Grundregel, dass der Hexameter immer auftaktlos, also betont, beginnt. Das kannst Du ja mal korrigieren und vielleicht versuchen, die Trochäen möglichst wandern zu lassen, sie also besonders bei benachbarten Versen nicht an die gleiche Stelle zu setzen.

Vielleicht sind die wandernden Trochäen auch eine leichtere Anfangsübung als die Zäsuren. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr die Übung nebenbei auch abseits von Friedhelms Versen mit dem nächstbesten Quatsch machen, der Euch gerade in den Sinn kommt. Bis das Ohr sich an die neuen Gegebenheiten ohne den Bezugspunkt "Endreim" gewöhnt, dauert es eine ganze Weile.

Meine Obstsalatmischung einige Male hintereinander laut zu lesen, könnte eine Einstimmung sein. Ich selbst höre hier die unterschiedliche Bewegung sehr deutlich, aber ich kann nicht beurteilen, ob es für Euch etwas bringt. (Wie bereits erwähnt, soll das nur eine Hörübung und kein vorbildlicher Hexa sein).


Äpfel, Bananenscheiben, Orangen, geröstete Nüsse
Xx|x Xx Xx|x Xx|x Xxx Xx

Äpfel, Orangen, Bananenscheiben, geröstete Nüsse
Xx|x Xx|x Xx Xx|x Xxx Xx

Äpfel, geröstete Nüsse, Bananenscheiben, Orangen
Xx|x Xxx Xx|x Xx Xx|x Xx


Hier nochmal die Zusammenfassung der wichtigsten Regeln:

Zitat:
Erkennungsmerkmale des Hexameters:

Sechshebiger Vers, geht immer betont los und endet mit der Schlussformel XxxXx (Adoneus = Daktylus plus Trochäus).


Besonderheiten:

1. In den ersten vier Versfüßen werden vereinzelte Daktylen durch Trochäen ersetzt. Ich sag mal, so ca. ein bis zwei pro Vers, aber immer schön abwechslungsreich, so dass nicht in jedem Vers der gleiche Fuß verkürzt wird.

Xx(x) Xx(x) Xx(x) Xx(x) Xxx Xx

Für die ersten vier Versfüße kann jeweils entweder ein Daktylus oder ein Trochäus stehen. Der fünfte Fuß ist ein Daktylus, der sechste immer ein Trochäus.


2. Jeder Vers hat mindestens eine Hauptzäsur (Einschnitt, Sprechpause), nach der es unbetont weitergeht. Wir kümmern uns erstmal nur um sehr deutliche Einschnitte, die an einem Satzzeichen zu erkennen sind (Komma, Punkt, Frage/Ausrufezeichen). So könnte das z.B. aussehen:

Xxx Xx X|x Xxx Xxx Xx
Immer her- einspa- ziert, doch nur mit ge- waschenen ßen

Liebe Grüße
Claudi
__________________
.
Rasple die Süßholzwurzel so fein, dass es staubt, in den reichlich
Abgestandenen Quark; darüber verträufele Wermut,
Bis aus dem Rührwerk, Burps! endlich das Bäuerchen kommt.
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Alt 04.02.2015, 10:18   #2
Friedhelm Götz
Schüttelgreis
 
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Hi!

Ich glaube, dass die Aufgabe, aus meiner Geschichte Hexameter zu machen, wohl doch zu schwierig ist. Es war auch gar nicht meine Intention.

Nun hat mich ein Rat eines Lesers erreicht, der meinte, ich solle doch meine Verse um eine sechste Hebung erweitern und die Geschichte dann als Gedicht in sechshebigen reinen Daktylen (Holodaktylen) bezeichnen. Das habe ich gemacht und stelle das Ergebnis hier vor:

Die Geschichte von König Pego und den reimenden Dichtern
erzählt in sechshebigen reinen Daktylen (Holodaktylen)

Saßen jüngst Freunde der Dichtkunst in weinselger Runde zusammen,
priesen in launigen Reimen den Wein und erzählten sich Schnurren.
Einer von ihnen, der wenig getrunken und lange geschwiegen,
wiegte bedächtig sein schütteres Haupt und begann eine Rede:

»Freunde, o lasset mich heute vom Königreich Pega erzählen,
lange regierte dort Pego als König mit Würde sein Volk,
liebte die Künste, die Maler, die Bildner und Dichter vor allem,
aber die Dichter von Pega verschmähten verachtend den Reim.

