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Alt Gestern, 11:10   #1
Taxi5013
Erfahrener Eiland-Dichter
 
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Standard Hafenleben bei Nacht

Hafenleben bei Nacht

Wenn tief im Hafen Nebel wallt, und Möwenschrei durch Gassen schallt, wenn Schiffe ruh'n am Kai im Wind, beginnt die Nacht fürs Hafen-Kind.

Die Kneipen öffnen ihre Türen, wo Schnaps und alte Lieder rühren, wo jeder Seemann, rau und wild, sein Heimweh tief im Herzen stillt.

Die Würfel rollen, Gläser klingen, die Zecher grölen, Mädchen singen, ein alter Seemann hebt sein Glas: ;Auf all die Jahre und den Spaß!

Im roten Licht der schmalen Gassen sieht man Gestalten, die nicht passen in jene Welt aus Glanz und Schein, doch auch sie möchten glücklich sein.

Die Frauen stehn an dunklen Ecken, wo Neonlichter Schatten wecken. Ein Lächeln hier, ein Blick, ein Wort und schon trägt dich die Nacht hinfort.

Sie bieten Nähe, süße Stunden, für Geld wird manches Glück gefunden. Doch wenn der Morgen grau erwacht, bleibt oft die Einsamkeit der Nacht.

Ein Mädchen lehnt am Fensterrahmen, die Fremden kennen nicht den Namen. Sie schaut hinaus aufs dunkle Meer und wünscht sich manchmal gar nichts mehr,

als einmal nur, ganz ohne Lügen, ein Herz zu finden, das kann lieben, das nicht gleich geht beim ersten Licht, und sagt: ;Vergiss mich morgen nicht.

Dort drüben schlägt ein Seemann Lärm, sein Herz ist hart, sein Blick nicht warm. Doch tief im Innern, unbewacht, weint auch ein Mann in dieser Nacht.

Ein Messer blitzt, ein Stuhl zerbricht, ein Fluch fährt durch das Dämmerlicht. Der Wirt ruft: ;Schluss jetzt, raus mit euch!; Draußen tobt der Wind zum Meer ;
nein, draußen tobt die See am Kai, und irgendwo schreit ein Matrose: Ahoi! Ein Schlepper zieht sein müdes Licht durch Nebel, den der Morgen bricht.

Dann wird es still in diesen Gassen, die letzten Zecher heimwärts wanken. Ein Mädchen löscht das rote Licht und fragt sich leis: Wer denkt an mich?

Die Schiffe zieh'n hinaus aufs Meer, die Kneipen sind nun menschenleer. Doch zwischen Sehnsucht, Rauch und Bier verliert so mancher sein Herz hier.

Und wenn die Sonne golden lacht, hat manches Herz die Nacht bewacht. Denn hinter jedem rauen Schein kann eine stille Sehnsucht sein.

Und tief im Hafen, weit vom Land, liegt manches Glück im Sand verbrannt. Doch wer die Menschen dort versteht, weiß, dass auch dort die Liebe lebt.
Denn ob Matrosen, Dirnen, Diebe ein jeder sehnt sich doch nach etwas Liebe. Und manchmal, wenn das Meer leis spricht, sieht selbst die dunkelste Seele Licht.
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