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#1 | |
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Schüttelgreis
Registriert seit: 02.11.2011
Beiträge: 954
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Zitat:
formal bei entsprechender Betonung ok, auch die Trochäen sitzen an richtigen Stellen. Störend finde ich die Häufung einsilbiger Wörter, die sich erfahrungsgemäß nur schlecht in den Daktylus fügen. Zweifeln lässt mich Blendwerk , dieses Wort hat eine starke Nebenbetonung auf der zweiten Silbe, die ja in der Senkung stehen müsste: Worte sind bloße Blender... Ich bin ja in Sachen Distichon selbst noch ein Übender, für längere Werke in dieser Gedichtform fehlt mir der lange Atem. Schließlich fühle ich mich als Humordichter auch immer noch dem Reim verpflichtet, der ja bei Distichen ein Unding ist. LG Fridolin
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Reime zu schütteln, gilt vielen als Nonsens von Spaßern, nichts Rechtes!
Aber die Spaßer mit Ernst suchen im Unsinn den Sinn! |
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#2 |
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Gast
Beiträge: n/a
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Moin Moin charis,
Mit dem Reimschema habe ich mich noch nicht so beschäftigt, aber ich möchte dir gerne sagen, das mich die Bilder beeindrucken, die Sprachgewalt. Der Inhalt, obwohl du ihn unter Satire gepostet hast, nachdenklich macht. Er könnte auch in der Rubrik stehen. Ich habe dein Gedicht schon mehrfach gelesen und bin schwer beindruckt. Liebe Grüße sy ![]() ![]()
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#3 | |
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/ Bil-ly /
Registriert seit: 02.10.2015
Beiträge: 435
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Vielen Dank, lieber Fridolin,
Du hast mir sehr geholfen...ja, deine Schüttelei, die werd ich wohl nicht erlernen, da bekomme ich einen Knoten im Hirn; aber ich finde sie sehr anspruchsvoll und amüsant. Nochmals zu Gothe (die Vorlage für meine erste Strophe): Zitat:
, nein ehrlich, ich habe nur den festen Vorsatz es zukünftig besser zu machen als Goethe ) Ich bin also in dieser ersten Zeile sofort über die Einsilber im zweiten Teil gestolpert, abgesehen von der unschönen Inversion (vielleicht war die aber auch nur zeitgemäß) und dem fehlenden "hast". Wolo hat daher wohl Recht, die ersten Verse müssen den Leser klar und deutlich hinführen, was man von ihm will, jedenfalls bis er sich an den Rhythmus gewöhnt hat. Im Vortrag ist das vielleicht anders.(?) Liebe Sy, Herzlichen Dank, ich freu mich sehr, dass dich der Inhalt angesprochen hat, ob die Form nun Distichen sind oder nicht. Über die "akademische Diskussionen" hatte ich ihn schon beinahe vergessen Ich muss noch viel lernen (ich beschäftige mich ja erst seit etwa eindreiviertel Jahren mit Lyrik..und hab auch nicht wirklich viel Zeit dafür) und das ist auch sehr reizvoll für mich. Mir geht es beim Schreiben in erster Linie um das Spielerische. Ich finde, man kann erst dann mit den Formen spielen, wenn man ausreichend (wann ist das nur? ) Ahnung davon hat. Dann kann man sich auch ganz bewusst seine (eigenwillig-spielerischen) "Freiräume" nehmen...so sehe ich das halt. Man beginnt sozusagen mit "Mensch-ärgere-dich-nicht" und später spielt man vielleicht einmal ganz gelassen "Schach". ![]() Lieben Gruß charis |
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#4 | |