Pego auf Reisen war einstens des öftren im Reimland gewesen,
lernte gereimte Gedichte, Balladen und Oden zu schätzen,
aber er konnte die heimischen Dichter dafür nicht gewinnen,
störrisch und hämisch bekämpften sie alle Gedichte mit Reimen,

schrieben in leiernden Rhythmen gehässig Pamphlete dagegen,
traten, als reimende Dichter versuchten, ins Reich einzudringen,
diesen entgegen, wie reitende Boten dem König berichten:
›Pego, o König, verrnehme, es stehn an der Grenze von Pega

Scharen von reimenden Dichtern, begehren in Pega Asyl
Wütende Bürger von Pega bereiten uns heftige Sorge,
sehen die Reinheit der Dichtung durch Reime aufs Schlimmste bedroht.‹
Sagte drauf Pego, der König, mit ruhiger Stimme zu ihnen:

›Reinheit der Dichtung?«, wie dümmlich die Schreier dort lauthals skandieren.
Fremde zu schmähen, das kann doch Peganern wahrhaftig nur schaden.
Konnte nicht Pega auch fremde Kulturen schon selber bereichern?
Reimende Dichter, wir wollen sie herzlich und fröhlich begrüßen.›

Also sprach Pego und wandte sich höflich an jene Verfemten:
›Freunde der Reime, ins Königreich Pega gekommene Dichter,
fasset euch, Meister der Reimkunst, so sehr ihr auch heute betrübt seid.
Pflanzet nun eifrig und fröhlich die Reime in lyrische Gärten.

Wenn erst die fleißigen Immen die blühenden Verse bestäuben,
mögen euch köstliche Früchte zur reichlichen Ernte erfreuen.
Pega, die Feste, beschenket zur Düngung mit Pegasus Äpfeln,
sehet, es wächst auf den Feldern und Wiesen von Pega sehr viel.›«

Staunend vernahmen die Freunde die blumigen Verse des Schweigers,
lobten den Vortrag begeistert und zeigten sich weiter begierig,
wollten auch wissen, was denn aus den Dichtern von Pega geworden...
Sagte drauf jener, sie hätten selbst kunstvoll auch Reime geschüttelt:

»Sahn sich in Pega von Fremden erst Dichter, die besten gefährdet,
fingen sie an, sich mit prachtvollen Versen die Nester zu formen,
haben mit Reimern umarmend sich fröhlich bei Festen gebärdet,
fanden gemeinsam so dichtend allmählich auch fester zu Normen.

Pego, der König, entdeckte, dass sich sein Gehege erweitert,
hörte begeistert Touristen nach Pega die Reise erwägen,
hieß es, sie würden von reimenden Dichtern am Wege erheitert,
welche Intresse am Leben in Pega so weise erregen.

Pega ist dann aber leider, als Pego gestorben, gesunken,
Vielen der Dichter hat's nämlich, es waren meist Sorben, gestunken,
suchten das Reimland und zogen auf Wegen nach Mailand. In Hessen
priesen sie singend in klingenden Versen den Heiland in Messen,

bis im Iran, wo sie nervige Klänge von Luren verspüren,
nahe von Gräbern im Sande sich schließlich die Spuren verlieren.
Zahlreiche Forscher, die sich dort schon lange mit Fetzen geschunden,
haben in Gräbern und Grüften nicht viel, was sie schätzen, gefunden. «

LG Fridolin
Friedhelm Götz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.02.2015, 10:34   #3
Claudi
Senf-Ei
 
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Hi Fridolin,

wo siehst Du denn die Vorteile sechshebiger Daktylen gegenüber fünfhebigen? Ich würde meinen, ohne Hexa-Sound liest sich die fünfhebige Version flotter und bringt Deine Schüttler besser zur Geltung. Ich glaube aber nicht, dass es schwierig ist, aus Deinen Versen Hexameter zu machen. Klar, da steckt noch einiges an Arbeit drin und ich weiß nicht, wie schnell Du Dir ein Ergebnis vorgestellt hattest. Ich würde sagen, ein paar Wochen müssten wir uns dafür schon Zeit nehmen.

Hier nur mal ein Beispiel, wie durch eine minimale Veränderung ein erstaunlicher Effekt erzielt werden kann:

›Pego, o König, verrnehme, es stehn an der Grenze von Pega

›Pego, o König, vernimm, es stehn an der Grenze von Pega


Wenn Dir das zu aufwändig ist, könntest Du uns Deinen Text vielleicht trotzdem für weitere Übungen zur Verfügung stellen? Du könntest uns dann erstmal über die Schulter schauen und nur ablehnen, was Dir nicht gefällt, und wenn Du dann doch noch Lust bekommst, evtl. später aktiv mit einsteigen. Das ist jetzt nur eine Idee. Vielleicht stehen Dir auch jetzt schon die Haare zu Berge, wenn Du siehst, was wir mit Deinem Text veranstalten. Für ein Nein hätte ich jedenfalls volles Verständnis.

Am besten, Du sagst mal kurz, wie Du dazu stehst.

Liebe Grüße
Claudi
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Bis aus dem Rührwerk, Burps! endlich das Bäuerchen kommt.

Geändert von Claudi (05.02.2015 um 10:51 Uhr)
Claudi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.02.2015, 14:40   #4
Friedhelm Götz
Schüttelgreis
 
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Hallo Claudi,

wie du weißt, schreibe ich ja viel lieber Schüttelreim-Gedichte. In diesem Fall wollte ich aber tatsächlich mich an einem Hexameter versuchen, weshalb ich von vornherein zunächst auf Schüttelreime verzichtet habe. Ich wusste anfangs auch gar nicht, wie sich meine Verse entwickeln würden, habe mich dabei an einer Vorlage von Eduard Mörike orientiert, dem „Märchen vom sicheren Mann“. Dabei fiel mir auf, dass Mörike mehrfach reine Daktylen verwendet:

„Etliche sagen, ihn habe die steinerne Kröte geboren“.

Ich habe das entsprechend versucht, auf die Zahl der Hebungen aber gar nicht so geachtet. Beide Versionen sehe ich als Fingerübungen, denn Gedichte in reinen Daktylen sind ja eher selten und auch mir ist dieses Versmaß anfangs doch recht schwierig vorgekommen, ist aber auch eine Übungssache. Allerdings bin ich dabei so in einen lyrischen Fluss geraten, dass ich mich vom ursprünglichen Ziel (Hexameter) entfernt habe, zu dem ja dann auch die Strophen mit Schüttelreimen nicht passen würden. Du kennst ja Meister Ferdis Einwendungen gegen Reime bei Hexametern. Also, ich hab nichts dagegen, mein Gereime als Spielmaterial zu verwenden, mal sehen, was dabei herauskommt.

LG Fridolin
Friedhelm Götz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.02.2015, 16:42   #5
Bodo Neumann
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Hallo ihr zwei,

zunächst Dank an Fridolin für das freundliche Überlassen des Textes - er wird einige Gewalt über sich ergehen lassen müssen.
Ich sehe das ganze übrigens auch als Fingerübung und halte es für eine Illusion, das ganze Epos umzuackern - aber man kann ja mal anfangen. Vielleicht entdecke ich ja noch so etwas wie Freude am Hexameter - zumindest will ich es mal probiert haben.

Die erste Strophe habe ich nach Claudis Anweisung überarbeitet. Das ist dabei herausgekommen:
Saßen jüngst die Freunde der Dichtkunst beim Weine zusammen,
priesen Götter in launigem Reim, auch Weiber und Musen.
Einer von ihnen, der lang geschwiegen hatte, erhob sich,
wiegte bedächtig sein Haupt, und sprach zum Kreis der Poeten:

XxXxXxxXx|xXxxXx
XxXxxXxxX|xXxxXx
XxxXx|xXxXxXx|xXx
XxxXxxX|xXxXxxXx
Die Verse beginnen nun alle betont, die Trochäen sind halbwegs gemischt untergebracht, die letzten beiden Versfüße regelkonform (XxxXx). Sehe ich das richtig?