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Schüttelgreis
Registriert seit: 02.11.2011
Beiträge: 954
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Zitat:
ich sehe diese Zeile nicht misslungen, so kann man das durchaus betonen und die Inversion stört mich auch nicht. In der Lyrik Goethes und Schillers sind zahlreiche Inversionen zu finden, einige Beispiele sind hier aufgelistet: https://www.lernhelfer.de/schuelerle...ikel/inversion LG Fridolin
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Aber die Spaßer mit Ernst suchen im Unsinn den Sinn! |
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#5 | ||
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Senf-Ei
Registriert seit: 26.04.2014
Beiträge: 861
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Hallo Charis,
Du hast Dir gleich zwei Höchstschwierigkeiten vorgenommen, alle Achtung! Das Distichon erfordert einiges an Übung, weil es dabei so viele Dinge zu beachten gilt, die man als Anfänger einfach nicht alle auf einmal im Blick haben kann. Keine Sorge, das wird schon, wenn Du kontinuierlich dranbleibst. ![]() Fridolin und Wolo haben ja schon ein paar Fehler herausgepickt und einige Tipps dagelassen. Ich will jetzt gar nicht so viel in Deinem Werk herumstochern, sondern mich lieber auf die ganz kleinen Schritte konzentrieren. Zu Deiner Frage: Zitat:
Auf den Goethevers kann ich vielleicht später nochmal eingehen. Offensichtlich sind Dir seine Stärken nicht ganz verborgen geblieben, wenn Du die erste Vershälte als Schablone verwendest. Es wäre doch eine schöne Übung, hierfür die perfekte zweite Hälfte zu suchen? Vor allem würde ich mich aber erstmal auf die Zäsuren konzentrieren, und das geht am besten in Alltagsprache, ohne dabei auf Sinnhaltigheit Rücksicht nehmen zu müssen. Versuche einfach frei von der Leber alles, was Dir in den Sinn kommt, mit Zäsur zu formulieren. Satire ist das zweite schwierige Fach. Die kommt mir in Deinen Elegien noch nicht klar genug heraus. Zum Teil liegt es wohl an der lose zusammengebundenen Form. Wenn Du Dich sprachlich mehr aufs Altertümeln verlegen möchtest, käme vielleicht eine Epistel nach biblischem Vorbild oder eine Predigt als Grundkonzept infrage? Da wäre dann sowas wie der Blendwerk-Vers passend, vorausgesetzt es käme deutlicher heraus, wer hier zu wem spricht und auf was sich die Anspielungen beziehen. Das Kind beim Namen nennen! Für eine modernere Variante, die mit Reizwörtern wie "Gutmensch" und "linkes Gesocks" spielt, wäre ich eher zu begeistern. Das "linke Gesocks" würde ich dann aber z.B. genauso schön scharfkantig lesen wollen: XxxX. In diesem Spiel üben wir solche spöttischen, scharfzüngigen Sachen. Vielleicht hast Du ja Lust mitzumachen. Da würde sicher auch Politisches reinpassen. Zitat:
So, das soll für heute reichen. Fühl Dich auf keinen Fall entmutigt durch die Kritikpunkte und scheue Dich nicht, uns Löcher in den Bauch zu fragen. Ich freue mich immer, wenn das Gespräch auf den Hexa kommt, habe nur nicht immer sofort Zeit zum Antworten. ![]() LG Claudi
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. Rasple die Süßholzwurzel so fein, dass es staubt, in den reichlich Geändert von Claudi (06.12.2015 um 15:53 Uhr) |
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#6 |
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/ Bil-ly /
Registriert seit: 02.10.2015
Beiträge: 435
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Liebe Dank, Claudi, für deine ausführliche Stellungnahme.
Ich habe die erste Strophe überarbeitet. Die ist mir eigentlich sehr wichtig, weil sie eine Art "Vorrede" darstellt, korrespondierend mit der "Nachrede" - dem Goethezitat. Ob es als Satire wirklich durchgehen kann? Keine Ahnung? Nun ja, wenn dann jedenfalls eher unterschwellig; ich mag an sich das nicht so Deutliche lieber, die schleichenden Gifte sozusagen. ![]() Lieben Gruß charis |
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#7 |
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Gast
Beiträge: n/a
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Hallo charis
Ich denke auch, dass Goethe in diesem Gedicht nicht wirklich eine glückliche Hand hatte, wenn er gleich die erste Zeile mit Einsilbern und Inversion so belastete. Allerdings gilt es zwei Dinge zu beachten: - Die Zeit und die Umgebung, in der er das schrieb, war es gewohnt, dass schöngeistige Männer sich in die Brust warfen und Hexameter krähten. Und artistische Inversionspurzelbäume waren damals schon einem gewissen Publikum Zeichen von Bildung, vielleicht konnte man den höheren Töchtern mit so was imponieren, wer weiss... (der Geheimrat selbst hat dieses Stilmittel nicht stark gesucht, im Gegensatz zu einigen seiner Zeitgenossen.) Vielleicht haben diese Purzelbäume die Lateinschüler entschädigt für die Qualen, welche sie beim Übersetzen von (inversiven) lateinischen Hexametern litten... - Goethes erste Zeile ist, obwohl fragwürdig, tatsächlich ein Hexameter nach den "Regeln der Kunst". Die Bedeutung, der Einbezug des Standpunktes des LD lassen eigentlich keine andere Satzmelodie zu als die mit Betonung des "mir". Damit läuft bezüglich Versmaß auch ohne Rücksicht auf Goethes Publikum alles paletti. Deine verschiedenen Versionen für eine erste Zeile halten die Regeln nicht ein und sind nicht fürs gleiche Publikum geschrieben wie jener Goethesche Vers. Das macht einen kleinen Unterschied zwischen euch beiden. Aber... (s.o.) edit: In G.s erwähntem Gedicht steht auch folgende Zeile: Hero erblickte Leandern am lauten Fest, und behende Die ist nun auch nicht gerade super. Und ich würde sie als weiteren Beleg dafür sehen, dass es dem Dichter mehr darum ging, eine Dame rumzukriegen, vor ihr zu gockeln, als unanfechtbare Hexameter zu schreiben. Gruss wolo Geändert von wolo von thurland (06.12.2015 um 23:23 Uhr) |
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#8 |
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/ Bil-ly /
Registriert seit: 02.10.2015
Beiträge: 435
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Lieber Wolo,
Danke für deinen Eintrag. Ich hätte bei Goethe eigentlich natürlich nicht "mir" - "schnell" betont, sondern "mir"- "dich", betont; das wars eben wo ich stolperte, die "Richtige" musste ich mir erst "erarbeiten", aber das liegt vielleicht daran, dass ich mich erst darin üben muss, wie man Distichen zu lesen hat. also "dass du mir so schnell dich ergeben" xxXxxXxXx Was stimmt jetzt wieder nicht an meiner ersten Strophe? ![]() Lass dich du, o Fremder, nicht reun, dass du ängstlich mir misstraust. XxXxXxxXxxXxxXx Sprichst du mit mir, bin ich taub, denke nur niedrig von dir. XxxXxxXXxxXxxX Worte sind bloßes Blendwerk, oft lauernde Hechte im Trüben, XxxXxXxxXxxXxxXx schleichende Gifte, wovon kranket auf ewig mein Herz. XxxXxxXXxxXxxX Verzweifelte Grüße charis Geändert von charis (09.12.2015 um 07:40 Uhr) |
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#9 | |
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Senf-Ei
Registriert seit: 26.04.2014
Beiträge: 861
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Hallo Charis,
Zitat:
Lass dich / du, o / Fremder, || nicht / reun, dass du / ängstlich mir / misstraust. So war es wohl gemeint? "Das Misstrauen" betone ich auch tatsächlich auf der ersten Silbe, "du misstraust" allerdings klar auf der zweiten. Daher stimmt das Versende m.E. nicht. Möglich wäre (wenn es denn inversiv sein soll, was ich vermeiden würde) vielleicht: Lass dich / du, o / Fremder, || nicht / reun, dass du / stets mich be- / argwöhnst. Die anderen drei stimmen metrisch, da hadere ich mit der Stilistik. Du reihst hier gleich drei verschiedene Metaphern für "Worte" aneinander. Vermutlich soll das soviel heißen wie: Worte sind manchmal Blendwerk, manchmal Hechte im Trüben und manchmal schleichendes Gift? Das ist mir zu viel des Guten. LG Claudi
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. Rasple die Süßholzwurzel so fein, dass es staubt, in den reichlich |
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#10 |
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/ Bil-ly /
Registriert seit: 02.10.2015
Beiträge: 435
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Danke, liebe Claudi,
Ich habe es nochmal umgeschrieben . Ich kanns nicht lassen ![]() Lieben Gruß charis |
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