Beim Markieren der Zäsuren fiel mir auf, dass sie in V1 und V2 an der gleichen Stelle sitzen - sollte man auch hier auf einen Wechsel achten? Und weiter: darf man eine Zäsur, wie in V3, noch so weit hinten setzen?

lg Bodo
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Alt 10.02.2015, 07:52   #6
Claudi
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Hallo Ihr Lieben,

Zitat:
zunächst Dank an Fridolin für das freundliche Überlassen des Textes - er wird einige Gewalt über sich ergehen lassen müssen.
Auch von mir vielen Dank, Fridolin! Dass der Text mich auch inhaltlich anspricht, hatte ich noch gar nicht gesagt. Schöne Idee! Und ich würde mich sehr wundern, wenn ein paar zusätzliche knackige Details wie Bodos "Meister Guida" nicht auch bei Dir ganz gut ankämen.

Andererseits ist mir auch klar, dass Du es nicht auf den Jahrhunderthexa anlegst. Wenn wir es hinkriegen, Deine sechshebigen Daktylen mit ein paar winzigen Federstrichen in echte Hexameter zu verwandeln, wäre wohl schon das Wesentliche erreicht und wir hätten Dir kaum in Deinen eigenen Stil hineingepfuscht. Einige Holodaktylen könnten auch ohne weiteres so stehen bleiben. Vielleicht sollten wir dann nur einige Dopplungen herauskürzen, d.h. der Gesamtumfang könnte evtl. um einige Verse schrumpfen.


Zitat:
Ich sehe das ganze übrigens auch als Fingerübung und halte es für eine Illusion, das ganze Epos umzuackern - aber man kann ja mal anfangen. Vielleicht entdecke ich ja noch so etwas wie Freude am Hexameter - zumindest will ich es mal probiert haben.
Wie gesagt, die Minimallösung wäre leicht, bringt allerdings nicht viel Lehrreiches. Ich habe den Eindruck, dass Du mit den Aufgaben etwas unterfordert bist, und bin am überlegen, ob ich Dir für jeden weiteren Schritt tatsächlich immer wieder den gleichen Abschnitt vorsetzen soll. Was ich bis jetzt gesagt habe, setzt Du ja mit Leichtigkeit um.


Zitat:
Saßen jüngst die Freunde der Dichtkunst beim Weine zusammen,
priesen Götter in launigem Reim, auch Weiber und Musen.
Einer von ihnen, der lang geschwiegen hatte, erhob sich,
wiegte bedächtig sein Haupt, und sprach zum Kreis der Poeten:
In V3 hast Du zwei satzzeichenverstärkte Nebenzäsuren, die für den ungeübten Leser die Hauptzäsur zu übertrumpfen scheinen. Ich lese den Vers allerdings so:

Einer von ihnen, | der lang || geschwiegen hatte, | erhob sich,

Und dann kommt das lange Schweigen in der verlangsamten Versbewegung voll zum Tragen. Das ist, wenn es von Dir so beabsichtigt war, schon verdammt schlau eingefädelt. Ein weiterer Pluspunkt ist die etwas schwerere Schlusssenkung "sich". Es macht sich im Hexameter gut, wenn die Verse nicht jedes Mal mit schwachen "e"- oder "en"-Silben enden. Ich versuche da immer ein bisschen zu mischen. In V1 wäre es z.B. schön, wenn wir die "Dichtkunst" ans Versende kriegen könnten.


Zitat:
Die Verse beginnen nun alle betont, die Trochäen sind halbwegs gemischt untergebracht, die letzten beiden Versfüße regelkonform (XxxXx). Sehe ich das richtig?
Ja, auch sonst hast Du alles richtig gemacht. Ich ergänze noch eine Kleinigkeit, die ich am Anfang noch raushalten wollte. Es gibt gelegentlich, wenn der vierte Fuß dreisilbig ist, auch den sehr seltenen Versschluss XxXx (Spondeiazon). Willst Du solche Fremdwörter wissen, oder soll ich sie Dir ersparen? Wenn der in Friedhelms Gesamtwerk einmal vorkäme, wäre das o.k.


Zitat:
Beim Markieren der Zäsuren fiel mir auf, dass sie in V1 und V2 an der gleichen Stelle sitzen - sollte man auch hier auf einen Wechsel achten?
Gut, dass Du überhaupt darauf achtest. Ich denke, man muss es nicht so übertreiben, dass der Inhalt darunter leidet. U.U. könnte es sogar passend sein, absichtlich mal zwei identisch gebaute Verse in Reihe zu schalten.


Zitat:
Und weiter: darf man eine Zäsur, wie in V3, noch so weit hinten setzen?
Wenn es wie hier eine Nebenzäsur ist, ja. Aber das sehe ich so, weil ich die Mittelzäsur als sehr deutliche Pause lese. Selbstverständlich ist das nicht, der Vers könnte auch anders gelesen werden. Dann wäre sie so weit hinten fehl am Platz. Ein Kritiker, der grundsätzlich Satzzeichenzäsuren den höheren Rang gibt, würde vermutlich meckern.

Noch eine Anmerkung zur Silbenqualität. Ideal (aber natürlich nicht immer umzusetzen) ist es, wenn in den dreisilbigen Füßen die Senkungen schön leicht und möglichst gleichwertig sind. Sie machen den Verslauf schnell. Schwerere Senkungssilben, insbesondere die ganz schweren (z.B. "kunst" in "Dichtkunst") sind besser als Einfachsenkung, also in zweisilbigen Füßen aufgehoben. Sie bremsen das Tempo.

Am besten, Du sagst mal, wie Dir das weitere Vorgehen am meisten Spaß machen würde. Mal sehen, ob ich heute noch Zeit finde, einen eigenen Vorschlag zum ersten Abschnitt zu posten. Ich füge ihn dann hier ein. Wenn Du inhaltlich noch freche Ideen hast, immer her damit! Meister Guida würde m.E. ganz gut als Pegos Berater passen.

LG Claudi

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Hier erstmal ein Versuch, die ersten drei Abschnitte nur ganz wenig zu ändern. Fridolin, Du kannst ja mal schauen, ob das so einigermaßen in Deinem Sinn wäre, bevor ich mir den Rest vornehme.

Zitat:
Zitat von Fridolin
Saßen jüngst Freunde der Dichtkunst in weinselger Runde zusammen,
priesen in launigen Reimen den Wein und erzählten sich Schnurren.
Einer von ihnen, der wenig getrunken und lange geschwiegen,
wiegte bedächtig sein schütteres Haupt und begann eine Rede:

»Freunde, o lasset mich heute vom Königreich Pega erzählen,
lange regierte dort Pego als König mit Würde sein Volk,
liebte die Künste, die Maler, die Bildner und Dichter vor allem,
aber die Dichter von Pega verschmähten verachtend den Reim.

Pego auf Reisen war einstens des öftren im Reimland gewesen,
lernte gereimte Gedichte, Balladen und Oden zu schätzen,
aber er konnte die heimischen Dichter dafür nicht gewinnen,
störrisch und hämisch bekämpften sie alle Gedichte mit Reimen,
Saßen jüngst die Freunde der Dichtkunst beim Weine zusammen,
priesen in launigem Reim die Musen, erzählten sich Schnurren.
Einer, der lang geschwiegen, nur nickend zugestimmt hatte,
wiegte nun bedächtig sein Haupt und begann eine Rede:

Hört, Gefährten der Feder, ich will euch von Pega berichten.
Lange regierte dort Pego sein Volk. Der gebildete König
liebte die Künste, die Poesie in Versen vor allem,
aber die Leute von Pega verschmähten den Wohlklang des Reimes.

Pego auf Reisen war oft und gerne im Reimland gewesen,
lernte gereimte Gedichte, Balladen und Oden zu schätzen,
konnte jedoch die heimischen Dichter dafür nicht gewinnen.
Störrisch bekämpften sie alles, was reimte, und spotteten hämisch.
__________________
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Rasple die Süßholzwurzel so fein, dass es staubt, in den reichlich
Abgestandenen Quark; darüber verträufele Wermut,
Bis aus dem Rührwerk, Burps! endlich das Bäuerchen kommt.

Geändert von Claudi (12.02.2015 um 04:19 Uhr)
Claudi ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.02.2015, 08:32   #7
Friedhelm Götz
Schüttelgreis
 
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Hallo Claudi,

Zitat:
Saßen jüngst die Freunde der Dichtkunst beim Weine zusammen,
priesen in launigem Reim die Musen, erzählten sich Schnurren.
Einer, der lang geschwiegen, nur nickend zugestimmt hatte,
wiegte nun bedächtig sein Haupt und begann eine Rede:

Hört, Gefährten der Feder, ich will euch von Pega berichten.
Lange regierte dort Pego sein Volk. Der gebildete König
liebte die Künste, die Poesie in Versen vor allem,
aber die Leute von Pega verschmähten den Wohlklang des Reimes.

Pego auf Reisen war oft und gerne im Reimland gewesen,
lernte gereimte Gedichte, Balladen und Oden zu schätzen,
konnte jedoch die heimischen Dichter dafür nicht gewinnen.
Störrisch bekämpften sie alles, was reimte, und spotteten hämisch.
Ich hab mal versucht, bei den folgenden Strophen selber Hand anzulegen:

Schrieben kitschig gereimte Pamphlete gehässig dagegen
traten, als fremde Dichter die Grenzen des Reiches passierten,
diesen wütend entgegen, wie Boten dem König berichten:
›Pego, o König, vernimm, es stehn an der Grenze von Pega

Scharen von reimenden Dichtern, fordern von Pega Asyl.
Wütende Bürger von Pega bereiten uns heftige Sorge,
sehen Reinheit der Dichtung durch Reime aufs Schlimmste bedroht.‹
Sagte drauf Pego, die Stimme zornig erhebend zu ihnen:

›Reinheit der Dichtung?‹, wie dümmlich Schreier dort lauthals skandieren!
Fremde zu schmähen kann doch Peganern wahrhaftig nur schaden.
Konnte nicht Pega fremde Kulturen schon selber bereichern?
Reimende Dichter, ich will sie herzlich und fröhlich begrüßen.›

Also sprach Pego, wandte sich höflich an jene Verfemten:
›Freunde des Reims, ins Königreich Pega gekommene Dichter,
fasset euch, Meister und huldigt weiter der heiteren Dichtung.
Pflanzet drum eifrig, streut Samen auf Beete in lyrischen Gärten.

Wenn dann die fleißigen Immen blühende Verse bestäuben,
mögen euch köstliche Früchte reichlich zur Ernte erfreuen.
Pega, die Feste, beschenkt zur Düngung mit Pegasus Äpfeln.
Fruchtbare Wiesen und Felder belohnen die sorgsamen Gärtner. ›«

Staunend lauschten die Freunde den blumigen Versen des Schweigers,
lobten den Vortrag begeistert und waren weiter begierig,
wollten erfahren, was aus den Dichtern von Pega geworden...
Sprach der Erzähler, sie hätten kunstvoll auch Reime geschüttelt.

»Sahn sich in Pega zunächst die Dichter, die besten gefährdet,
fingen sie an, sich prachtvoll mit Versen die Nester zu formen,
haben Reimer umarmend sich fröhlich bei Festen gebärdet,
fanden gemeinsam dichtend allmählich auch fester zu Normen.

Pego, der König, sah froh des Reiches Gehege erweitert,
hörte noch mehr Touristen nach Pega die Reise erwägen,
hieß es, sie würden von reimenden Dichtern am Wege erheitert,
welche Intresse am Leben in Pega weise erregen.

Pega ist später leider, als Pego gestorben, gesunken.
Viele der Dichter, denen es danach als Sorben gestunken,
suchten das Reimland, zogen auf Wegen nach Mailand. In Hessen
priesen sie singend und klingend gereimt den Heiland in Messen,

bis im Iran, wo sie nervig Klänge von Luren verspüren,
nahe von Gräbern im Sand sich schließlich die Spuren verlieren.

LG Fridolin

Geändert von Friedhelm Götz (15.02.2015 um 06:47 Uhr)
Friedhelm Götz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.02.2015, 07:55   #8
Claudi
Senf-Ei
 
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Hallo Fridolin,

schön, dass Du jetzt selbst Hand anlegst. Du weißt am allerbesten, wie Du Dich ausdrücken willst. Meine "Gefährten der Feder" passen wohl nicht so ganz. Ich wollte nur einerseits die Freunde nicht so oft verwenden und andererseits einen längeren Ausdruck haben, damit eine schöne Mittelzäsur entsteht. Ich sag erstmal nur kurz was zu Deinen Versen, ohne konkrete Änderungsvorschläge.


Zitat:
Schrieben kitschig gereimte Pamphlete gehässig dagegen
traten, als fremde Dichter die Grenzen des Reiches passierten,
diesen wütend entgegen, wie Boten dem König berichten:
›Pego, o König, vernimm, es stehn an der Grenze von Pega
Einmal "dagegen" und wenig später "entgegen". Ich würde V1 ändern und überlegen, ob die Spötter unbedingt reimen müssen. "Reime" und "reimen" tauchen in der Folge ja noch sehr häufig auf.


Zitat:
Scharen von reimenden Dichtern, || fordern von Pega Asyl. - begehren ... ?
Wütende Bürger von Pega bereiten uns heftige Sorge,
sehen Reinheit der Dichtung durch Reime aufs Schlimmste bedroht.‹ - gefährdet?
Sagte drauf Pego, die Stimme zornig erhebend, zu ihnen:
In V1 liegt die Zäsur nicht im Versfuß, V1 und V3 enden betont.


Zitat:
›Reinheit der Dichtung?‹, wie dümmlich || Schreier dort lauthals skandieren!
Fremde zu schmähen, || kann doch Peganern wahrhaftig nur schaden.
Konnte nicht Pega | fremde Kulturen || schon selber bereichern?
Reimende Dichter, ich will sie || herzlich und fröhlich begrüßen.›
Hier sind auch einige Zäsurfehler. Bodo, willst Du da mal mit ran? "Lauthals" wäre ein schönes Wort fürs Versende.


Zitat:
Also sprach Pego, | wandte sich höflich || an jene Verfemten:
›Freunde des Reims, | ins Königreich Pega || gekommene Dichter,
fasset euch, | Meister | und huldigt weiter || der heiteren Dichtung.
Pflanzet drum eifrig, | streut Samen || auf Beete | in lyrischen Gärten.
Hier ist jedes Mal die gleiche Versendung xXxxXx. "Dichtung" ist sehr gut da hinten aufgehoben.


Zitat:
Wenn dann die fleißigen Immen || blühende Verse bestäuben,
mögen euch köstliche Früchte || reichlich zur Ernte erfreuen.
Pega, die Feste, beschenkt zur Düngung || mit Pegasus Äpfeln.
Fruchtbare Wiesen und Felder || belohnen die sorgsamen Gärtner. ›«
In V1 und V2 Zäsurfehler. Es muss nach der Hauptzäsur immer unbetont weitergehen.

So viel fürs Erste. Da steckt schon einiges an Arbeit drin. Wenns nicht klappt, mach ich gerne Vorschläge. Aber vielleicht mögt Ihr ja ein bisschen dran fummeln.

LG Claudi
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Abgestandenen Quark; darüber verträufele Wermut,
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Alt 21.02.2015, 19:40   #9
Bodo Neumann
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Zitat:
Bodo, willst Du da mal mit ran? "Lauthals" wäre ein schönes Wort fürs Versende.
Hallo Claudi,
viel Zeit habe ich derzeit nicht, aber irgendwie habe ich mich wohl für diesen Kurs angemeldet und muss da nun durch, hab ich recht?

Aufgrund deiner Hinweise zum Setzen der Zäsuren und der Trochäen habe ich mich für diese Variante hier entschieden. Mit der "Botschaft" im letzten Vers (und später auch mit "verunglimpft" in V3) habe ich versucht, deine Idee aufzugreifen, "schwerere" unbetonte Silben einzubauen. Mir gefällt diese Differenzierung, über die ich mir bisher nie Gedanken gemacht habe.

...
"Pego, o König, vernimm, es stehn an der Grenze von Pega

Scharen reimender Dichter, Asyl begehrender Weise.
Ängstliche Bürger des Landes entfachen wütende Feuer:
›Reinheit der Dichtung – vom Reim befleckt – auf ewig verunglimpft! ‹“
Ruhig, doch bestimmt, erklärte der König den fragenden Menschen:

„›Reinheit der Dichtung‹ skandiert das satte Volk also lauthals?
Fremde zu schmähen, gereicht Peganern recht bald schon zum Schaden -
hat nicht Pega selbst die Kulturen der Nachbarn bereichert?
Reimende Dichter, sie seien gegrüßt. Verbreitet die Botschaft!“
Ich wäre dir auch dankbar dafür, wenn du mir mal die Zäsuren einzeichnest, wie du sie liest. Das fand ich bisher ganz spannend, und ich möchte das mal mit meinem Gefühl vergleichen.

Gruß Bodo

Edit: Okay, ich habe mich doch noch an die Vorgängerstrophe gemacht - irgendwie macht die Bastelei schon Spaß... Ich stelle nur gerade für mich fest, dass ich über der akribischen Arbeit an einzelnen Versen bzw. Strophen den inhaltlichen Gesamtzusammenhang etwas aus den Augen verliere. (ich habe das Gefühl, dass nicht jeder Satz im Zusammenhang mit Vorherigem oder Nachfolgendem schlüssig ist. Was solls - vordergründig geht es erst einmal um die Technik, oder?

Geändert von Bodo Neumann (22.02.2015 um 16:47 Uhr)
Bodo Neumann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.02.2015, 00:04   #10
Claudi
Senf-Ei
 
Registriert seit: 26.04.2014
Beiträge: 861
Standard

Hallo Bodo,

Zitat:
viel Zeit habe ich derzeit nicht, aber irgendwie habe ich mich wohl für diesen Kurs angemeldet und muss da nun durch, hab ich recht?
Mit der Zeit gehts mir auch so. Müssen musst Du natürlich gar nichts, aber ich sehe ja, dass Du Dich reinhängst.


Zitat:
Mit der "Botschaft" im letzten Vers (und später auch mit "verunglimpft" in V3) habe ich versucht, deine Idee aufzugreifen, "schwerere" unbetonte Silben einzubauen. Mir gefällt diese Differenzierung, über die ich mir bisher nie Gedanken gemacht habe.
Sehr schön! Ich zeichne mal die Zäsuren ein, wie ich sie lesen würde:



Scharen reimender Dichter, || Asyl begehrender Weise. 3w
Ängstliche Bürger des Landes || entfachen wütende Feuer: 3w
›Reinheit der Dichtung – | vom Reim befleckt – || auf ewig verunglimpft! ‹“ 2w, 4m
Ruhig, doch bestimmt, | erklärte der König || den fragenden Menschen: 2m, 4w

„›Reinheit der Dichtung‹ skandiert || das satte Volk also lauthals? 3m
Fremde zu schmähen, | gereicht Peganern || recht bald schon zum Schaden - 2w, 4w
hat nicht Pega selbst || die Kulturen der Nachbarn bereichert? 3m
Reimende Dichter, | sie seien gegrüßt. || Verbreitet die Botschaft!“ 2w, 4m


Tendenziell würde ich schauen, dass die Zweiteilung der Verse (also nur eine Zäsur etwa in der Mitte) häufiger vorkommt als die Dreiteilung. Irgendwie scheinen natürlich gebaute Sätze immer schon nach der zweiten Hebung einen Sinnabschnitt zu haben. Da muss man immer ein bisschen gegenan arbeiten, damit sich das nicht zu sehr häuft. Sonst finde ich Deine Verse ganz gut gelungen.


Zitat:
Ich stelle nur gerade für mich fest, dass ich über der akribischen Arbeit an einzelnen Versen bzw. Strophen den inhaltlichen Gesamtzusammenhang etwas aus den Augen verliere. (ich habe das Gefühl, dass nicht jeder Satz im Zusammenhang mit Vorherigem oder Nachfolgendem schlüssig ist. Was solls - vordergründig geht es erst einmal um die Technik, oder?
Genau. Das denke ich auch.

LG Claudi


EDIT: Für die Zäsuren habe ich inzwischen bessere Kürzel im Netz gefunden, die ich gerne übernehme. Die Füße werden einfach numeriert und dann ein m (für männlich) bzw. ein w (für weiblich) angehängt. Ich ändere das oben. Männliche Zäsuren sind die direkt nach der Hebung, weibliche die nach der ersten Senkung.
__________________
.
Rasple die Süßholzwurzel so fein, dass es staubt, in den reichlich
Abgestandenen Quark; darüber verträufele Wermut,
Bis aus dem Rührwerk, Burps! endlich das Bäuerchen kommt.

Geändert von Claudi (26.08.2015 um 21:45 Uhr)
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